Arbeitszimmer: Freibetrag auf Lohnsteuerkarte wieder möglich - aktualisiert: jetzt mit Aktenzeichen der Beschwerde am BFH!

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Neue Runde im Streit um den Werbungskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer: Das FG Niedersachsen zwingt das Finanzamt, auf der Lohnsteuerkarte eines Lehrerehepaares den Freibetrag für das Arbeitszimmer einzutragen. Im Moment profitieren davon aber noch nicht alle Steuerzahler.

Das Finanzgericht Niedersachsen hält die Neuregelung zum Arbeitszimmer für verfassungswidrig.

Die Kosten des häuslichen Arbeitszimmers seien für einen Lehrer beruflich veranlasst: Lehrer hätten eine Dienstverpflichtung, den Unterricht zu Hause vor- und nachzubereiten. Ein angemessener Arbeitsplatz in der Schule stünde ihnen nicht zur Verfügung. Ohne Arbeitszimmer könnten Lehrer ihrer beruflichen Tätigkeit deshalb nicht nachkommen.

Die Richter erkannten in der neuen Arbeitszimmerregelung einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz (Art. 3 Abs. 1 GG). Außerdem sehen sie das "objektive Nettoprinzip" verletzt. Danach darf nur das Einkommen besteuert werden, das nach Abzug unvermeidlicher beruflicher Kosten und Ausgaben zur Existenzsicherung übrig bleibt (FG Niedersachsen, Beschluss vom 2.6.2009, Az. 7 V 76/09; Az. der Beschwerde beim BFH: VI B 69/09). Da die Finanzverwaltung mit dieser Beschwerde gegen das positive Urteil des Finanzgerichts vorgeht, bringt Ihnen das Verfahren beim BFH im Moment leider keinen Vorteil.

Hintergrund: Ein häusliches Arbeitszimmer wird seit 2007 nur noch dann steuerlich berücksichtigt, wenn es der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist. Deshalb können die meisten Arbeitnehmer die Kosten nicht mehr absetzen. Betroffen sind zum Beispiel Lehrer oder Außendienstmitarbeiter.

Steuertipp
Durch den Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte zieht das Finanzamt bereits während des laufenden Jahres weniger Steuern ein. Dadurch fällt zwar die Erstattung am Jahresende kleiner aus. Aber ohne Freibetrag gewähren Sie dem Fiskus ein zinsloses Darlehen.

Um das zu vermeiden, können Sie einen "Antrag auf Lohnsteuerermäßigung" stellen – am schnellsten und einfachsten geht das mit der Steuer-Spar-Erklärung. Haben Sie die Software noch nicht, können Sie sie kostenlos herunterladen.

Allerdings wird sich Ihr Finanzamt trotz der Entscheidung der Finanzrichter in Niedersachsen wahrscheinlich weigern, einen Freibetrag für die Arbeitszimmerkosten auf Ihrer Lohnsteuerkarte einzutragen. Denn es gibt keine Verwaltungsanweisung, die die Finanzbeamten dazu verpflichtet.

Nachteil: Sie müssen gegen einen ablehnenden Bescheid über die Lohnsteuerermäßigung 2009 Einspruch einlegen. Fordern Sie das Finanzamt auf, einen Freibetrag für das Arbeitszimmer auf der Lohnsteuerkarte 2009 einzutragen. Lehnt Ihr Finanzamt das  – erwartungsgemäß  –  ab, bleibt nur die Klage beim Finanzgericht.

Eine Klage will aber gut überlegt sein. Denn um von den Verfahren beim Bundesverfassungsgericht und beim Bundesfinanzhof zum Arbeitszimmer zu profitieren, ist sie nicht notwendig. Hier reicht ein Einspruch gegen den entsprechenden Einkommensteuerbescheid aus.


Weitere Urteile:
FG Münster: Arbeitszimmer-Regelung verfassungswidrig
FG Berlin-Brandenburg: Gesetzesänderung ist verfassungskonform
FG Rheinland-Pfalz: Neuregelung gerade noch verfassungsgemäß

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