Berufsausbildung nicht gleich Berufsausbildung

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Die Kosten einer zweiten Berufsausbildung können in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Das Problem: Manch zweite Ausbildung mutiert im Steuerrecht zur ersten Ausbildung - mit unangenehmen Folgen.

Ein Steuerpflichtiger wurde während seines Zivildienstes zum Rettungssanitäter ausgebildet. Nach Abschluss seiner Ausbildung begann er eine Ausbildung zum Piloten. Die Ausbildungskosten zum Verkehrsflugzeugführer in Höhe von 30.000 Euro gab der Steuerpflichtige in seiner Steuererklärung 2005 als Werbungskosten an, um dadurch die volle steuerliche Berücksichtigung sicherzustellen. Das Finanzamt qualifizierte die vermeintlichen Werbungskosten allerdings in Sonderausgaben um. Dadurch konnten sich maximal 4.000 Euro steuerlich auswirken. Im konkreten Fall sank der Sonderausgabenabzug allerdings auf Null Euro, denn im Veranlagungsjahr 2005 hatte der Steuerpflichtige kein Einkommen über dem Grundfreibetrag. Die gesamten Ausbildungskosten von 30.000 Euro blieben somit Privatvergnügen.

Das wollte der frischgebackene Pilot nicht akzeptieren und zog vor Gericht. Das Finanzamt behielt allerdings die Oberhand, denn das Finanzgericht Münster lehnte es ebenfalls ab, die Ausbildung zum Piloten als zweite Berufsausbildung anzuerkennen. Nach Ansicht des Gerichts erfüllte die vorausgegangene Ausbildung zum Rettungssanitäter nicht die Anforderungen an eine Berufsausbildung. Und von daher konnte die Ausbildung zum Piloten keine Zweitausbildung sein (Urteil vom 6.5.2010, Az. 3 K 3347/07 F, NWB 2010 S. 2354).

Ob eine Ausbildung als Berufsausbildung anzusehen ist, richtet sich nach dem Berufsbildungsgesetz, so das Gericht. Danach handelt es sich nur dann um eine Berufsausbildung, wenn der Ausbildungsgang öffentlich-rechtlich geordnet ist oder mit einem solchen vergleichbar ist. Typisches Merkmal ist unter anderem eine mindestens zweijährige Ausbildungszeit. Da die Ausbildung zum Rettungssanitäter lediglich 560 Ausbildungsstunden umfasste, waren nach Auffassung des Gerichts die Voraussetzungen für eine geordnete Berufsausbildung nicht erfüllt.

Ein anderer Pilot hatte dagegen mehr Glück mit der Anerkennung seiner Ausbildungskosten als Werbungskosten. Auch er hatte ein berufliches Vorleben, und zwar eine Ausbildung als Assistant Aviation Information Analyst, dessen Aufgabe die Pflege von Navigationsdatenbanken in Verkehrsflugzeugen ist. Der Vorteil des Steuerpflichtigen war sein Wohnsitz, der für die Zuständigkeit des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz sorgte. Denn das Gericht legte den Begriff der Berufsausbildung nicht so eng aus wie das Finanzgericht Münster und erkannte die Ausbildung zum Flugzeugführer als Zweitausbildung an (Urteil vom 18.03.2010; Az. 4 K 1127/07, nicht veröffentlicht).

Zwei Finanzgerichte, zwei Meinungen. Da das Finanzamt gegen die Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz Revision eingelegt hat, muss nun der BFH entscheiden, ob und wenn ja, unter Berücksichtigung welcher Merkmale, die Finanzämter Ausbildungen in unterschiedliche Güteklassen einteilen dürfen (Az. der Revision: VI R 32/10).

Steuertipp
Ausbildungen kosten viel Geld und können daher zu einer beträchtlichen Steuerersparnis führen. Sollte es Ihnen trotz einer früher abgeschlossenen Ausbildung nicht gelingen, eine weitere Ausbildung gegenüber dem Finanzamt als Zweitausbildung anerkannt zu bekommen, dann legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein und beantragen Sie unter Hinweis auf das anhängige BFH-Verfahren das Ruhen Ihres Verfahrens. Entscheidet der BFH dann zugunsten des Piloten, profitieren auch Sie von dem Urteil.

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