Wenn Kollegenstreit auf dem Weg zur Arbeit eskaliert

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Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Kollegen gemeinsam zur Arbeit. Dann gibt es Streit. Und es wird handgreiflich. Klar: Das wird Ihnen so hoffentlich wohl niemals passieren. Doch wenn sich so etwas ereignen sollte: Bei Verletzungsfolgen kann ggf. die Berufsgenossenschaft eintreten. Das entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg am 22.11.2017 (Az. L 1 U 1277/17).

Streiten kann man sich über vieles – unter anderem allem Anschein nach auch über die Frage, ob der Beifahrer wegen der schlechten Luft im Auto gegen den Willen des Fahrers eine Zeit lang das Autofenster öffnen darf. Genau dieser Streit eskalierte im entschiedenen Fall. Schließlich standen sich Fahrer und Beifahrer unversöhnlich gegenüber.

Der Kollege, der vorher auf dem Beifahrersitz gesessen hatte, schlug dabei dem Fahrer mit der Faust ins Gesicht. Als dieser zu Boden ging, versetzte er ihm noch einen Tritt mit einem mit einer Stahlkappe versehenen Schuh gegen den Kopf.

Die Berufsgenossenschaft als gesetzliche Unfallversicherung fand, der Streit sei nicht auf betriebliche, sondern auf persönliche Gründe zurückzuführen – ergo sei sie nicht zuständig. Das sah das baden-württembergische Landessozialgericht anders. Ausschlaggebend für das Urteil war dabei ein kleines Detail: Es kommt nämlich nach Ansicht des Gerichts darauf an, aus welchem Grund der Fahrer aus dem Auto ausgestiegen ist.

Der Beifahrer hatte sich nämlich aus Wut geweigert, die Beifahrertür zu schließen – was den Fahrer zum Aussteigen zwang, um seinen Weg nach Hause fortsetzen zu können.

Das Gericht argumentierte: "Der Kläger wollte nur seinen Heimweg fortsetzen und zu diesem Zweck die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs wiederherstellen, indem er versuchte, auch die letzte Fahrzeugtür auf der Beifahrerseite zu schließen, woran der Täter ihn zu hindern suchte, was schließlich in die von diesem begangene Körperverletzung mündete".

Das bedeutet aber auch: Wäre der Fahrer ausgestiegen, um seinen Kollegen zurechtzuweisen, so hätte das Gericht ihm den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung nicht zugestanden.

Anzumerken ist noch, dass das Urteil nicht rechtskräftig ist. Das Bundessozialgericht wird sich noch mit der Angelegenheit befassen.

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