Umzugskosten als Werbungskosten: So großzügig ist das FG Köln

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Oft ist es gar nicht so einfach, das Finanzamt davon zu überzeugen, dass ein Umzug beruflich bedingt ist. Auch in diesem Fall blieb das Finanzamt hart – aber das Finanzgericht machte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Ein steuerzahler-freundliches Urteil, das uns nicht gefällt.

Der Fall betraf eine beamtete Lehrerin (Studienrätin), die in der Stadt A im städtischen Berufskolleg, D-Straße ... beschäftigt war. (Anmerkung: Normalerweise erspare ich Ihnen Angaben wie D-Straße in A, aber zum besseren Verständnis muss das dieses Mal leider sein.)

Zu Beginn des Streitjahres wohnte die Lehrerin mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Kleinkindern in A im Stadtteil F in der R-Straße ... zur Miete. Den Weg zum Berufskolleg legte sie mit der Straßenbahnlinie... zurück. Der Fußweg von der Wohnung bis zur U-Bahn-Haltestelle F H-Straße betrug rund 500 Meter. Von dort stieg sie in die Linie ..., die laut Fahrplan im Zehn-Minuten-Takt verkehrte und die U-Bahn-Haltstelle W in acht Minuten erreichte. Der weitere Fußweg von dort bis zum Berufskolleg war etwa 400 Meter lang.

Im Oktober des Streitjahres zog die Lehrerin mit ihrem Ehemann und den Kindern in A in den Stadtteil M in die P-Straße ... um, wo die Eheleute eine Eigentumswohnung erworben hatten. Von dort konnte sie das Berufskolleg in weniger als fünf Minuten zu Fuß erreichen. Sie musste hierzu die P-Straße sowie den angrenzenden Schulhof des Gymnasiums P-Straße überqueren und konnte anschließend das Berufskolleg durch eine Tür im rückwärtigen Teil des Gebäudes betreten. Der Fußweg von Tür zu Tür betrug weniger als 100 Meter.

Wir fassen zusammen:

  • Der alte Weg zur Schule bestand aus 500 Meter Fußweg zur U-Bahn, einer achtminütigen Bahnfahrt und nochmals 400 Meter Fußweg. Die Bahn fuhr im 10-Minuten-Takt.

  • Der neue Weg zur Schule bestand aus 100 Meter Fußweg.

Ein ohnehin schon kurzer Weg wurde also noch weiter verkürzt.

Die Lehrerin machte in ihrer Steuererklärung Werbungskosten in Höhe von 3.940 € für den angeblich berufsbedingten Umzug geltend, die das Finanzamt natürlich nicht anerkannte.

  • Argument des Finanzamts: Der Weg verkürzt sich nicht um mindestens eine Stunde.

  • Argument der Lehrerin: Aber ich kann jetzt zu Fuß gehen! Und überhaupt: Die Wegezeitverkürzung von einer Stunde werde sehr wohl erreicht. Sie, die Lehrerin, müsse den Unterricht stets pünktlich um 8:00 Uhr beginnen. Die Linie... fahre aber gerade morgens sehr unzuverlässig. Außerdem müsse sie, die Lehrerin, an mehreren Fußgängerampeln warten. Diese zeitlichen Verzögerungen habe sie einplanen und dementsprechend früher losfahren müssen. An zwei Abenden müsse sie zudem abends ein zweites Mal zu Besprechungen zur Schule kommen. Durch den mitgeführten Lehrerrucksack, in dem sie Bücher, ihren Laptop und Unterrichtsmaterialien transportiere, sei der Fußweg beschwerlich gewesen. Jedenfalls sei die Zeitvorgabe von einer Stunde Wegezeitverkürzung sowieso kein absolutes Kriterium. Es müsse berücksichtigt werden, dass sie, die Lehrerin, die Schule nunmehr binnen weniger Minuten zu Fuß erreichen könne.

Puh. Das klingt nach viel Mit-dem-Fuß-auf-den-Boden-stampfen, aber kann das tatsächlich steuerlich relevant sein?

Es kann. Erstaunlicherweise haben die Richter des FG Köln einen berufsbedingten Umzug angenommen und die Werbungskosten anerkannt.

Zitat aus dem Urteil: Das Gericht hat aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens die Überzeugung gewonnen (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO), dass die Tätigkeit der Klägerin als Lehrerin am städtischen Berufskolleg M der entscheidende Grund für den Umzug war und private Umstände allenfalls eine ganz untergeordnete Rolle spielen.

Klar, der Umzug von einer Mietwohnung in eine Eigentumswohnung ist selten privat begründet... Und wenn besagte Wohnung dann noch näher an der Arbeitsstelle liegt... Und der Weg war vorher ja auch total weit... Warum nicht der Allgemeinheit einen Teil der Kosten aufs Auge drücken?!

Im Urteil wird dann weiter über die Berechnung der Wegezeitverkürzung gesprochen und wie lang der alte Weg zur Schule wohl gedauert hat. Alles ganz nett zu lesen, aber irgendwie macht es die Entscheidung nicht besser (FG Köln vom 24.2.2016, 3 K 3502/13 )(Finanzgericht Köln, 3 K 3502 / 13, 24.2.2016).

Damit wir uns hier nicht falsch verstehen: Ich bin glücklich über jedes Urteil, mit dem Sie (und ich) Steuern sparen können. Ich ärgere mich über schlampig gemachte Gesetze und freue mich über jedes legale Schlupfloch, das der Gesetzgeber (unabsichtlich) offen gelassen hat.

Aber trotz allem muss halt jeder sein Scherflein dazu beitragen, dass der Staat funktioniert – und dazu gehört eben auch das Steuernzahlen. Dabei muss es fair zugehen, und das vermisse ich in diesem Fall.

Die Richter sahen übrigens keinen Anlass dafür, die Revision zuzulassen. Ich hoffe darauf, dass das unterlegene Finanzamt Nichtzulassungsbeschwerde einlegt und bin gespannt auf den Fortgang der Geschichte!

(Maike Backhaus)

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