Wann Kosten einer Unterbringung im Heim abziehbar sind

Wer in einem Heim lebt oder den Umzug in ein Heim plant, weiß, dass die Heimunterbringung eine teure Angelegenheit sein kann. Ein kleiner Lichtblick: In bestimmten Fällen können Sie die Heimkosten steuerlich als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art absetzen.

Sind die Kosten abziehbar, dann berücksichtigt der Finanzbeamte die Aufwendungen zwar ohne Höchstbetragsbegrenzung – das gilt zumindest, soweit die Kosten angemessen sind. Dennoch wirken sich Ihre Aufwendungen nur aus, soweit sie zusammen mit Ihren anderen außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art die sogenannte zumutbare Belastung überschreiten.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für den Abzug der Heimunterbringungskosten nicht? Dann kommt trotzdem der Abzug von tatsächlich in Anspruch genommenen Pflegeleistungen als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art infrage.

Voraussetzung ist, dass die Pflegeleistungen von einem nach § 89 SGB XI anerkannten ambulanten Pflegedienst oder vom Betreiber eines nach § 71 SGB XI zur Pflege zugelassenen Heims ausgeführt und gesondert in Rechnung gestellt worden sind (R 33.3 Abs. 1 Satz 3 EStR 2012).

Auch wenn die Kosten nicht für Sie selbst, sondern für eine andere Person anfallen, können Ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art abziehbar sein.

1. Wenn Sie selbst im Heim leben

Nur wenn die Heimunterbringung nachweislich wegen Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder Krankheit notwendig ist, können die Kosten zu abziehbaren außergewöhnlichen Belastungen führen. Ein Heimaufenthalt aus Altersgründen ist dagegen steuerlich nicht absetzbar.

1.1 Was ist ein Heim?

Zunächst stellt sich aber die Frage, wann überhaupt ein Heim im Sinne des Einkommensteuergesetzes vorliegt.

In den vergangenen Jahren hat sich für Menschen mit besonderen Bedürfnissen das Angebot an Wohnformen sehr verändert. Neben Alten- und Pflegeheimen gibt es betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen, betreute Wohngemeinschaften für behinderte Menschen und vieles mehr.

Im Einkommensteuerrecht führen diese vielfältigen Wohnformen zu Abgrenzungsproblemen, zumal sie auch noch mit den unterschiedlichsten Namen daherkommen. Deshalb stellen sich die Fragen:

  • Wann liegt ein Heim im Sinne des EStG vor? Gelten bei Pflegebedürftigkeit, Behinderung und Krankheit die gleichen Abgrenzungskriterien?

  • Wie müssen Sie nachweisen, dass Sie in einem Heim im Sinne des EStG leben?

Offizielle Antworten auf diese Fragen gibt es derzeit noch nicht, denn weder im EStG noch in den Verwaltungsanweisungen lassen sich Regelungen hierzu finden. Dennoch sind die Antworten wichtig, denn es geht um die Frage,

  • ob der Finanzbeamte sämtliche Heimkosten einschließlich Unterbringung und Verpflegung anerkennen muss oder

  • ob er den Abzug trotz nachgewiesener Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder Krankheit verweigern darf.

Unseres Erachtens sind hier unterschiedliche Kriterien maßgebend, je nachdem, ob bei der Heimunterbringung

  • der pflegerische Bedarf im Vordergrund steht oder

  • psychische bzw. seelische Einschränkungen usw. ursächlich sind.

In den folgenden Kapiteln lesen Sie, was Sie bei welchem Anlass beachten müssen.

1.2 Welcher Anlass zu abziehbaren Heimkosten führt

1.2.1 Abziehbar: Kosten pflegebedingter Heimunterbringung

Wenn die Pflegebedürftigkeit offiziell vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse oder Versorgungsamt festgestellt worden ist, reicht das als Nachweis.

Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn

  • Sie in eine der drei Pflegestufen I, II oder III eingruppiert sind oder

  • aus Ihrem Schwerbehindertenausweis bzw. dem Feststellungsbescheid des Versorgungsamtes das Merkzeichen H für hilflos hervorgeht (denn Hilflosigkeit steht der Pflegestufe III gleich) oder

  • eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt ist.

Haben Sie zwar einen dauernden Pflegebedarf, reicht dieser aber nicht für die Pflegestufe I aus, spricht man von der inoffiziellen Pflegestufe 0. Diese Pflegestufe berechtigt nur dann zum Abzug von Unterbringungskosten im Heim, wenn außerdem eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz vorliegt.

Achtung: Obwohl Sie Ihre Pflegebedürftigkeit nachgewiesen haben, kann es sein, dass der Finanzbeamte Ihnen den Abzug der Heimkosten verweigert. Das kommt vor, wenn Sie in der falschen Einrichtung leben. Erkennt der Beamte die Einrichtung nicht als Heim an, dann kommt nur der Abzug der Kosten für häusliche Pflege infrage – also die Pflege zu Hause durch einen zugelassenen Pflegedienst. Die höheren Kosten für die Unterkunft haben Sie allein zu tragen.

Beispiel:

Frau Siegmund hat sich entschieden, rechtzeitig in eine Einrichtung für betreutes Wohnen umzuziehen, damit sie möglichst lange selbstbestimmt leben kann. Die monatliche Warmmiete pro Quadratmeter liegt bei 13,40 € und damit deutlich über den 10,25 €, die sie in ihrer bisherigen, durchaus vergleichbaren Wohnung zu zahlen hatte. Hinzu kommt noch eine Betreuungspauschale von 108,10 € pro Monat. Diese Mehrkosten kann Frau Siegmund steuerlich nicht geltend machen, da sie aus Altersgründen in das betreute Wohnen umgezogen ist.

Als bei ihr die Pflegestufe I festgestellt wird, übernimmt die Pflegekasse trotz Vorliegen der Pflegestufe keine Kosten für die Unterkunft im betreuten Wohnen, weil das keine nach § 71 SGB XI anerkannte stationäre Pflegeeinrichtung ist.

Auch der Finanzbeamte erkennt die Mehrkosten für das Leben im betreuten Wohnen trotz Vorliegen der Pflegestufe nicht an, weil er das betreute Wohnen nicht als Heim anerkennt. Wenn Frau Siegmund aber individuelle und separat abgerechnete Pflegeleistungen beansprucht, zählen die Kosten hierfür zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art.

Hätte Frau Siegmund sich entschieden, in ein Altenheim zu gehen, dann wären ab der Feststellung der Pflegestufe I sämtliche Heimkosten abzüglich der Haushaltsersparnis zu berücksichtigen.

Um die Anerkennung der Aufwendungen kommt der Finanzbeamte nicht herum, wenn es sich bei der Einrichtung um ein Heim im Sinne des Heimgesetzes handelt. Da das Heimgesetz Ländersache ist, kann es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelungen geben.

Ob eine Einrichtung die Kriterien für ein Heim im Sinne des Heimgesetzes erfüllt, kann nur die für diese Einrichtung zuständige Behörde entscheiden. Sie brauchen also die Bescheinigung dieser Behörde, um sicherzugehen, dass der Finanzbeamte Ihre Heimkosten anerkennt. Lassen Sie sich deshalb bitte vom Betreiber eine Kopie dieser Bescheinigung geben.

1.2.2 Abziehbar: Kosten behinderungsbedingter Heimunterbringung

Müssen Sie wegen Ihrer Behinderung dauerhaft in einem Heim leben, ohne dass Pflegebedürftigkeit nachgewiesen ist? Dann ist es schon aus Nachweisgründen ratsam, vor dem Umzug den Amtsarzt aufzusuchen.

Lassen Sie sich bescheinigen, dass Ihr Aufenthalt in der Einrichtung wegen Ihrer Behinderung notwendig ist. Unseres Erachtens muss es sich hierbei nicht um eine anerkannte Pflegeeinrichtung und auch nicht um ein Heim im Sinne des Heimgesetzes handeln.

So hat der BFH zum Beispiel die Kosten für die behindertengerechte Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft anerkannt (BFH-Urteil vom 23.5.2002, III R 24/01, BStBl. 2002 II S. 567). Wenn es sich bei der Einrichtung aber nicht um eine anerkannte Pflegeeinrichtung oder ein anerkanntes Heim handelt, dann achten Sie bitte darauf, dass aus dem amtsärztlichen Attest hervorgeht, welche konkrete Einrichtung Ihr neues Zuhause werden soll und weshalb Sie gerade hier betreut werden müssen. Nur so vermeiden Sie Probleme mit dem Finanzbeamten.

Zwar dürfen Sie keine Heimkosten geltend machen, wenn Sie einen Behinderten-Pauschbetrag in Anspruch nehmen. Bitte holen Sie sich trotzdem vorab ein amtsärztliches Attest. Denn:

Heimkosten sind in der Regel sehr hoch. Deshalb stellt sich nach Ablauf des Steuerjahres oft heraus, dass sich ein Verzicht auf den Behinderten-Pauschbetrag lohnt. Statt den Pauschbetrag anzusetzen, weisen Sie dann Ihre gesamten außergewöhnlichen Belastungen einschließlich der Heimkosten nach und machen sie geltend. Und dann brauchen Sie das Attest.

1.2.3 Abziehbar: Kosten krankheitsbedingter Heimunterbringung

Führt eine Krankheit dazu, dass Sie in einem Heim leben müssen, können die Heimkosten auch dann als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sein, wenn keine Pflegebedürftigkeit nachgewiesen ist und Sie auch keine individuellen Pflegeleistungen in Anspruch genommen haben (BFH-Urteil vom 13.10.2010, VI R 38/09, BStBl. 2011 II S. 1010). Eine solche Situation kann zum Beispiel bei einer psychischen Krankheit gegeben sein.

In diesem Fall muss es sich unseres Erachtens nicht um eine anerkannte Pflegeeinrichtung handeln. Es muss auch kein Heim im Sinne des Heimgesetzes sein. Unproblematisch ist der Abzug der Kosten dann allerdings nur, wenn Sie ein vorab ausgestelltes amtsärztliches Attest vorlegen können. Daraus muss hervorgehen,

  • dass Ihre Unterbringung in der Einrichtung aus Krankheitsgründen notwendig ist,

  • wie lange Ihr Aufenthalt dort voraussichtlich notwendig ist und

  • in welcher konkreten Einrichtung Sie untergebracht werden müssen und weshalb Sie gerade hier betreut werden müssen.

1.2.4 Nicht abziehbar: Kosten altersbedingter Heimunterbringung

Viele Menschen leben ausschließlich aus Altersgründen in einem Heim. Obwohl auch hier die Kosten ganz schön zu Buche schlagen, sind in diesem Fall keine Heimkosten abziehbar. Es fehlt schon an der Außergewöhnlichkeit.

Dies gilt selbst dann, wenn ein Ehegatte wegen seiner Pflegebedürftigkeit in einem Heim lebt und der andere nicht pflegebedürftige Ehegatte mit in das Heim zieht. Dann werden nur die Aufwendungen des pflegebedürftigen Ehepartners für die Heimunterbringung berücksichtigt – nicht aber die des nicht pflegebedürftigen Ehegatten (BFH-Urteil vom 15.4.2010, VI R 51/09, BStBl. 2010 II S. 794).

1.3 Welche Kosten wann abziehbar sind

1.3.1 Der abgeschlossene Vertrag entscheidet über die Höhe der abzugsfähigen Kosten

Heimkosten umfassen neben den Kosten der ärztlichen Betreuung und der Pflege auch die Mehrkosten für die Unterbringung und Verpflegung. Diese Kosten sind abziehbar, soweit Sie sie selbst getragen haben. Dies gilt auf jeden Fall, wenn ein sogenannter Pflege-Wohnvertrag abgeschlossen wurde.

Bei einer Unterbringung in einem Seniorenwohnstift ist entscheidend, dass nach den Bestimmungen des Wohnstiftsvertrags nicht lediglich Wohnraum überlassen wird. Vielmehr müssen auch Betreuung und Verpflegung zur Verfügung gestellt bzw. vorgehalten werden (BFH-Urteil vom 14.11.2013, VI R 20/12, BStBl. 2014 II S. 456). Nur dann wird das Finanzamt den Abzug der Kosten als Krankheitskosten anerkennen.

Abzugsfähig ist neben dem Wohnkostenanteil auch der Kostenbeitrag für eine krankheitsbedingte Grundversorgung. Hierbei können grundsätzlich sämtliche Kosten geltend gemacht werden. Allerdings gibt es für den BFH eine Höchstgrenze: Die Kosten müssen im Rahmen des Üblichen liegen.

Wann dies der Fall ist, ist aber leider noch nicht klar. Derzeit lässt sich nur anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls entscheiden, ob die Kosten das erforderliche Maß überschreiten. Ein wichtiger Anhaltspunkt hierbei dürfte die Größe des Zimmers bzw. des Appartements sein.

Ob sich die Finanzämter an den von den Ländern jeweils festgelegten Mindestflächen orientieren, ist offen. In Rheinland-Pfalz beträgt die Mindestfläche zum Beispiel 14 m2 (§ 4 der Landesverordnung zur Durchführung des Landesgesetzes über Wohnformen und Teilhabe). U.E. darf das Finanzamt die geltend gemachten Kosten zumindest dann nicht kürzen, wenn die Wohnfläche sich an dieser Größe orientiert.

1.3.2 Die Haushaltsersparnis mindert die abzugsfähigen Kosten

Die dem Grunde nach zu berücksichtigenden Kosten sind um die sogenannte Haushaltsersparnis zu kürzen, wenn Sie Ihren Haushalt aufgelöst haben (BFH-Urteil vom 24.2.2000, III R 80/97, BStBl. 2000 II S. 294).

Behalten Sie Ihren Haushalt jedoch ohne ersichtlichen Grund, wird die Haushaltsersparnis trotzdem abgezogen, weil die Kosten insoweit unangemessen sind. So wurden in einem Fall die Heimkosten trotz weiter bestehendem Haushalt um die Haushaltsersparnis gekürzt, weil keine Hoffnung mehr bestand, dass die Steuerpflichtige jemals wieder in ihre Wohnung zurückkehren würde (BFH-Urteil vom 13.10.2010, VI R 38/09, BStBl. 2011 II S. 1010).

Leben Sie und Ihr Ehepartner beide wegen Behinderung, Pflegebedürftigkeit oder Krankheit im Heim, dann darf die Haushaltsersparnis unseres Erachtens trotzdem nur einmal abgezogen werden, denn es wurde ja nur ein Haushalt aufgelöst.

Die Haushaltsersparnis beträgt

pro Jahr

pro Monat

pro Tag

für 2013

8.130,00 €

678,00 €

22,60 €

ab 2014

8.354,00 €

696,00 €

23,20 €

Leben Sie bereits im Heim, zahlen aber noch weiter Miete für die gekündigte Wohnung bis zum Ende der gesetzlichen Kündigungsfrist, können Sie zwar die Miete steuerlich nicht geltend machen. Aber der Finanzbeamte darf Ihnen für diese Monate die Heimkosten auch nicht um die Haushaltsersparnis kürzen. Denn durch die weitere Mietzahlung sind Sie noch mit Fixkosten des Hausstands belastet (FG Rheinland-Pfalz vom 17.12.2012, 5 K 2017/10 ).

1.3.3 Ab welchem Zeitpunkt Sie die Heimkosten geltend machen können

Heimkosten können Sie ab dem Zeitpunkt geltend machen, ab dem Sie den Abzugsgrund nachweisen können – also die Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder Krankheit.

Müssen Sie anlässlich des Eintritts von Behinderung, Pflegebedürftigkeit oder Krankheit ins Heim umziehen, dann sind unseres Erachtens auch die Umzugskosten abziehbar. Probleme mit der Anerkennung dieser Kosten können Sie aber bekommen, wenn mit dem Umzug ins Heim weitere Vorteile verbunden sind – wenn Sie also zum Beispiel einen Ortswechsel vornehmen, um in der Nähe Ihrer Kinder oder Enkel zu wohnen.

Bei der Frage, welche Aufwendungen bei einem Umzug zu berücksichtigen sind, dürfen Sie sich unseres Erachtens an den Regelungen für einen beruflich veranlassten Umzug orientieren.

Sind Sie ins Heim gezogen, ohne sich vorab die notwendigen Nachweise ausstellen zu lassen? Dann holen Sie das jetzt möglichst schnell nach. So sichern Sie sich wenigstens für die Zukunft den Abzug der Kosten.

Wohnen Sie bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder Krankheit bereits im Heim, sind ab Feststellung dieser Einschränkung auch die Mehrkosten für Unterkunft und Verpflegung abzugsfähig (BMF-Schreiben vom 20.1.2003, BStBl. 2003 I S. 89). Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie ursprünglich aus Altersgründen in das Heim gezogen oder wenn Sie zusammen mit Ihrem pflegebedürftigen Ehepartner ins Heim übergesiedelt sind.

Prüfen Sie bitte, ob in den Heimkosten auch Kosten enthalten sind, für die Ihnen die Abzugsbeträge für Handwerker und Hilfen in Haus und Garten zustehen. Diese Abzugsbeträge können Sie bekommen, soweit sich die Aufwendungen bei den außergewöhnlichen Belastungen nicht auswirken, zum Beispiel wegen der zumutbaren Belastung.

2. Wenn Sie Heimkosten für einen Angehörigen tragen

2.1 Heimkosten für Ihren Ehepartner oder Ihr Kind

Genauso wie Sie Heimkosten für sich selbst geltend machen können, dürfen Sie das auch, wenn die Kosten für Ihren Ehepartner entstanden sind.

Geht es um medizinisch erforderliche Heimkosten für Ihr Kind, für das Sie Anspruch auf Kindergeld bzw. die Freibeträge für Kinder haben, dürfen Sie diese Kosten grundsätzlich ebenso abziehen. Für ein minderjähriges Kind gilt das uneingeschränkt.

Ist das Kind bereits volljährig und besitzt es Vermögen, gelten andere Spielregeln. Dann muss das Kind sein Vermögen einsetzen, soweit ihm das zuzumuten ist. Erst danach darf es Sie in Anspruch nehmen (BFH-Urteil vom 11.2.2010, VI R 61/08, BStBl. 2010 II S. 621). Wie zu prüfen ist, ob das Kindesvermögen angemessen ist und deshalb unangetastet bleiben darf, ist nicht geregelt. Hier kommt es auf den Einzelfall an.

Steht Ihrem Kind ein Behinderten-Pauschbetrag zu und haben Sie diesen auf sich übertragen lassen, schließt das den Abzug Ihrer Heimkosten nicht aus. Der Hintergrund: Auch nach der Übertragung handelt es sich um den Pauschbetrag Ihres Kindes, sodass damit nicht die von Ihnen getragenen Kosten abgegolten sein können, sondern nur die vom Kind getragenen Aufwendungen (BFH-Urteil vom 11.2.2010, VI R 61/08, BStBl. 2010 II S. 621 Rz. 15).

Bei einer Heimunterbringung Ihres Ehepartners/Lebenspartners muss die Haushaltsersparnis gegengerechnet werden. Das gilt grundsätzlich auch bei der Heimunterbringung eines Kindes. Allerdings orientieren sich die Finanzgerichte hier bei der Höhe der ersparten Aufwendungen an den Unterhaltsleistungen der Düsseldorfer Tabelle (FG Hamburg vom 3.3.2010, 6 V 17/10, EFG 2010 S. 1512; FG München vom 20.10.2010, 9 K 2227/09, EFG 2011 S. 325).

Aber was ist, wenn Sie gar keine Ersparnis haben, weil Sie weiterhin ein Zimmer und Möbel, Fahrrad, Spielzeug, Musikanlage etc. vorhalten? Dann sparen Sie höchstens die Verpflegungskosten. Ob dann der Abzug einer Haushaltsersparnis überhaupt gerechtfertigt ist, wird vom BFH geprüft (Az. VI R 85/13).

Befindet sich Ihr Kind in einem Heim und kürzt das Finanzamt die von Ihnen geltend gemachten Kosten um eine Haushaltsersparnis, die Sie tatsächlich gar nicht haben? Dann legen Sie unter Hinweis auf das o.g. Verfahren Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid ein und beantragen Sie das Ruhen des Verfahrens.

Tragen Sie Heimkosten für ein Kind, für das Sie keinen Anspruch auf Kindergeld bzw. die Freibeträge für Kinder haben, handelt es sich steuerlich um einen anderen Angehörigen, sodass andere Regelungen gelten.

2.2 Heimkosten für andere Angehörige

2.2.1 Wenn Sie unterhaltspflichtig sind

Tragen Sie Heimkosten für einen unterhaltsberechtigten Angehörigen, ist zu unterscheiden:

Lebt der Angehörige aus Altersgründen im Heim, zählen Ihre gesamten Kosten zum normalen Lebensunterhalt. In diesem Fall liegen insgesamt sogenannte typische Unterhaltsleistungen vor, die Sie als außergewöhnliche Belastungen besonderer Art bis zum Unterhaltshöchstbetrag steuermindernd geltend machen können (BFH-Beschluss vom 8.11.2012, VI B 82/12, BFH/NV 2013 S. 525). Das sind zum Beispiel Aufwendungen zur Bestreitung des Lebensunterhalts, insbesondere für Ernährung, Kleidung, Wohnung, Hausrat sowie notwendige Versicherungen.

Tragen Sie Kosten für eine pflege-, behinderungs- oder krankheitsbedingte Unterbringung, liegen sogenannte untypische Unterhaltsleistungen vor. Hiermit wird besonderer und außergewöhnlicher Bedarf abgedeckt, zum Beispiel die Übernahme von Krankheits- oder Pflegekosten. Die übernommenen Heimkosten dürfen Sie nicht in Unterhaltskosten und Krankheitskosten aufteilen. Solche Kosten sind insgesamt als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art abzugsfähig (BFH-Urteil vom 30.6.2011, VI R 14/10, BStBl. 2012 II S. 876).

In diesem Fall umfassen die als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art zu berücksichtigenden krankheitsbedingten Mehrkosten nicht nur die Aufwendungen für Pflege und ärztliche Hilfe, sondern auch die gesamten vom Heim in Rechnung gestellten Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die bei einem Heimaufenthalt in der Regel erheblich höher liegen als die dafür üblichen Kosten bei einem Verbleib im eigenen Haushalt. Ein Wahlrecht haben Sie nicht (§ 33a Abs. 4 EStG).

Hat der Pflegebedürftige seinen Haushalt aufgelöst, ist von den gesamten in Rechnung gestellten Heimkosten einschließlich der Kosten für die ärztliche Betreuung und Pflege neben Erstattungen von dritter Seite (z.B. Pflegeversicherung) eine Haushaltsersparnis abzuziehen. Sie können diese aber zusammen mit weiteren von Ihnen getragenen typischen Lebensführungskosten wie Kleidung, Versicherungen oder Lebensmittel beim Unterhaltsfreibetrag geltend machen (BMF-Schreiben vom 2.12.2002, BStBl. 2002 I S. 1389).

Die dem Pflegebedürftigen zur Verfügung stehenden Einkünfte und Bezüge werden zunächst beim Unterhaltshöchstbetrag gegengerechnet, soweit sie den Anrechnungsfreibetrag von 624,00 € übersteigen. Darüber hinausgehende Einkünfte und Bezüge mindern die als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art abzugsfähigen besonderen – untypischen – Unterhaltskosten. Hier dürfen Sie noch 1.550,00 € für den persönlichen Bedarf der unterstützten Person abziehen (BMF-Schreiben vom 2.12.2002, BStBl. 2002 I S. 1389).

2.2.2 Wenn keine Unterhaltspflicht besteht

Tragen Sie für einen nicht unterhaltsberechtigten Angehörigen Kosten für die altersbedingte Heimunterbringung, sind diese Kosten für Sie nicht abziehbar.

Zahlen Sie einem nicht unterhaltsberechtigten Angehörigen die pflege-, behinderungs- oder krankheitsbedingte Heimunterbringung, kann der Teil der Kosten abziehbar sein, der nicht zum normalen Lebensunterhalt zählt, also den besonderen Bedarf abdeckt. Für den Abzug von Unterstützungsleistungen in besonderen Notlagen (sog. untypische Unterhaltsleistungen) reicht es aus, wenn für Sie eine sittliche Verpflichtung zur Übernahme solcher Kosten besteht. Insoweit kann Unterhalt an bedürftige Personen vorliegen.

2.2.3 So wird gerechnet

Die Berechnung der Beträge, die Sie als außergewöhnliche Belastungen letztlich abziehen können, ist nicht einfach. Anhand des nachfolgenden Schemas können Sie nachvollziehen, wie gerechnet wird.

Unterhalt für die Heimunterbringung

Normaler Lebensunterhalt

1

normaler (typischer)
Lebensbedarf (wenn Haushalt
aufgelöst inkl. Haushaltsersparnis aus Zeile 10)




€________

2

von Ihnen getragene Beiträge zur Basisabsicherung des Empfängers



+



€________

3

gesamter
Unterhaltshöchstbetrag


€________

4

Einkünfte und Bezüge des Unterstützungsempfängers im Kalenderjahr



€________

5

abzgl. Anrechnungsfreibetrag

./.

624,00 €

6

anzurechnende Einkünfte und
Bezüge des Empfängers (mind. 0,00 €)



./.



€________

7

nach § 33a EStG abziehbarer
normaler Unterhalt


€________

Besonderer Bedarf

8

gesamte Heimkosten im Kalenderjahr (egal, von wem gezahlt)


€________

9

abzgl. Erstattungen, z.B. der
Pflegeversicherung, für das Kalenderjahr



./.



€________

10

abzgl. Haushaltsersparnis (nur
wenn Haushalt aufgelöst)


./.


€________

11

berücksichtigungsfähige
Heimkosten


€________

12

Einkünfte und Bezüge des Unterhaltsempfängers (= Zeile 4)


€________

13

bereits beim normalen
Lebensbedarf berücksichtigt
(= Zeile 6), höchstens Unterhaltshöchstbetrag (= Zeile 1)




./.




€________

14

abzgl. Pauschale für den persönlichen Lebensbedarf


./.


1.550,00 €

15

anzurechnende Einkünfte und
Bezüge des Empfängers (mind. 0,00 €)



./.



€________

16

maximal nach § 33 EStG abziehbarer Betrag


€________

17

Ihr Anteil an den Heimkosten

€________

18

abzgl. nach § 33a EStG zu berücksichtigender Betrag
(= Zeile 7)



./.



€________

19

verbleibender Unterstützungsbetrag für den besonderen Bedarf, höchstens der maximal nach § 33 EStG zu berücksichtigende Betrag (= Zeile 16)





€________

Beispiel:

Der Witwer Herr Knaudt lebt im Heim (Pflegestufe I). Sein bisheriger Haushalt ist aufgelöst. Insgesamt stellt der Heimbetreiber 25.200,00 € in Rechnung. 12.276,00 € trägt davon die Pflegekasse. Die übrigen 12.924,00 € tragen die Eheleute Delker (Tochter und Schwiegersohn von Herrn Knaudt). Darüber hinaus tragen die Eheleute Delker noch die Beiträge zur Basisabsicherung von Herrn Knaudt in Höhe von 1.800,00 €. Herr Knaudt hat kein nennenswertes Vermögen. Sein Einkommen beläuft sich auf 10.100,00 €.

Normaler Lebensunterhalt

1

normaler Lebensbedarf in Höhe der Haushaltsersparnis
(Zeile 10)



8.354,00 €

2

Beiträge zur Basisabsicherung

+

1.800,00 €

3

gesamter Unterhaltshöchstbetrag

10.154,00 €

4

Einkünfte und Bezüge von Herrn Knaudt im Kalenderjahr


10.100,00 €

5

abzgl. Anrechnungsfreibetrag

./.

624,00 €

6

anzurechnende Einkünfte und
Bezüge von Herrn Knaudt


./.


9.476,00 €

7

nach § 33a EStG abziehbarer
normaler Unterhalt


678,00 €

Besonderer Bedarf

8

gesamte Heimkosten im Kalenderjahr (egal, von wem gezahlt)


25.200,00 €

9

abzgl. Erstattungen, z.B. der Pflegeversicherung, für das Kalenderjahr



./.



12.276,00 €

10

abzgl. Haushaltsersparnis (weil
Haushalt aufgelöst)


./.


8.354,00 €

11

berücksichtigungsfähige
Heimkosten


4.570,00 €

12

Einkünfte und Bezüge von Herrn Knaudt (= Zeile 4)


10.100,00 €

13

bereits beim normalen Lebensbedarf berücksichtigt (= Zeile 6), höchstens Unterhaltshöchstbetrag (= Zeile 1)




./.




8.354,00 €

14

abzgl. Pauschale für den persönlichen Lebensbedarf


./.


1.550,00 €

15

anzurechnende Einkünfte und
Bezüge von Herrn Knaudt


./.


196,00 €

16

maximal nach § 33 EStG abziehbarer Betrag


4.374,00 €

17

Anteil der Eheleute Delker an den Heimkosten


12.924,00 €

18

abzgl. nach § 33a EStG zu
berücksichtigender Betrag
(= Zeile 7)



./.



678,00 €

19

verbleibender Unterstützungsbetrag für den besonderen Bedarf (hier 12.246,00 €), höchstens der maximal nach § 33 EStG zu berücksichtigende Betrag
(= Zeile 16)






4.374,00 €

R 33.3 Abs. 2 EStR 2012

Die Berechnung wird komplizierter, wenn Sie die Heimkosten nur für einen Teil des Jahres übernehmen, der Angehörige von mehreren Personen unterstützt wird oder Sie noch zusätzlichen besonderen Lebensunterhalt tragen.

Tragen Sie die Heimkosten für eine Person, die Ihnen gegenüber nicht unterhaltsberechtigt ist, dann berücksichtigt der Finanzbeamte den normalen Lebensunterhalt nicht.

Von diesem Betrag und Ihren übrigen außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art wird das Finanzamt noch die zumutbare Belastung abziehen.

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