Geschäftsreise kombiniert mit Urlaub: An- und Abreise voll abzugsfähig?

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Ist eine Reise im Wesentlichen beruflich veranlasst, können die An- und Abreisekosten auch dann in vollem Umfang als Werbungskosten oder Betriebsausgaben erfasst werden, wenn private Belange nicht nur von untergeordneter Bedeutung sind.

Eine Lehrerin hielt sich zwei Monate in Mittelamerika auf. Den ersten Monat verbrachte sie im Rahmen eines Lehreraustauschprogramms an einer nicaraguanischen Schule. Im zweiten Monat reiste sie gemeinsam mit ihrem Sohn durch das Land. Trotz der eindeutig gemischt veranlassten Reise setzte die Lehrerin ihre gesamten An- und Abreisekosten in der Steuererklärung als Werbungskosten an. Und das zu Recht, wie das Finanzgericht Köln feststellte (Urteil vom 29.8.2007, Az. 10 K 3758/04, EFG 2009, S. 391).

Die Begründung des Gerichts: Da der Aufenthalt der Lehrerin in Nicaragua beruflich veranlasst war und die privaten Reiseinteressen nicht den Schwerpunkt der Reise bildeten, sind die An- und Abreisekosten ausschließlich der beruflichen Sphäre zuzuordnen.

Das im Rechtsstreit unterlegene Finanzamt hat vor folgendem Hintergrund Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az. des BFH: VI R 38/08): Im Jahr 2006 hat der BFH erstmals seine Bereitschaft signalisiert,  die An- und Abreisekosten bei einer gemischten veranlassten Reise zumindest anteilig steuerlich anzuerkennen, indem  die Kosten im Verhältnis des betrieblichen zum privaten Reiseanteil aufgeteilt werden. Die Entscheidung, ob sich der BFH tatsächlich zu einer Änderung seiner langjährigen Rechtsprechung entschließt, ist allerdings noch nicht getroffen. 

Unserer Meinung nach stehen die Chancen zwar gut, dass gemischt veranlasste An- und Abreisekosten künftig von allen Senaten des BFH anteilig zum Abzug als Werbungskosten bei Angestellten oder Betriebsausgaben bei Selbstständigen zugelassen werden. Gering schätzen wir dagegen die Wahrscheinlichkeit ein, dass der BFH noch weiter geht und sich der großzügigen Rechtsprechung des FG Köln anschließt.

Steuertipp
Wenn Sie sich in einer vergleichbaren Situation befinden wie die Lehrerin im Streitfall, empfehlen wir Ihnen, trotz unserer nur eingeschränkt optimistischen Einschätzung sämtliche An- und Abreisekosten steuerlich geltend zu machen. Kürzt das Finanzamt dann Ihren Ausgabenabzug, sollten Sie unter Hinweis auf das beim BFH anhängige Verfahren Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. Denn nur so können Sie von einer am Ende vielleicht doch positiven Entscheidung des BFH profitieren.

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