Home-Office auch bei Alleinerziehenden nur begrenzt abziehbar

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Aufwendungen für einen häuslichen Telearbeitsplatz können auch von einer alleinerziehenden Mutter nur eingeschränkt als Werbungskosten geltend gemacht werden können. Das sagt das FG Rheinland-Pfalz.

Eine alleinerziehende Mutter hatte mit ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung über Telearbeit getroffen, um weiterhin in Vollzeit arbeiten und dennoch ihren minderjährigen Sohn zu Hause betreuen zu können: Vormittags arbeitete sie vom Büro aus, nachmittags von zuhause. Dort nutzte sie ihre private Büroeinrichtung, ihr Arbeitgeber stellte nur das Verbrauchsmaterial zur Verfügung – also Papier, Tintenpatronen für den Drucker, Disketten, Software usw. – und erstattete ihr die Kosten für dienstlich notwendige Telefon-, Fax- und Internetkosten.

In ihrer Einkommensteuererklärung machte die Frau die Aufwendungen für ihren Telearbeitsplatz insgesamt 1.518,61 € als Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers geltend. Das Finanzamt erkannte jedoch nur 1.250 € als Werbungskosten an und erklärte, der Steuerzahlerin stehe auch im Verwaltungsgebäude ihres Arbeitgebers ein Arbeitsplatz zur Verfügung. Ein unbegrenzter Abzug von Werbungskosten sei daher in ihrem Fall nicht anzunehmen.

Das sah das Finanzgericht Rheinland-Pfalz genauso. Die Richter verwiesen auf die Rechtsprechung des BFH, wonach die Aufwendungen für einen Telearbeitsplatz im häuslichen Arbeitszimmer nur dann abzugsfähig seien, wenn dem Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehe. Im vorliegenden Fall habe der Alleinerziehenden nicht nur vormittags, sondern auch an den Nachmittagen ein anderer Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten ihres Arbeitgebers zur Verfügung gestanden. Sie habe selbst eingeräumt, es sei ihr nicht untersagt gewesen, ihren dienstlichen Arbeitsplatz auch nachmittags weiterhin zu nutzen.

Die Nutzung dieses Arbeitsplatzes sei auch nicht deshalb eingeschränkt gewesen, weil ihn im Bedarfsfall bzw. in Zeiten bestehender Raumnot auch andere Kolleginnen und Kollegen genutzt hätten. Der Einwand der Alleinerziehenden, sie arbeite zu Hause (auch) außerhalb der Dienstzeiten, habe ebenfalls keinen Erfolg: Es reiche aus, dass sie ihren Arbeitsplatz zu den üblichen Bürozeiten nutzen könne, wenn sie dies wolle, erklärten die Richter.

Alleinerziehend ist ein privater Grund für ein Home-Office

Dass sie alleinerziehende Mutter sei und ihren dienstlichen Arbeitsplatz wegen der Kinderbetreuung nicht nutzen könne, sei steuerrechtlich grundsätzlich unbeachtlich, führten die Richter weiter aus. Dabei handele es sich nämlich um private Gründe, auch wenn Ehe und Familie verfassungsrechtlich geschützt seien. Der Gesetzgeber habe speziell für Alleinerziehende eine Steuervergünstigung geschaffen. Diese Förderung sei ausreichend, so dass keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Abzugsbeschränkung für das häusliche Arbeitszimmer ersichtlich seien (FG Rheinland-Pfalz vom 11.8.2015, 3 K 1544/13 ).

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