Geburtstagsfeier im Büro nur selten als Werbungskosten absetzbar

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Lädt ein Arbeitnehmer seine Kollegen zu einer Geburtstagsfeier ein, an der auch Verwandte teilnehmen, kann er die Kosten dafür nicht als Werbungskosten abziehen. Eine berufliche Veranlassung liegt nämlich nur vor, wenn die Aufwendungen objektiv mit dem Beruf zusammenhängen und subjektiv zu dessen Förderung erbracht werden.

Das geht aus einem Urteil des FG Münster hervor. Im entschiedenen Fall hatte ein GmbH-Geschäftsführer zum 60. Geburtstag auf eine Burg eingeladen. Nachdem er in einer launigen Einladung darum gebeten hatte, man möge ihn bei dem schweren Schritt des Alterns unterstützen, legte er eine Liste aus, in der sich die Teilnehmer eintragen konnten. Eine Teilnahmeverpflichtung bestand nicht. Die Veranstaltung hatte der Jubilar auch nicht mit den weiteren Geschäftsführern besprochen oder abgestimmt.

Laut Gästeliste erschienen zur Feier auf der Burg insgesamt 117 Personen. Mit dem Jubilar feierten außer den Mitarbeitern noch 18 Geschäftspartner und sechs seiner Verwandten. Das Burghotel stellte insgesamt 6.251,40 Euro in Rechnung.

Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen für die Geburtstagsfeier jedoch nicht als Werbungskosten an.

Untergeordnete private Gründe – trotzdem keine Werbungskosten!

Der Jubilar erklärte, die Geburtstagsfeier sei nicht aus privaten Gründen veranstaltet worden. Neben den Mitarbeitern seien auch Kunden zu der Feier eingeladen gewesen. Zu den eingeladenen Mitarbeitern hätten sowohl Auszubildende als auch Reinigungskräfte gehört. Als Führungskraft der Gesellschaft habe er alle Mitarbeiter eingeladen, um ein besseres Betriebsklima und hierdurch einen höheren Umsatz bzw. einen höheren Gewinn zu erzielen. Die Geschäftspartner seien eingeladen worden, um neue Aufträge zu erhalten. Aus privaten Gründen seien lediglich die beiden Schwestern mit ihren Ehemännern anwesend gewesen.

Bei einer untergeordneten privaten Bedeutung, schlussfolgerte der GmbH-Geschäftsführer, dürfe der Abzug als Werbungskosten nicht versagt werden.

Das Gericht war anderer Auffassung. Herausgehobene Geburtstage werden grundsätzlich als persönliche Ereignisse der privaten Sphäre des betreffenden Steuerpflichtigen zugerechnet, erklärten die Richter. Nur in Ausnahmefällen können die Aufwendungen für die Feier beruflich veranlasst sein. Für die Zuordnung ist dabei von Bedeutung,

  • wer als Gastgeber auftritt,
  • wer die Gästeliste bestimmt,
  • ob es sich bei den Gästen um Kollegen, Geschäftsfreunde oder Mitarbeiter (des Steuerpflichtigen oder des Arbeitgebers), um Angehörige des öffentlichen Lebens, der Presse, um Verbandsvertreter oder um private Bekannte oder Angehörige des Steuerpflichtigen handelt.

Zu berücksichtigen ist außerdem, an welchem Ort die Veranstaltung stattfindet und ob das Fest den Charakter einer privaten Feier aufweist oder ob das nicht der Fall ist.

Alles in allem kamen die Richter zu dem Ergebnis, dass der GmbH-Geschäftsführer hier eine private Feier veranstaltet hatte, bei der er selbst als Gastgeber auftrat und nicht etwa die GmbH (FG Münster, Urteil vom 12.5.2011, Az. 10 K 1643/10 E).

Beruflich oder privat veranlasst? Diese Kriterien prüft das Finanzamt

Das spricht für eine berufliche Veranlassung der Bewirtung Das spricht für eine private Veranlassung der Bewirtung
Der Arbeitgeber lädt zur Feier ein. Sie sind selbst der Gastgeber, nicht Ihr Arbeitgeber.
Der Arbeitgeber hat die Gästeliste festgelegt. Sie haben die Gästeliste selbst festgelegt.
Als Gäste sind nur Mitarbeiter, Kollegen und Geschäftsfreunde eingeladen, keine Ehepartner, Angehörige oder private Freunde. Neben Mitarbeitern, Kollegen und Geschäftsfreunden haben Sie auch die Ehepartner, Angehörige und private Freunde eingeladen.
Die Feier findet in den Räumen des Arbeitgebers statt oder in einem Raum, den der Arbeitgeber angemietet hat. Die Feier findet bei Ihnen zu Hause statt.
Die Feier des persönlichen Ereignisses wird mit einem beruflichen Ereignis verbunden (z.B. Feier des Ausstands mit offizieller Übergabe der Geschäfte an den Nachfolger). Organisation und Ablauf der Feier richten sich ausschließlich nach dem persönlichen Ereignis.

Ein erfolgsabhängiges, variables Gehalt spricht für eine berufliche Veranlassung der Bewirtung. Das Finanzamt geht davon aus, dass Sie in diesem Fall Ihre Mitarbeiter zu weiterer Leistungsbereitschaft motivieren und Sie Ihr Gehalt dadurch steigern wollen (BFH, Urteil vom 1.2.2007, Az. VI R 25/03).

Wenn Sie feste Bezüge haben, spricht das aber nicht automatisch für eine private Veranlassung der Feier. Die Bewirtungskosten können auch dann Werbungskosten sein, wenn Sie Ihre Mitarbeiter zur Belohnung und weiteren Motivation bewirten (BFH, Urteil vom 24.5.2007, Az. VI R 78/04).

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