Drei Tage Büro, zwei Tage Arbeitszimmer: Was bedeutet das für die Werbungskosten?

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Wer sich seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet, an zwei Tagen pro Woche zuhause am Telearbeitsplatz zu arbeiten, darf für das Arbeitszimmer Werbungskosten geltend machen.

Denn, so entschied das FG Rheinland-Pfalz, für die im häuslichen Arbeitszimmer verbrachte Zeit stehe in diesem Fall kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung.

Voraussetzungen für die Anerkennung eines Arbeitszimmers

Das Finanzamt hatte die Anerkennung der Kosten abgelehnt. Denn die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind nur dann als Werbungskosten abzugsfähig, wenn im Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit liegt. Ist dies nicht der Fall, werden immerhin noch Kosten bis zu 1.250,00 € anerkannt, wenn kein beruflicher Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Steht ein sonstiger Arbeitsplatz zur Verfügung, werden jedoch seit 2007 gar keine Werbungskosten mehr anerkannt (§ 9 Abs. 5 EStG i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG).

Vertragliche Vereinbarung über Telearbeit

Im entschiedenen Fall hatte sich jedoch der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet, an drei Tagen pro Woche im Büro zu arbeiten und an den übrigen zwei Tagen zuhause. Arbeitgeber und Arbeitnehmer hatten vertraglich vereinbart, dass der Arbeitnehmer dafür in seiner Wohnung ein Arbeitszimmer vorhält. Der Arbeitgeber zahlte die technische Ausstattung des Telearbeitsplatzes.

Büro-Arbeitsplatz steht nur an drei Tagen zur Verfügung

Für die Richter des FG Rheinland-Pfalz war daher klar: Die allgemeinen Kriterien zur Beurteilung der steuerlichen Abzugsfähigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers sind hier nicht anwendbar. Die Kosten für das Arbeitszimmer in der Wohnung des Arbeitnehmers sind daher in vollem Umfang als Werbungskosten abzugsfähig (FG Rheinland-Pfalz vom 19.1.2012, 4 K 1270/09 , Revision wurde eingelegt, ein Az. ist noch nicht bekannt).

Aber selbst dann, wenn man in diesem Fall die Kriterien zur Beurteilung der steuerlichen Abzugsfähigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers heranzieht, muss man zur Abzugsfähigkeit der Aufwendungen kommen: Denn aufgrund der Vereinbarung mit dem Arbeitgeber steht dem Arbeitnehmer nur an drei von fünf Arbeitstagen ein anderer Arbeitsplatz – nämlich im Bürogebäude des Arbeitsgebers – zur Verfügung. Die Kosten wären nach dieser Beurteilung bis 1.250,00 € abzugsfähig, ggf. gekürzt um den Anteil der Arbeitszeit, die der Arbeitnehmer im Büro verbringt.

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