Kosten des Erststudiums sind keine Werbungskosten

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Seit Jahren gibt es immer wieder Streit darüber, ob man die Kosten für ein Erststudium wirklich nur als Sonderausgaben abziehen darf, oder ob nicht vielleicht doch ein Abzug als Werbungskosten möglich ist. Jetzt gibt es ein neues Urteil. Doch warum ist die Diskussion eigentlich so interessant?

Aufwendungen für ein nach dem Abitur aufgenommenes Erststudium oder eine erstmalige Ausbildung können steuerlich nicht als Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz wird nur dann gemacht, wenn die Ausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. Das hat aktuell das FG Münster entschieden (Urteil vom 24.2.2011, Az. 11 K 4489/09 F; Az. der Revision: VI R 15/11).

Sonderausgaben oder Werbungskosten? Das macht finanziell viel aus!

Ob eine Bildungsmaßnahme als Berufsausbildung oder Fortbildung qualifiziert wird, kann finanziell einen großen Unterschied machen. Nicht nur, weil bei den Sonderausgaben der Höchstbetrag zu beachten ist, sondern auch, weil sich eventuelle Verluste beim Werbungskostenabzug noch in späteren Jahren positiv bemerkbar machen.

Die Sonderausgaben haben folgenden Nachteil: Einen Verlust, der durch den Sonderausgabenabzug entsteht, können Sie nicht in spätere Jahre vortragen. Konsequenz: Haben Sie während Ihres Studiums oder Ihrer Ausbildung keine oder nur geringe Einnahmen (maximal bis zum Grundfreibetrag), wirken sich Ausbildungskosten auch in späteren Jahren nicht steuermindernd aus. Das gilt insbesondere bei Kosten von mehr als 4.000 Euro pro Kalenderjahr.

Anders beim Werbungskostenabzug: Entsteht durch ihn ein Verlust, kann dieser in spätere Jahre vorgetragen werden. Dadurch sinken die Steuern in den ersten Jahren der Berufstätigkeit nach dem Studium bzw. nach der Ausbildung. In den meisten Fällen ist der Werbungskostenabzug besser. Anders ist es, wenn Ihre eigenen Einkünfte während des Studiums über dem Grundfreibetrag liegen, Sie aber nur Werbungskosten unterhalb des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von zurzeit 920 Euro jährlich haben. Dann ist der Sonderausgabenabzug günstiger.

Klassisches Erststudium: BFH-Verfahren anhängig!

Für das "klassische" Erststudium direkt nach dem Abitur ist die Frage des Werbungskostenabzugs aber noch nicht geklärt. Hierzu ist eine Revision beim BFH anhängig (Az. VI R 7/10).

Wer als Student oder Azubi höhere Aufwendungen getragen hat oder vom Sonderausgabenabzug nicht profitiert, weil seine Einnahmen zu gering sind, sollte mit Hinweis auf das Aktenzeichen VI R 7/10 gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen und Ruhen des Verfahrens bis zur Entscheidung des BFH beantragen.

Darum ging es vor dem FG Münster

Die Klägerin studierte an einer Fachhochschule Betriebswirtschaft. Im Streitjahr 2007 zahlte sie dabei Studien- und Prüfungsgebühren von ca. 10.500 Euro. Während des Studiums absolvierte sie Pflichtpraktika, für die sie eine geringe Vergütung erhielt. Bei der Steuerfestsetzung berücksichtigte das Finanzamt die Studienkosten nur als Sonderausgaben in Höhe von 4.000 Euro. Den Antrag, einen verbleibenden Verlustvortrag in Höhe der weiteren Aufwendungen festzustellen, lehnte das Finanzamt ab. Diese Auffassung des Finanzamts wurde vom FG Münster im oben genannten Urteil bestätigt.

 

Achtung
Die Kosten der Berufsausbildung kann nur derjenige als Sonderausgaben abziehen, der die Ausbildung absolviert. Tragen Sie als Eltern die Kosten für die Ausbildung Ihrer Kinder, können Sie die Ausbildungskosten nicht steuerlich geltend machen. Sie haben nur Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag.

 

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