Strenge Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung einer Kinderkur

 - 

Wenn Sie die Kosten einer Kinderkur als außergewöhnliche Belastungen geltend machen möchten, müssen Sie genau aufpassen – insbesondere dann, wenn ein Elternteil das Kind begleitet!

Ein alleinerziehender Vater fuhr in den Sommerferien mit seiner fünfzehnjährigen chronisch kranken Tochter zu einer heilklimatischen Kur ans Mittelmeer. Eine zusätzliche Reise (z.B. Sommerurlaub) unternahmen die beiden nicht.

In seiner Steuererklärung machte der Vater die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen gelten. Zum Nachweis der Zwangsläufigkeit legte er ein amtsärztliches Attest vor, dass er vor der Kur eingeholt hatte. Darin bestätigte der Amtsarzt, dass er die vom Kinderarzt empfohlene Kur für notwendig erachtete.

Das Finanzamt erkannte zwar die Kosten grundsätzlich an – es kürzte aber die Übernachtungskosten und den Verpflegungsmehraufwand um 50%, da es der Ansicht war, die Tochter hätte auch ohne den Vater zur Kur fahren können.

Das FG Hessen bestätigte diese Auffassung. Zur Sicherstellung des Kurerfolgs von Kindern, erklärten die Richter, sei die Unterbringung des Kindes in einem Kinder(kur)heim angezeigt. Der Grund dafür ist, dass der Heilerfolg fachgerecht unterstützt wird – beispielsweise durch eine "kurgemäße" Tages- und Freizeitgestaltung und eine der Kur angepasste Ernährung. Die Abgrenzung der Kur von einem normalen Familienurlaub sei dann besonders schwierig, wenn das nicht im Kinderheim untergebrachte Kind auch noch von einem Elternteil begleitet werde, urteilten die Richter weiter.

amtsärztliches Attest reichte nicht aus

Der Vater hätte sich im amtsärztlichen Attest also bescheinigen lassen müssen, dass und warum der Kurerfolg auch dann gesichert ist, wenn Vater und Tochter gemeinsam in einem Hotel oder einer Ferienwohnung unterkommen. Dass es im entschiedenen Fall gar keine Kinderheime im Kurort gab, konnte die Richter nicht umstimmen.

Kosten des Vaters werden nicht anerkannt

Das Finanzamt hatte die Übernachtungskosten und den Verpflegungsmehraufwand um 50% gekürzt. Das entspricht dem Anteil des Vaters an den Kosten, präzisierte das Gericht. Da diese Kosten werden krankheits- noch kurbedingt waren, sondern bei jeder "normalen Urlaubsreise" entstehen, war die Kürzung rechtens (FG Hessen, Urteil vom 17.6.2010, Az. 1 K 2864/09, Az. der Revision beim BFH: VI R 88/10).

noch ein paar Worte zum Attest...

Inzwischen sagt der BFH, dass der Nachweis der Zwangsläufigkeit auch mit einem amtsärztlichen Attest erbracht werden kann, dass nach der (Kur-)Maßnahme ausgestellt wird. Wir empfehlen Ihnen aber, trotzdem möglichst vor einer Kur ein amtärztliches Attest einzuholen, da diesem von den Gerichten nach wie vor eine erhöhte Beweiskraft zugestanden wird.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.