Selbst pflegen spart keine Steuern

Selbst pflegen spart keine Steuern

 - 

Die selbst erbrachte Pflege eines Angehörigen führt nicht zu einem Abzug eigener (fiktiver) außergewöhnlicher Belastungen.

Das entscheid das FG Münster im Fall einer angestellten Ärztin, die ihren schwer erkrankten Vater pflegte, der in die Pflegestufe 2 eingestuft war. In ihrer Steuererklärung machte sie einen Betrag von etwa 54.000 € als außergewöhnliche Belastungen geltend, den sie aus dem für Krankenhausärzte im Bereitschaftsdienst geltenden Stundensatz in Höhe von 29,84 € berechnet hatte. Das Finanzamt erkannte demgegenüber nur den Pflegepauschbetrag in Höhe von 924 € an.

Die Klägerin vertrat die Auffassung, dass es ihr nicht zum Nachteil gereichen dürfe, keinen Pflegedienst beauftragt zu haben.

Das Gericht folgte dieser Auffassung nicht und wies die Klage ab. Zur Begründung erklärten die Richter, die selbst erbrachten Pflege-Leistungen seien nicht als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen, da der klare Gesetzeswortlaut des § 33 Abs. 1 Satz 1 EStG nur Aufwendungen erfasse. Hierunter fielen nur Geldausgaben und Zuwendungen von Sachwerten. Diese Beurteilung entspreche auch dem subjektiven Nettoprinzip, wonach bestimmte untypische Aufwendungen von der Besteuerung auszunehmen seien. Diese müssten sich allerdings vermögensmindernd auswirken. Auch aus § 33b Abs. 6 EStG könne nicht hergeleitet werden, dass eigene Pflegeleistungen grundsätzlich steuerlich abzugsfähig seien. Der Pflegepauschbetrag erfasse vielmehr typisierend mit Pflegeleistungen üblicherweise verbundene Aufwendungen (z.B. für Hygieneprodukte und Pflegematerialien), nicht aber eigene Dienstleistungen (FG Münster vom 15.4.2015, 11 K 1276/13 ).

Weitere News zum Thema

  • BFH: Fiskus darf Haushaltsersparnis zweimal abziehen

    [] Bei krankheitsbedingter Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können Steuerpflichtige nach Kürzung um eine Haushaltsersparnis ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Sind beide Ehegatten krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden der Ehegatten eine Haushaltsersparnis anzusetzen. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden. mehr

  • Glatteistest mit Sturz

    [] Prüft ein Arbeitnehmer, bevor er mit dem Auto zur Arbeit fährt, ob die Fahrbahn glatt ist und verletzt sich auf dem Rückweg zu seinem Auto, liegt darin kein versicherter Arbeitsunfall. Das hat der 2. Senat des Bundessozialgerichts am 23.1.2018 entschieden (Az. B 2 U 3/16 R). mehr

  • Haushaltsersparnis von Ehepartnern im Altenheim und Pflegeheim

    [] Kosten für eine krankheitsbedingte Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können nach Kürzung um eine Haushaltsersparnis als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Sind beide Ehegatten krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden von ihnen eine Haushaltsersparnis anzusetzen. mehr

  • Pflege: Wissen Sie, was Ihnen und Ihren Angehörigen zusteht?

    [] Wenn Sie oder ein Angehöriger Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch nehmen möchten, muss der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Einstufung in einen der Pflegegrade vornehmen. Hier können Sie das Procedere schon einmal durchspielen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.