Schimmelpilze: Umzug führt nicht zu außergewöhnlichen Belastungen

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Wer zwar Schimmelpilze in der Wohnung hat, aber noch nicht krank wurde davon, hat bei einem Umzug schlechte Karten: Die Kosten sind privat veranlasst, sagt das FG Hamburg.

Umzugskosten und Gutachtenkosten für eine Baubiologin wollte ein Consultant in seiner Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung abziehen. Der Grund: Das Arbeitszimmer in seiner Wohnung war von Schimmelpilzen befallen gewesen. Nachdem dies auch in einem Gutachten bestätigt worden war, suchte sich der Consultant eine neue Bleibe - und wollte das Finanzamt an den Kosten beteiligen.

Das FG Hamburg ließ das jedoch nicht zu. Die Umzugskosten, meinten die Richter, sind keine Krankheitskosten. Der Consultant war ja noch nicht einmal erkrankt. Folge: Der Umzug war privat veranlasst und daher nicht bei der Steuer zu berücksichtigen. Die Kosten für die Baubiologin wurden ebenfalls nicht anerkannt. Grund: Sie waren erst im Zivilprozess entstanden, mit dem der Consultant von seinem ehemaligen Vermieter Schadensersatz forderte. In diesem zivilrechtlichen Streitfall sei "kein existenzieller Kernbereich betroffen" gewesen, stellten die Richter fest. Der Consultant war also ein übliches Risiko eingegangen - außergewöhnliche Belastungen entstanden ihm dadurch nicht (FG Hamburg, Urteil vom 7.3.2008, Az. 5 K 30/07).

Hintergrund:

Kosten, die dazu dienen, eine Krankheit zu heilen oder deren Folgen erträglicher zu machen, sind als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art abziehbar.

Nur ein Arzt kann entscheiden, ob bestimmte Maßnahmen dazu dienen, die Gesundheit wieder herzustellen oder besser mit der Krankheit zurechtzukommen. Deshalb müssen Sie sich immer rechtzeitig die notwendigen Nachweise besorgen - egal wie schlecht es Ihnen geht. Ohne Nachweise setzen Sie den steuermindernden Abzug der Kosten aufs Spiel.

Zu den abziehbaren Kosten zählen Aufwendungen für ärztliche Behandlungen, Arznei-, Hilfs- und Heilmittel, Klinikaufenthalte, krankheitsbedingte Pflege und Heimunterbringung, spezielle Lebensmittel sowie einen wegen Krankheit notwendigen Umzug. Medizinische Aufwendungen durch Schwangerschaft und Geburt zählen ebenfalls zu den Krankheitskosten. Zusätzlich dürfen Sie die anlässlich von Krankheit entstandenen Fahrtkosten berücksichtigen.

Nicht berücksichtigt werden zum Beispiel Kosten für die Gesundheitsvorsorge oder medizinische Fachliteratur.

Steuertipp
Sind Sie unsicher, ob bestimmte Kosten abziehbar sind? Dann sollten Sie die Kosten dennoch ansetzen und abwarten, ob der Finanzbeamte sie akzeptiert. Nur falls er die Kosten auch im Einspruchsverfahren ablehnt, müssen Sie entscheiden, ob sich das Risiko einer Klage lohnt.

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