Arbeitszimmer: BFH kennt kein Erbarmen

 - 

Der BFH bestätigt die strengen Regeln zur Absetzbarkeit eines häuslichen Arbeitszimmers und erkennt für nur teilweise beruflich genutzte Arbeitszimmer keine Werbungskosten an.

Damit gilt weiter: Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können nur dann als Werbungskosten abgezogen werden, wenn das Zimmer nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird. Das geht aus einer Entscheidung des Großen Senats hervor, die der BFH heute auf seiner Jahrespressekonferenz verkündet hat (BFH-Beschluss vom 27.7.2015, GrS 1/14 ).

Dem Beschluss lag der Fall eines Immobilieneigentümers zugrunde, der sich in seinem Einfamilienhaus ein Arbeitszimmer eingerichtet hatte, in dem er sich auch um die Verwaltung seiner vermieteten Mehrfamilienhäuser kümmerte. Der Raum wurde jedoch auch privat genutzt. Den auf die Immobilienverwaltung entfallenden Anteil hatte als Werbungskosten in seiner Steuererklärung angegeben.

Ein steuerzahler-freundliches Urteil hätte wahrscheinlich Millionen von Steuerzahlern finanziell genutzt, denn dass nicht nur im Büro, sondern auch von zuhause gearbeitet wird, ist heute fast die Regel.

Leider hat der BFH nun endgültig keine Aufteilung der Kosten zugelassen. Im Bereich der Reisekosten und auch bei Arbeitsmitteln hat er anders geurteilt. Dort waren die Richter noch der Meinung, dass sich die private bzw. berufliche Nutzung ermitteln lässt – was sie beim Arbeitszimmer unverständlicherweise anders sehen: Nach Ansicht der Richter lässt sich kaum überprüfen, wie viel Zeit der Arbeitnehmer tatsächlich in dem Raum arbeitet. 20 Prozent seiner gesamten Arbeitszeit, oder doch eher 40 Prozent? Das sei auch mit einem Nutzungszeitenbuch, in dem der Steuerzahler seine Anwesenheit im häuslichen Arbeitszimmer dokumentiert, nicht zu ermitteln, meinten die Richter: Die darin enthaltenen Angaben [hätten] keinen über eine bloße Behauptung des Steuerpflichtigen hinausgehenden Beweiswert.

Auch eine Arbeitsecke im Schlafzimmer oder Wohnzimmer wird nicht anerkannt

Der BFH erklärt in seiner Entscheidung: Ein häusliches Arbeitszimmer setzt neben einem büromäßig eingerichteten Raum voraus, dass es ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird. Außerdem muss der Raum mit einer Tür von der restlichen Wohnung abgegrenzt sein (das bedeutet, dass auch ein Durchgangszimmer kein Arbeitszimmer sein kann!). Mit dieser Begründung wurde auch die steuerliche Anerkennung einer Arbeitsecke im Schlafzimmer oder Wohnzimmer abgelehnt.

Wann ist ein Arbeitszimmer steuerlich absetzbar?

Werbungskosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer können Sie also weiterhin nur in zwei Fällen absetzen:

  • Ihnen steht für Ihre berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Dann können Sie Kosten bis zu 1.250 € pro Jahr geltend machen.

  • Das Arbeitszimmer stellt den Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit dar. Dann sind Ihre Kosten in unbegrenzter Höhe von der Steuer absetzbar.

Arbeitszimmer: Diese Kosten sind steuerlich absetzbar

In diesem Beitrag erfahren Sie alles, was Sie rund um beruflich genutzte Räume wissen müssen, beispielsweise

  • wie Sie Ihr Arbeitszimmer als außerhäuslichen Raum gestalten und so die Kosten unbegrenzt absetzen können,

  • welche Arbeitszimmerkosten Sie während der Elternzeit oder bei Aus- und Fortbildung geltend machen können,

  • welche Kosten neben Abschreibungen, Miete und Reinigungskosten noch abzugsfähig sind,

  • wie und ab wann Sie das Arbeitszimmer in der Steuererklärung geltend machen.

Weitere News zum Thema

  • Abgetrennter Arbeitsbereich ist kein Arbeitszimmer

    [] Ein büromäßig eingerichteter Arbeitsbereich, der durch einen Raumteiler vom Wohnbereich abgetrennt ist, ist kein häusliches Arbeitszimmer. Folge: Es werden keine Werbungskosten oder Betriebsausgaben dafür anerkannt. mehr

  • Arbeitsecke nicht absetzbar

    [] Die Kosten für eine ins Wohnzimmer integrierte Arbeitsecke sind nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar. Das bestätigte der BFH. mehr

  • Geteiltes Arbeitszimmer darf nur einmal abgezogen werden

    [] Wenn Ehegatten gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer für ihre jeweilige betriebliche oder berufliche Tätigkeit nutzen, können sie die Aufwendungen und den Höchstbetrag von 1.250 € jeweils nur zur Hälfte geltend machen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.