Regelmäßige Arbeitsstätte setzt betriebliche Einrichtung voraus

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Entscheidend für den Abzug von Reisekosten ist die Frage, ob und wo Sie eine regelmäßige Arbeitsstätte haben. Denn: Nur bei beruflicher Tätigkeit außerhalb der regelmäßigen Arbeitsstätte können Sie die günstigen Reisekosten ansetzen. Regelmäßige Arbeitsstätte kann auch ein weiträumiges Arbeitsgebiet sein.

Der Bundesfinanzhof hat nun zugunsten der Steuerzahler klargestellt, dass ein weiträumiges Arbeitsgebiet aber nur dann eine regelmäßige Arbeitsstätte sein kann, wenn sich dort "eine ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers befindet, die nach ihren infrastrukturellen Gegebenheiten mit einem Betriebssitz oder mit einer sonstigen betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers vergleichbar ist" (BFH, Urteil vom 17.6.2010, Az. VI R 20/09).

Der Fall: Ein Forstarbeiter ist in einem in elf Reviere unterteilten etwa 400 qkm großen Forstgebiet tätig. Soweit möglich wird er in dem seiner Wohnung nächstgelegenen "Stammrevier", aber auch in drei bis vier Nachbarrevieren eingesetzt. Die Einsatzplanung erfolgt kurzfristig und ist im Wesentlichen unvorhersehbar. Der Forstarbeiter fährt mit seinem Pkw von zu Hause direkt an die jeweiligen Einsatzstellen. Finanzamt und Finanzgericht sahen das Forstgebiet als weiträumige regelmäßige Arbeitsstätte an. Sie erkannten deshalb keine Verpflegungspauschbeträge und die Fahrten dorthin nur mit der Entfernungspauschale an.

Erst beim Bundesfinanzhof kam der Forstarbeiter zu seinem Recht: Es handelt sich in diesem Fall nicht um eine weiträumige regelmäßige Arbeitsstätte. Denn der Arbeitgeber hält in dem Forstgebiet keine ortsfeste betriebliche Einrichtung vor, die nach ihrer Infrastruktur mit dem Grundtyp der regelmäßigen Arbeitsstätte vergleichbar ist. Erfreuliches Ergebnis: Der Forstarbeiter kann die Fahrten zum Revier mit der höheren Reisekostenpauschale absetzen. Da er an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten arbeitet, kann er zudem Verpflegungspauschbeträge als Reisekosten geltend machen.

Unseres Erachtens gelten diese Grundsätze auch für ein Neubaugebiet oder einen Kehr- bzw. Zustellbezirk. Lehnt Ihr Finanzamt in diesen Fällen unter Hinweis auf H 9.4 (Weiträumiges Arbeitsgebiet) LStH 2011 den Ansatz von Reisekosten ab, sollten Sie mit Verweis auf dieses BFH-Urteil dagegen Einspruch einlegen.

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