Verkauf einer Kapitalbeteiligung: nachträgliche Darlehenszinsen als Werbungskosten absetzen

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Nach dem Verkauf einer wesentlichen Kapitalbeteiligung fallen Schuldzinsen an, weil der Verkaufserlös nicht zur Tilgung des bei Anschaffung der Beteiligung aufgenommenen Darlehens ausreicht: Der BFH lässt jetzt den Abzug als Werbungskosten zu!

Mit diesem Urteil wendet sich der BFH von seiner früheren Rechtsprechung in vergleichbaren Fällen ab: Solche Schuldzinsen waren bisher nicht als Werbungskosten abzugsfähig. Betroffen sind insbesondere nachträgliche Schuldzinsen bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung sowie den Einkünften aus Kapitalvermögen. Begründung für die bisherige Nicht-Anerkennung war, dass ein Gewinn aus der Veräußerung der Einkunftsquelle bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bzw. Kapitalvermögen grundsätzlich nicht steuerbar ist und die Zinsen in einen Zusammenhang mit der nicht steuerbaren Vermögensebene gestellt wurden

Warum ändert der BFH jetzt seine Meinung?

Der Gesetzgeber hat zwischenzeitlich die Steuerbarkeit privater Vermögenszuwächse bei sogenannten wesentlichen Beteiligungen i. S. des § 17 EStG schrittweise erheblich ausgedehnt. Hinzu kommt, dass Unternehmer nachträgliche Schuldzinsen unter denselben Voraussetzungen abziehen können.

Um was ging es im konkreten Fall?

Der Kläger verkaufte einen Teilgeschäftsanteil von 49% an einer GmbH zu einem unter den Anschaffungskosten liegenden Preis an seinen Sohn. Für die Anschaffung des Geschäftsanteils hatte der Kläger Darlehen in Anspruch genommen. Der Veräußerungserlös reichte nicht aus, um die Darlehen zurückzuzahlen. Deshalb machte er die nachträglichen Schuldzinsen bei seinen Einkünften aus Kapitalvermögen geltend. Die Klage hatte keinen Erfolg. Der BFH hat das Urteil des Finanzgerichts aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Entscheidung zurückverwiesen. Das Finanzgericht muss noch die Höhe der Zinsaufwendungen feststellen und prüfen, ob der Kaufpreis für die Anteilsveräußerung einem Fremdvergleich standhält oder ob es sich um eine gemischte Schenkung gehandelt hat (BFH, Urteil vom 16.3.2010, Az. VIII R 20/08).

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