FG Münster: Arbeitszimmer-Regelung verfassungswidrig - neu: Aktenzeichen des BVerfG jetzt bekannt

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Seit 2007 ist das Arbeitszimmer auch dann nicht mehr abziehbar, wenn dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das widerspricht dem Grundgesetz, so das Finanzgericht Münster. Die Richter legten die Frage deshalb dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vor.

Seit 2007 sind Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nur noch dann ansetzbar, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. Damit scheidet der Werbungskostenabzug für die allermeisten Arbeitnehmer aus, zum Beispiel auch für Lehrer und Außendienstmitarbeiter.

Im konkreten Fall ging es um einen Lehrer, der für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie die Klausurenkorrektur auf das häusliche Arbeitszimmer angewiesen war. In der Schule stand ihm kein Arbeitsplatz zur Verfügung.

Kein anderer Arbeitsplatz? Arbeitszimmer muss abziehbar sein

Aber genau in diesem Fall seien die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer Erwerbsaufwendungen. Dass für sie kein Werbungskostenabzug möglich ist, verstößt gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz der Verfassung, so das Finanzgericht Münster (Beschluss vom 8.5.2009, Az. 1 K 2872/08 E, Az. beim BVerfG: 2 BvL 13/09).

Die Regelung benachteilige die Betroffenen in doppelter Hinsicht:

  • Zum einen gegenüber denjenigen, bei denen der Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung im häuslichen Arbeitszimmer liegen.
  • Zum anderen gegenüber denjenigen, die ein außerhäusliches Arbeitszimmer nutzen.

Diese Ungleichheit sei weder mit dem Ziel der Haushaltskonsolidierung noch mit einer erhöhten Missbrauchsgefahr oder einer Verwaltungsvereinfachung zu rechtfertigen.

Ob das Abzugsverbot beim Arbeitszimmer mit der Verfassung vereinbar ist, muss der Bundesfinanzhof bereits in einem anderen Verfahren entscheiden.

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