BFH ändert seine Meinung: Künstliche Befruchtung mit Samenspende jetzt steuerlich absetzbar

BFH ändert seine Meinung: Künstliche Befruchtung mit Samenspende jetzt steuerlich absetzbar

 - 

Aufwendungen eines Ehepaares für eine heterologe künstliche Befruchtung können als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden, entschied der BFH – und ändert damit seine bisherige Rechtsprechung.

Im Streitfall war der Ehemann wegen einer inoperablen organischen bedingten Sterilität zeugungsunfähig. Das Ehepaar wollte seinen Kinderwunsch daher durch eine künstliche Befruchtung mit Samen eines anonymen Spenders verwirklichen (heterologe künstliche Befruchtung). In ihrer Einkommensteuererklärung machten die Eheleute die Kosten dieser Behandlung von rund 21.000 Euro als außergewöhnliche Belastung. Das Finanzamt erkannte die Kosten nicht an und verwies dabei auf die Rechtsprechung des BFH. Dieser lehnte bisher die steuerliche Anerkennung von Kosten für eine Befruchtung mit einer Samenspende ab, da es sich nicht um eine Heilbehandlung handle.

Jetzt hat der BFH seine Meinung jedoch geändert: Die künstliche Befruchtung der (gesunden) Ehefrau mit Fremdsamen bezwecke zwar nicht die Beseitigung der Unfruchtbarkeit des Ehemannes, sie ziele aber auf die Beseitigung der Kinderlosigkeit eines Paares. Kinderlosigkeit sei natürlich keine Krankheit, im vorliegenden Fall aber eine unmittelbare Folge der Erkrankung des Ehemannes. Damit werde auch bei einer heterologen künstlichen Befruchtung die durch Krankheit behinderte Körperfunktion beim Kläger durch eine medizinische Maßnahme ersetzt, erklärten die Richter. Diese sei entgegen der bisherigen Auffassung als Heilbehandlung anzusehen, so dass die Kosten hierfür als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden könnten (BFH, Urteil vom 16.12.2010, Az. VI R 43/10).

Weitere News zum Thema

  • BFH: Fiskus darf Haushaltsersparnis zweimal abziehen

    [] Bei krankheitsbedingter Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können Steuerpflichtige nach Kürzung um eine Haushaltsersparnis ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Sind beide Ehegatten krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden der Ehegatten eine Haushaltsersparnis anzusetzen. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden. mehr

  • Glatteistest mit Sturz

    [] Prüft ein Arbeitnehmer, bevor er mit dem Auto zur Arbeit fährt, ob die Fahrbahn glatt ist und verletzt sich auf dem Rückweg zu seinem Auto, liegt darin kein versicherter Arbeitsunfall. Das hat der 2. Senat des Bundessozialgerichts am 23.1.2018 entschieden (Az. B 2 U 3/16 R). mehr

  • Haushaltsersparnis von Ehepartnern im Altenheim und Pflegeheim

    [] Kosten für eine krankheitsbedingte Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können nach Kürzung um eine Haushaltsersparnis als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Sind beide Ehegatten krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden von ihnen eine Haushaltsersparnis anzusetzen. mehr

  • Pflege: Wissen Sie, was Ihnen und Ihren Angehörigen zusteht?

    [] Wenn Sie oder ein Angehöriger Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch nehmen möchten, muss der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Einstufung in einen der Pflegegrade vornehmen. Hier können Sie das Procedere schon einmal durchspielen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.