Zugbegleiterin hat keine regelmäßige Arbeitsstätte

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Eine Zug-Servicemitarbeiterin, die ihren Dienst täglich am selben Bahnhof beginnt und beendet, hat dort dennoch keine regelmäßige Arbeitsstätte: Ihre Haupttätigkeit erbringt sie im Zug, sagt das FG Rheinland-Pfalz.

Die Arbeitnehmerin wird das Urteil mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis genommen haben – denn es bedeutet zwar, dass sie für den Weg vom ihrer Wohnung zum Bahnhof Reisekosten geltend machen kann (die ihr mehr bringen als nur die Entfernungspauschale). Allerdings hatte die Dame ein vom Arbeitgeber bezahltes Jobticket, sodass ihr gar keine Kosten entstanden. Und wo keine Kosten entstehen, kann auch steuerlich normalerweise nichts geltend gemacht werden. Ausnahme: Die vom Verkehrsmittel unabhängige Entfernungspauschale, die man auch dann geltend machen kann, wenn man mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit geht...

Im konkret entschiedenen Fall schildert das FG Rheinland-Pfalz den Ablauf wie folgt:

Die Klägerin war als Zug-Servicemitarbeiterin bei der DB Fernverkehr AG beschäftigt. Für die Fahrten zwischen ihrem Wohnort und dem Bahnhof Köln (Dienstbeginn) hatte sie von der Arbeitgeberin ein Job-Ticket erhalten. In der Steuererklärung machte die Klägerin für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte die Pendlerpauschale geltend (also 30 Cent pro Entfernungskilometer).

Das Finanzamt stufte die Fahrten zwischen Wohnort und Bahnhof allerdings nicht als Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte ein, sondern als Dienstfahrten – und erkannte wegen des Job-Tickets keine Werbungskosten an.

Frage nach dem Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit

Die Richter des FG Rheinland-Pfalz teilten die Auffassung des Finanzamtes und bestätigten, dass die Klägerin hier keine regelmäßige Arbeitsstätte habe, obwohl sie täglich ihren Dienst am selben Bahnhof beginne und beende. Entscheidend sei nämlich, wo sich der Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit befinde. Schon ihre Berufsbezeichnung spreche dafür, dass dieser Mittelpunkt in den jeweiligen Zügen liege. Außerdem werde hier der Umsatz zugunsten der Arbeitgeberin generiert.

Bei den am Betriebssitz der Arbeitgeberin ausgeführten Tätigkeiten einschließlich der Einzahlung der Einnahmen nach Fahrtende handle es sich lediglich um arbeitsbegleitende Handlungen, die gegenüber der im Zug zu erbringenden Haupttätigkeit von nur geringem Gewicht seien.

Die Servicemitarbeiterin habe daher in den jeweiligen Zügen eine Auswärtstätigkeit ausgeübt. Die Fahrten zwischen Wohnung und Bahnhof seien also keine Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte, sondern Dienstreisen. Bei einer Auswärtstätigkeit bzw. Dienstreisen könnten zwar grundsätzlich alle dadurch verursachten Reisekosten als Werbungskosten abgezogen werden. Weil der Servicemitarbeiterin aufgrund ihres Job-Tickets allerdings keine eigenen Aufwendungen entstanden seien, scheide auch ein Werbungskostenabzug aus.

Die Revision wurde nicht zugelassen, bis Ende Januar kann noch Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt werden (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 23.11.2016, Az. 2 K 2581/14).

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