Arbeitszimmer: Aufwendungen sind auf Antrag vorläufig abziehbar

 - 

Das Finanzamt hat Ihre Arbeitszimmerkosten im Steuerbescheid nicht anerkannt und fordert deshalb eine Steuernachzahlung? Diese Nachzahlung können Sie jetzt verhindern und sich das Geld vorerst sparen. Aber es gibt auch Risiken.

Wer kann diese Steuernachzahlung verhindern und wie geht das?

In folgenden Fällen können Sie eine Steuernachzahlung verhindern:

  • Sie haben Ihren Steuerbescheid gerade erst bekommen und die Einspruchsfrist ist noch nicht abgelaufen. In diesem Fall müssen Sie gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch einlegen und einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (AdV) stellen.
  • Sie haben gegen Ihren Steuerbescheid bereits Einspruch eingelegt und ihn – entgegen einer Aufforderung durch das Finanzamt - auch nicht zurückgenommen. Zur sofortigen Steuerersparnis ist nun ein Antrag auf AdV notwendig.

Allerdings: Ist Ihr Bescheid schon bestandskräftig, können Sie keine AdV mehr beantragen. Ein bestehender Vorläufigkeitsvermerk im Steuerbescheid bleibt Ihnen dennoch erhalten. Damit profitieren Sie von einer möglichen positiven Entscheidung des Bundesfinanzhofs oder des Bundesverfassungsgerichts zu den Arbeitszimmerkosten.

Was bewirkt ein AdV-Antrag?

Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid oder eine Klage beim Finanzgericht ändert nichts daran, dass Sie den strittigen Betrag erst einmal zahlen müssen. Um das zu verhindern, ist der AdV-Antrag notwendig. Hier gibt es nun Erfreuliches zu vermelden. Denn das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter in einem neuen Erlass angewiesen, diesen Anträgen in folgenden Fällen zuzustimmen (BMF-Schreiben vom 6.10.2009, IV A 3 - S 0623/09/10001): Bei Einsprüchen gegen

  • die Ablehnung eines Lohnsteuerermäßigungs-Antrags ab 2009,
  • die Festsetzung von Einkommensteuer-Vorauszahlungen ab 2009 oder
  • Einkommensteuerbescheide ab 2007.

Um die AdV hinsichtlich der Arbeitszimmerkosten beantragen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Mehr als die Hälfte der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit spielt sich im Arbeitszimmer ab oder
  • es steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung.

Die Finanzämter sollen bis zu 1.250 Euro jährlich vorläufig im Steuerbescheid berücksichtigen. Das entspricht der Regelung, die bis Ende 2006 galt.

Lohnt sich ein AdV-Antrag?

Der Vorteil einer AdV: Bis zu einer endgültigen Entscheidung des BFH oder des Bundesverfassungsgerichts zu den Arbeitszimmerkosten braucht man den strittigen Betrag nicht zu bezahlen und bekommt strittige Steuern, die man bereits bezahlt hat, sogar vorläufig zurück. Allerdings sind die finanziellen Auswirkungen wegen des Höchstbetrags von 1.250 Euro jährlich begrenzt.

Der Nachteil: Der Antrag auf AdV macht zusätzliche Arbeit. Vor allem birgt er das Risiko der Nachzahlung, falls der BFH oder das Bundesverfassungsgericht die Neuregelung für verfassungsgemäß hält oder eine Änderung erst für die Zukunft verlangt:

  • Haben Sie sich einen zusätzlichen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen, wird der Differenzbetrag mit dem Steuerbescheid nacherhoben. Gleiches gilt bei auf Antrag reduzierten Einkommensteuer-Vorauszahlungen.
  • Wurden Ihre Einkommensteuerbescheide ab 2007 in Bezug auf die Kosten für das Arbeitszimmer ausgesetzt, drohen neben der Nachzahlung zusätzlich Aussetzungszinsen von 6% jährlich.

Fazit: Wer lediglich abwartet, bekommt bei einem positiven Urteil Erstattungszinsen von immerhin 6% jährlich. Der Zinszeitraum für den Bescheid 2007 läuft bereits seit April 2009. Außerdem vermeidet er mögliche Aussetzungszinsen für den Fall, dass die Gerichte die bestehende Arbeitszimmer-Regelung durchwinken.

Auslöser für den neuen Erlass ist der BFH-Beschluss vom 25.8.2009 (VI B 69/09). Das Gericht hält darin die seit 2007 geltende Regelung zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer für verfassungsrechtlich zweifelhaft. Der BFH hat deshalb das Finanzamt verpflichtet, auf der Lohnsteuerkarte eines Lehrer-Ehepaares den Freibetrag für das Arbeitszimmer einzutragen.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.