Werbungskosten in der Probezeit

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Wo liegt während der Probezeit die regelmäßige Tätigkeitsstätte? Die Antwort auf diese Frage hat deutliche finanzielle Auswirkungen – geht es doch darum, ob in der Steuererklärung Reisekosten geltend gemacht werden dürfen oder nur die Entfernungspauschale.

Mit der Frage beschäftigte sich der BFH im Fall eines Arbeitnehmers, der eine Probezeit von einem Jahr im Arbeitsvertrag stehen hatte. Für seine Fahrten zur Arbeit machte er Reisekosten geltend. Insgesamt kam er so auf Fahrtkosten in Höhe von 4.560 € und Verpflegungsmehraufwendungen von 1.140 €. Den Ansatz von Reisekosten begründete er damit, dass er aufgrund einer im Arbeitsvertrag vereinbarten Probezeit von einem Jahr über keine regelmäßige Arbeitsstätte verfüge und somit die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nach Reisekostengrundsätzen anzusetzen seien. Das Gleiche gelte für die Verpflegungsmehraufwendungen.

Das Finanzamt setzte die geltend gemachten Fahrtkosten lediglich mit der Entfernungspauschale an und kam so auf Werbungskosten in Höhe von 2.280 €. Die Verpflegungsmehraufwendungen strich es komplett.

Regelmäßige Tätigkeitsstätte trotz langer Probezeit

Das letzte Wort in dem sich daraufhin ergebenden Streit hatte jetzt der BFH. Die Richter erklärten, die Vorinstanz habe zu Recht entschieden, dass die Aufwendungen des Angestellten für Fahrten zwischen seiner Wohnung und seinem Arbeitsplatz nur im Rahmen der Entfernungspauschale als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit berücksichtigt werden könnten und Mehraufwendungen für Verpflegung nicht einkünftemindernd anzusetzen seien.

Der Angestellte sei nicht auswärts, sondern in einer dauerhaften betrieblichen Einrichtung seines Arbeitgebers und damit in einer regelmäßigen Arbeitsstätte tätig gewesen. Er habe diese Einrichtung während seines Arbeitsverhältnisses nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit, d.h. fortdauernd und immer wieder (dauerhaft) aufgesucht. Die lange Probezeit stehe dieser Einschätzung nicht entgegen (BFH-Urteil vom 16.12.2015, VI R 6/15 ).

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