Eine Stunde bis zur Arbeit ist in Ordnung

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Wer von zuhause bis zum Arbeitsplatz maximal eine Stunde unterwegs ist, kann keine doppelte Haushaltsführung geltend machen.

Das entschied das FG Baden-Württemberg und fasste zusammen: In einem solchen Fall wohnt der Steuerpflichtige bereits am Beschäftigungsort und kann die Kosten für eine näher am Arbeitsplatz liegende Zweitwohnung nicht im Rahmen der Werbungskosten absetzen.

Geklagt hatte ein Arbeitnehmer, der in seiner Steuererklärung die Miete für eine Zwei-Zimmer-Wohnung angegeben hatte und als Werbungskosten anerkannt wissen wollte. Von dieser Wohnung aus, gab er an, pendle er zu seiner 6 km entfernten Arbeitsstätte in der Großstadt S. Ansonsten lebte er mit seiner Ehefrau in einer vom Arbeitsort 37 km entfernten Drei-Zimmer-Wohnung.

Finanzamt und Finanzgericht erkannten die Mietaufwendungen für die Zwei-Zimmer-Wohnung nicht als Werbungskosten an und begründeten dies damit, dass auch die gemeinsam mit der Ehefrau bewohnte Drei-Zimmer-Wohnung im Einzugsgebiet seiner Arbeitsstätte liege und er daher bereits an seinem Beschäftigungsort wohne. Eine doppelte Haushaltsführung setze aber voraus, dass der Ort des eigenen Hausstandes und des Beschäftigungsortes auseinanderfallen. Ein Arbeitnehmer wohne bereits dann am Beschäftigungsort, wenn er von seinem Hausstand ungeachtet von Gemeinde- und Landesgrenzen seine Arbeitsstätte in zumutbarer Weise täglich aufsuchen könne.

Genauer ausgedrückt: Nach Auffassung der Richter ist unter Beschäftigungsort nicht die jeweilige politische Gemeinde zu verstehen, sondern der Bereich, der zu der konkreten Anschrift der Arbeitsstätte noch als Einzugsgebiet anzusehen ist. Dafür kann natürlich nicht allein die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ausschlaggebend sein: Eine Wohnung am Beschäftigungsort liegt nach dem Urteil daher regelmäßig vor, wenn die Wohnung in einem Bereich liegt, von dem aus der Arbeitnehmer üblicherweise täglich zu diesem Ort fahren kann. Dabei würden Fahrzeiten von etwa eine Stunde für die einfache Strecke noch in einem zeitlichen Rahmen liegen, in dem es einem Arbeitnehmer zugemutet werden könne, von seinem Hausstand die Arbeitsstätte aufzusuchen, präzisierten die Richter die zeitliche Komponente.

Das war bei dem hier betroffenen Arbeitnehmer der Fall – dieser hat allerdings gegen das Urteil Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 16.06.2016, Az. 1 K 3229/14; BFH-Az.: VI R 31/16).

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