Schuhe als Werbungskosten?

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Darf eine Schuhverkäuferin, die während der Arbeit Schuhe aus dem Geschäft ihres Arbeitgebers tragen muss, die Kosten für diese Schuhe als Werbungskosten geltend machen?

Als Frau darf ich sagen: das wäre ein Traum. Als Steuerrechtlerin muss ich sagen: das bleibt ein Traum. Jedenfalls nach einer Entscheidung des FG Münster. Das musste sich mit folgendem Fall beschäftigen:

Ein Ehepaar stritt mit dem Finanzamt um den Abzug von Werbungskosten bei den Einkünften der Ehefrau. Diese war als Schuhverkäuferin in einem Schuhhaus der Kette X angestellt. In den undatierten Servicestandards des Arbeitgebers ist festgelegt, dass jede Mitarbeiterin ... sauber geputzte Schuhe aus eigenem Haus trägt.

Die Verkäuferin machte daher in ihrer Steuererklärung Aufwendungen für Arbeitsmittel (Arbeitsbekleidung) in Höhe von 849 € geltend, die das Finanzamt nicht anerkannte. Zur Begründung wurde ausgeführt, es handele sich bei den Schuhen nicht um typische Berufskleidung, sondern um bürgerliche Kleidung, für die die Aufwendungen nicht als Werbungskosten abziehbar seien.

Dagegen wehrte sich die Schuhverkäuferin und erklärte, dass es in der Firma, in der sie beschäftigt sei, zum äußeren Erscheinungsbild dazugehöre, dass Schuhe aus dem eigenen Haus getragen würden. Sie sei sowohl verpflichtet, die entsprechenden Markenschuhe, die von ihrem Arbeitgeber verkauft würden, zu tragen, als auch, diese Schuhe bei ihrem Arbeitgeber zu kaufen. Die streitgegenständlichen Schuhe würden nicht in der Freizeit getragen, sondern vor Arbeitsbeginn gewechselt. Es handele sich deshalb um berufstypische Kleidung im Sinne des Einkommensteuergesetzes.

Satz mit X...: war wohl nix

Vor Gericht hatte die Verkäuferin keinen Erfolg. Aufwendungen für Kleidung, erklärte Einzelrichterin (!), die über den Fall zu entscheiden hatte, seien ebenso wie Aufwendungen für Wohnung und Verpflegung grundsätzlich Kosten der Lebensführung und als solche nicht steuerlich abziehbar – auch dann nicht, wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgten (FG Münster vom 1.7.2015, 9 K 3675/14 E ).

Die Anschaffung bürgerlicher Kleidung führe selbst dann nicht zum Werbungskostenabzug, wenn kein Zweifel bestehe, dass die konkreten Kleidungsstücke so gut wie ausschließlich im Beruf getragen werden. Das hat der BFH bereits 1990 entschieden (Urteil vom 6.12.1990, Az. IV R 65/90).

Private Nutzung möglich? Dann sind es keine Werbungskosten!

Wenn es die Frage nach der Anerkennung von Werbungskosten für Bekleidung geht, sind die Gerichte traditionell sehr streng: Die Berücksichtigung der Aufwendungen für Bekleidung als Werbungskosten scheidet bereits dann aus, wenn die private Benutzung eines Kleidungsstücks als bürgerliche Kleidung im Rahmen des Möglichen und Üblichen liegt. Auch wenn die konkreten Kleidungsstücke ohne die beruflichen Gründe überhaupt nicht angeschafft worden wären und sie der Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen dienen sollen, ist das Tragen bürgerlicher Kleidung jedenfalls auch gleichzeitig deswegen der allgemeinen Lebensführung zuzurechnen, weil es dem menschlichen Bedürfnis nach Bekleidung Rechnung trägt, so ein BFH-Urteil aus dem Jahr 1992 (Urteil vom 20.3.1992, VI R 55/89).

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