Liposuktion nicht steuerlich absetzbar

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Das FG Baden-Württemberg versagte den Abzug von Aufwendungen für eine Fettabsaugung bei einem Lipödem als außergewöhnliche Belastungen.

Geklagt hatte eine Frau, die an einem Lipödem litt und in ihrer Steuererklärung Kosten für eine Liposuktion an den Armen und Beinen in Höhe von 11.520 Euro als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht hatte. Ihr behandelnder Arzt hatte ihr bescheinigt, die Operation sei aus medizinischer Sicht notwendig, da sie eine lebenslange Lymphdrainage und Kompression vermeide.

Warum wurden die Kosten nicht anerkannt?

Die Richter stützten ihre Entscheidung auf zwei Argumente:

  1. Die Klägerin hatte weder ein vor Beginn der Heilmaßnahme ausgestelltes amtsärztliches Gutachten oder eine vorherige ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung über die Zwangsläufigkeit der Behandlung vorgelegt.

  2. Die Liposuktion war im Zeitpunkt der Vornahme der Behandlung keine wissenschaftlich anerkannte Methode zur Behandlung eines Lipödems.

Zu Punkt zwei stützte sich das Finanzgericht zum einen auf das Gutachten Liposuktion bei Lip- und Lymphödemen der sozialmedizinischen Expertengruppe 7 des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. vom 6. Oktober 2011 sowie dessen Aktualisierung vom 15. Januar 2015. Danach sei die Liposuktion bei einem Lipödem keine anerkannte Standardtherapie. Die unkonventionelle Behandlungsmethode reduziere das Fettgewebe; es sei aber wissenschaftlich nicht hinreichend bewiesen, dass damit auch eine nachhaltige Reduktion der Lipödembeschwerden einhergehe. Schulmedizinische Behandlungsmöglichkeiten seien zum Beispiel manuelle Lymphdrainage, Kompression und Krankengymnastik. Zum anderen habe das Gesundheitsamt im vorliegenden Fall bescheinigt, die Liposuktion sei als Behandlungsmethode des vorliegenden Störungsbildes nicht anerkannt und werde aus medizinischer Sicht nicht als notwendig angesehen (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 27.9.2017, Az. 7 K 1940/17).

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