Krankheitskosten selbst getragen: Das gilt für die Steuer

Krankheitskosten selbst getragen: Das gilt für die Steuer

 - 

Grundsätzlich können Krankheitskosten die Steuer senken. Das gilt jedoch nicht für solche Krankheitskosten, die der Versicherte selbst trägt, um in den Genuss einer Beitragsrückerstattung seiner Krankenversicherung zu kommen.

Das geht aus einem Urteil des FG Münster hervor, das über folgenden Fall zu entscheiden hatte:

Der freiberuflich tätige Kläger und seine Ehefrau machten Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung für sich und ihre Kinder als Sonderausgaben geltend. Dabei bezogen sie auch Krankheitskosten ein, die sie nicht mit der Versicherung abgerechnet hatten, um den Anspruch auf Beitragsrückerstattung zu behalten.

Weder Sonderausgaben noch außergewöhnliche Belastung

Das Finanzamt erkannte diese Kosten nicht als Sonderausgaben an, da es sich schon begrifflich nicht um Beiträge handele. Auch ein Abzug als außergewöhnliche Belastungen komme nicht in Betracht, denn die Kläger hätten freiwillig auf die Geltendmachung der Erstattung verzichtet. Die Aufwendungen seien daher nicht zwangsläufig entstanden.

Das sahen die Finanzrichter ähnlich: Ein Sonderausgabenabzug komme im Hinblick auf die selbst getragenen Krankheitskosten nicht in Betracht, weil es sich dabei nicht um Beiträge handele. Das sind nämlich nur Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Erlangung von Versicherungsschutz stehen – was bei Zahlungen für Heilbehandlungen an Ärzte nicht der Fall ist. Der Tatsache, dass einerseits kein Sonderausgabenabzug möglich ist, aber andererseits die (spätere) Beitragserstattung den Sonderausgabenabzug mindert, ist nach Ansicht der Richter nicht verfassungswidrig.

Den Versuch, die Kosten im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen anerkannt zu bekommen, wiesen die Finanzrichter ebenfalls ab – jedoch mit einem anderen Argument als das Finanzamt: Ein Abzug der Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung scheitere hier daran, dass die zumutbare Belastung nicht überschritten werde, stellten sie fest.

Da es zu vergleichbaren Fragestellungen bereits anhängige Verfahren vor dem BFH gibt, ließen die Richter auch hier die Revision zu (FG Münster vom 17.11.2014, 5 K 149/14 E ).

Weitere News zum Thema

  • BFH: Fiskus darf Haushaltsersparnis zweimal abziehen

    [] Bei krankheitsbedingter Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können Steuerpflichtige nach Kürzung um eine Haushaltsersparnis ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Sind beide Ehegatten krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden der Ehegatten eine Haushaltsersparnis anzusetzen. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden. mehr

  • Glatteistest mit Sturz

    [] Prüft ein Arbeitnehmer, bevor er mit dem Auto zur Arbeit fährt, ob die Fahrbahn glatt ist und verletzt sich auf dem Rückweg zu seinem Auto, liegt darin kein versicherter Arbeitsunfall. Das hat der 2. Senat des Bundessozialgerichts am 23.1.2018 entschieden (Az. B 2 U 3/16 R). mehr

  • Haushaltsersparnis von Ehepartnern im Altenheim und Pflegeheim

    [] Kosten für eine krankheitsbedingte Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können nach Kürzung um eine Haushaltsersparnis als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Sind beide Ehegatten krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden von ihnen eine Haushaltsersparnis anzusetzen. mehr

  • Pflege: Wissen Sie, was Ihnen und Ihren Angehörigen zusteht?

    [] Wenn Sie oder ein Angehöriger Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch nehmen möchten, muss der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Einstufung in einen der Pflegegrade vornehmen. Hier können Sie das Procedere schon einmal durchspielen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.