Wurden Sie zur Übernahme von Bestattungskosten verpflichtet?

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Die Kosten für eine Beerdigung sind vorrangig von Angehörigen zu zahlen, sagt das Sozialrecht. Dabei ist die Kostenübernahme auch bei nur geringem familiären Kontakt zumutbar, ergänzt jetzt das Hessische Landessozialgericht. Zum Glück kann man hier unter bestimmten Voraussetzungen außergewöhnliche Belastungen geltend machen!

In dem Fall, der vor dem Hessischen LSG verhandelt wurde, ging es um die Frage, ob und wann der Sozialhilfeträger die Kosten für eine Beerdigung übernehmen muss, weil die Kostenübernahme den Verwandten des verstorbenen aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen nicht zugemutet werden kann. Grundsätzlich gilt dabei: Je weiter das Verwandtschaftsverhältnis ist, umso eher kann dies der Fall sein. Fehlende Nähe und ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Geschwistern führt jedoch nicht zur Unzumutbarkeit. Da müssen schon schwerwiegende Gründe dazukommen, wie zB eine Körperverletzung oder Missbrauch (Hessisches LSG, Urteil vom 6.10.2011, Az. L 9 SO 226/10).

Bestattungskosten können außergewöhnliche Belastungen sein

Den zur Zahlung verpflichteten Verwandten bleibt als kleiner Trost, dass sie die Kosten für die Beerdigung in ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend machen können.

Richten Sie die Beerdigung einer anderen Person aus (z.B. eines Angehörigen), können die Kosten in manchen Fällen als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art abziehbar sein. Das sind die Voraussetzungen:

  • Die Kostenübernahme muss für Sie aus rechtlichen oder sittlichen Gründen zwangsläufig sein. Eine rechtliche Zwangsläufigkeit kann vorliegen, wenn Sie der (oder ein) Erbe des Verstorbenen sind oder wenn Sie dem Verstorbenen gegenüber unterhaltspflichtig waren. Bei fehlender Unterhaltspflicht kann eine sittliche Zwangsläufigkeit vorliegen, wenn der Verstorbene ein Angehöriger im Sinne des § 15 AO war oder wenn Sie in seltenen Fällen gegenüber einem entfernten Verwandten oder Bekannten besonders verpflichtet waren.
  • Die Kosten sind nur abziehbar, soweit der Nachlass des Verstorbenen nicht ausreicht, um die Beerdigung zu bezahlen. Zusätzlich reduzieren sich die Beerdigungskosten um Leistungen, die Sie persönlich von dritter Seite bekommen, zB als Bezugsberechtigter aus einer Sterbegeldversicherung.
  • Es muss sich um "unmittelbare" Beerdigungskosten handeln, wie zum Beispiel die Grabstätte, den Grabstein oder den Sarg. Nicht abziehbar sind die "mittelbaren" Kosten, wie zum Beispiel das Traueressen oder die Trauerkleidung.

Achtung, zumutbare Belastung!

"Unmittelbare" Beerdigungskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art, bei denen die zumutbare Belastung berücksichtigt wird. Die Höhe der zumutbaren Belastung hängt davon ab, ob Sie Kinder haben und wie viel Sie verdienen.

Die zumutbare Belastung wird von der Summe der außergewöhnlichen Belastungen abgezogen. Nur diese dann noch verbleibenden außergewöhnlichen Belastungen werden steuermindernd berücksichtigt. Mit dem Abzug der zumutbaren Belastung soll die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden.

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