Behindertengerechte Umbauten: Wann die Kosten abziehbar sind

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Die Kosten für den behindertengerechten Umbau der Wohnung können Sie nur in seltenen Fällen steuermindernd geltend machen. Normalerweise erhalten Sie durch die Maßnahme einen Gegenwert, sodass Sie finanziell nicht belastetet sind - zumindest nach Ansicht der Finanzbehörden. Es gibt aber Ausnahmen.

Nach Ansicht des BFH kommt ein Abzug von Kosten für die behindertengerechte Umgestaltung einer Wohnung nur infrage, wenn

  • die Maßnahme ausschließlich wegen der Behinderung notwendig ist und
  • verlorener Aufwand vorliegt.

Folglich kommt ein Abzug der Kosten nicht infrage, wenn

  • Sie Ihre Wohnung vorsorglich behindertengerecht gestalten oder
  • die Maßnahmen im Rahmen eines Neubaus durchführen.

Lassen Sie eine bestehende Wohnung umbauen, zaubert das Finanzamt das Ass des verlorenen Aufwands aus dem Ärmel: Weil Sie einen Gegenwert in Form einer Wertsteigerung erhalten, sind Sie finanziell nicht belastet.

In diesen Fällen erhalten Sie keinen Gegenwert und dürfen die Umbaukosten deshalb absetzen:

  • Sie müssen einen noch neuen Gegenstand austauschen (BFH, Urteil vom 1.6.2005, Az. III R 7/04);
  • Sie nehmen durch den Umbau Nachteile inkauf, sodass es zu keiner Wertsteigerung kommt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie
    - im Rahmen der behindertengerechten Gestaltung des Bades gravierende Nachteile haben. Beispiel: Sie müssen eine Duschabtrennung mit Doppeltür einbauen, die eigentlich aber gar nicht in den Raum passt, weil sich Dusch- und Zimmertür nicht gleichzeitig öffnen lassen;
    - eine Rampe für einen Kinderrollstuhl bauen lassen müssen, sodass die Nutzung durch andere Menschen erschwert ist. Eine solche Rampe ist mit einem Erwachsenenrollstuhl nur bedingt nutzbar. Außerdem ist die  Trittfläche zwischen den Schienen ist sehr eng, sodass gesunde Menschen beim Benutzen der Treppe sehr aufpassen müssen;
    - eine Terrassen-Schiebetür wegen der Schwelle gegen eine Flügeltür austauschen müssen.

(FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 24.10.2007, Az. 2 K 1917/06 und vom 13.3.2003, Az. 6 K 2614/01)

Steuertipp
Wenn Sie Kosten für die behindertengerecht Gestaltung Ihrer Wohnung geltend machen wollen, sollten Sie gut auf das Gegenwert-Argument des Finanzamtes vorbereitet sein: Sie müssen begründen können, weshalb der Umbau nicht zu einer Steigerung des Wertes führt - trotz des steigenden Bedarfs an behinderten- bzw. altersgerechten Wohnungen.

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