Entfernungspauschale: Rechnet das Finanzamt richtig?

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Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, kann wählen: Sie können statt der Entfernungspauschale die höheren tatsächlichen Fahrtkosten ansetzen. So weit, so gut. Wie aber wird gerechnet, wenn Sie nur im Winter mit der Bahn zur Arbeit fahren oder nach einem Wohnungswechsel auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen?

Die Finanzverwaltung rechnet hier gewohnt fiskalisch: Die Vergleichsrechnung, ob die Entfernungspauschale oder aber die tatsächlichen Fahrtkosten günstiger sind, wird auf das gesamte Jahr bezogen. Günstiger ist es aber, wenn man die Vergleichsrechnung auf jeden Arbeitstag bezieht. Ein Arbeitnehmer aus Bayern wollte sich deshalb mit der Berechnung des Finanzamts nicht abfinden und zog vor das Finanzgericht.

Mit Erfolg! Die Finanzrichter sind zu dem erfreulichen Ergebnis gekommen, dass »für jeden Arbeitstag zu prüfen ist, ob sich der Ansatz der Entfernungspauschale oder der tatsächlichen Kosten für öffentliche Verkehrsmittel günstiger auswirkt« (FG München vom 9.7.2004, Az. 8 K 4370/03).

Beispiel:
Herr Merkel fährt an 80 Tagen im Jahr mit der Bahn zur Arbeit und bezahlt hierfür 240,- Euro. An 150 Tagen fährt er mit dem PKW. Die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beträgt acht Kilometer.

Fahrt mit der Bahn:
Tatsächliche Fahrtkosten: 240,- Euro
Entfernungspauschale: 80 Tage x 8 km x 0,30 Euro/km = 192,- Euro

Fahrt mit dem PKW:
Entfernungspauschale: 150 Tage x 8 km x 0,30 Euro/km = 360,- Euro

So rechnet das Finanzamt:
Da die Entfernungspauschale für das gesamte Jahr (192,- Euro + 360,- Euro = 552,- Euro) höher ist als die tatsächlichen Fahrtkosten in Höhe von 240,- Euro, wird nur die Entfernungspauschale von 552,- Euro anerkannt.

So rechnet das Finanzgericht:
Für den Zeitraum »Fahrt mit der Bahn« sind die tatsächlichen Fahrtkosten in Höhe von 240,- Euro höher als die berechnete Entfernungspauschale von 192,- Euro und werden deshalb angesetzt. Hinzu kommt die Entfernungspauschale für den Zeitraum »Fahrten mit dem PKW« in Höhe von 360,- Euro. Als Werbungskosten für den Weg von der Wohnung zur Arbeitsstätte werden insgesamt 600,- Euro anerkannt.

Wer tatsächlich richtig rechnet, muss jetzt der Bundesfinanzhof entscheiden. Vielleicht schließt sich der Bundesfinanzhof der positiven Entscheidung des Finanzgerichts München an (Az. der Revision VI R 40/04).

Unser Steuertipp:

Fahren Sie mit der Berechnung des Finanzgerichts besser? Dann sollten Sie gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch einlegen. Beantragen Sie mit Hinweis auf die anhängige Revision das Ruhen des Verfahrens.


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