Werbungskosten bei Berufskraftfahrern

 - 

Arbeitnehmer mit Einsatzwechsel- oder Fahrtätigkeit, die eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers zwar regelmäßig anfahren, dort aber keine wesentlichen beruflichen Tätigkeiten ausüben, haben nach der neuen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs dort keine regelmäßige Arbeitsstätte, weil sich dort nicht der Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit befindet.

Fährt ein Berufskraftfahrer nur zum Betriebshof des Arbeitgebers, um den Lkw oder Bus zu übernehmen, hat er also dort keine regelmäßige Arbeitsstätte. Es beginnt in diesen Fällen bereits mit Verlassen der Wohnung eine berufliche Auswärtstätigkeit. Das bedeutet für den Abzug von Werbungskosten:

  • Die Fahrt zum Betriebshof und wieder zurück ist nach Reisekostengrundsätzen absetzbar. Fährt er mit dem eigenen Pkw, kann er die Reisekostenpauschale oder den tatsächlichen Kilometer-Kostensatz als Fahrtkosten geltend machen.

  • Die für den Ansatz von Verpflegungspauschbeträgen maßgebliche Abwesenheitsdauer beginnt bereits mit Verlassen der Wohnung.

  • Zudem sind entstandene Übernachtungskosten als Werbungskosten abzugsfähig. Viele Fahrer übernachten in der Schlafkabine ihres Fahrzeugs. Dann entstehen in der Regel nur Übernachtungsnebenkosten für Parkgebühren, Duschen und Toilettenbesuche auf Rastplätzen.

    Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat hierfür bei einem Lkw-Fahrer ohne Belege pro Nacht eine Übernachtungspauschale von 5,00 € anerkannt (FG Rheinland-Pfalz vom 24.3.2005, 6 K 1664/04 ).

    Das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht dagegen möchte zumindest für einen repräsentativen Zeitraum von zwei bis drei Monaten Aufzeichnungen und Belege sehen, damit es glaubhaft erscheint, dass diese Kosten dem Grunde nach entstanden sind. Andernfalls wird eine Pauschale für Übernachtungsnebenkosten nicht anerkannt (Schleswig-Holsteinisches FG vom 30.6.2011, 5 K 108/10, EFG 2012 S. 31; Az. der Revision VI R 48/11). Jetzt muss der Bundesfinanzhof ein Machtwort sprechen.

    Lehnt das Finanzamt eine Übernachtungspauschale ab, sollten Betroffene dagegen Einspruch einlegen und unter Hinweis auf die Revision das Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragen.

Weitere News zum Thema

  • Umzugskosten absetzen: Werte für 2018, 2019 und 2020

    [] Für einen beruflich bedingten Umzug dürfen Werbungskosten geltend gemacht werden. Für Umzüge seit dem 1.3.2018 gelten neue Werte. Auch die absetzbaren Pauschalen für umzugsbedingte Unterrichtskosten und sonstige Umzugsauslagen ab dem 1.4.2019 und ab dem 1.3.2020 hat das BMF bereits veröffentlicht. mehr

  • Unfallkosten als Werbungskosten geltend machen

    [] Dämmerung, nasses Herbstlaub und in Gedanken noch oder schon im Büro: Ein Unfall ist da schnell passiert. Falls Sie die Kosten nicht vom Arbeitgeber ersetzt bekommen, dürfen Sie in Ihrer Steuererklärung Werbungskosten geltend machen! mehr

  • Neues zum Arbeitszimmer

    [] Das Thema Arbeitszimmer hat Sie als Arbeitnehmer in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt. Zumindest bei einem Thema gibt es nun abschließend Klarheit. mehr

  • Kein Werbungskostenabzug von Reservisten

    [] Reservistendienst Leistende sind pensionierte und frühere Soldaten, die auf Zeit unter bestimmten Voraussetzungen bis zu einem bestimmten Lebensalter und je nach Verwendung bis zu drei bzw. bis zu sieben Monate in den Streitkräften der BRD dienen. mehr

  • Häusliches Arbeitszimmer einer Flugbegleiterin

    [] Kann eine Flugbegleiterin ein häusliches Arbeitszimmer absetzen, weil sie sich dort auf ihre beruflichen Tätigkeiten vorbereitet? Das Finanzgericht hat das verneint. Nun muss sich der BFH abschließend mit dieser Frage befassen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.