Mietkosten während des Studiums absetzbar - wenn Papa zahlt?

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Das FG Niedersachsen musste sich mit einer Studentin beschäftigen, deren Vater eine Wohnung für sie angemietet hatte: Kann die Tochter die Kosten für Makler und Miete als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen, obwohl ihr Vater zahlte?

Die Studentin hatte zunächst eine Berufsausbildung als Tierarzthelferin absolviert, bevor sie im Streitjahr (2012) ein Medizinstudium in Frankfurt aufnahm. In ihrer Steuererklärung für 2012 machte sie wegen des Studiums umfangreiche vorweggenommene Werbungskosten geltend, darunter eine Maklerprovision in Höhe von 1.100 € für die Anmietung einer Wohnung in Frankfurt sowie Mietzahlungen für die angemietete Wohnung und eine Garage in Höhe von insgesamt 3.580 €. Die Wohnung in Frankfurt war zum 1.9.2012 angemietet worden, die Garage zum 1.10.2012.

Mietvertrag zwischen Vermieterin und Vater, Darlehensvertrag zwischen Vater und Tochter

Die Studentin war dabei nicht selbst Vertragspartnerin der Mietverträge: Diese bestanden zwischen der Vermieterin der Wohnung und dem Vater der Studentin. Die Rechnung des Immobilienmaklers war ebenfalls an den Vater gerichtet. Im Mietvertrag über die Wohnung war geregelt, dass die Wohnung von der Tochter genutzt wird.

In einer Bescheinigung der Vermieterin an den Vater hieß es: Hiermit bestätigen wir Ihnen, dass wir bei Mietvertragsabschluss von oben genannter Wohnung nur Sie als Vertragspartner akzeptiert haben, da Ihre Tochter zu diesem Zeitpunkt über keinerlei Einkünfte verfügte.

Vor Gericht legte die Studentin neben dieser Bescheinigung auch eine Vereinbarung mit ihrem Vater vor mit dem Inhalt:

  • [Name der Tochter] wird die heute angemietete Wohnung in Frankfurt bewohnen.

  • Die Mietzahlungen werden aufgrund fehlender Einkünfte von [Name der Tochter] von [Name des Vaters] übernommen.

  • [Name der Tochter] schuldet [Name des Vaters] diese Miete. Die Rückzahlung wird gestundet bis [Name der Tochter] ihr Studium abgeschlossen hat und laufende Einkünfte bezieht.

Das Finanzamt erkannte weder die Kosten für den Makler noch die Aufwendungen für die Miete als Werbungskosten an.

Die Argumente der Studentin und des Finanzamtes

Die Studentin erklärte, sie sei wirtschaftlich selbst mit den Mietzahlungen belastet. Im Rechtssinne habe sie die Mietaufwendungen selbst getragen, da sie aufgrund der mit ihrem Vater getroffenen Vereinbarung verpflichtet sei, im Innenverhältnis die Aufwendungen zu tragen und ihrem Vater nach dem Eintritt ins Berufsleben in Raten zurückzuzahlen. Die Vereinbarung mit ihrem Vater sei wie ein Darlehensvertrag zu behandeln. Die darlehensweise zur Verfügung gestellten Mittel seien bereits mit den Mietzahlungen verausgabt und deshalb zu dem Zeitpunkt als Werbungskosten zu berücksichtigen.

Das Finanzamt hielt dagegen: Die Kosten sind nicht als Werbungskosten zu berücksichtigen, da es sich um einen echten Drittaufwand handle. Als Werbungskosten seien aber nur eigene Aufwendungen des Steuerpflichtigen abziehbar, die bei diesem nach dem so genannten Nettoprinzip zu einer wirtschaftlichen Belastung geführt hätten. Abziehbar seien auch Aufwendungen, die der Steuerpflichtige aus Mitteln bestreite, die ihm schenkweise oder in Erfüllung der gesetzlichen Unterhaltspflicht von dritter Seite zugewendet worden seien. Auch Zahlungen Dritter könnten im Falle der so genannten Abkürzung des Zahlungswegs als Aufwendungen des Steuerpflichtigen zu werten sein. Dabei handele es sich um die Zuwendung eines Geldbetrages an den Steuerpflichtigen in der Weise, dass der Dritte im Einvernehmen mit dem Steuerpflichtigen dessen Schuld tilge, statt ihm den Geldbetrag unmittelbar zu geben. Dies sei der Fall, wenn der Dritte für Rechnung des Steuerpflichtigen unmittelbar an dessen Gläubiger leiste.

Problem: Wer den Mietvertrag unterschreibt, schuldet die Miete

Bis auf einen Punkt teilten die Richter die Auffassung des Finanzamts:

  • Die Mietkosten sind nicht abziehbar, da hier ein echter Drittaufwand vorliegt. Insoweit teilte das FG Niedersachsen die Einschätzung des Finanzamtes.

  • Die Maklerkosten sind als Werbungskosten anzuerkennen, da die Maklerprovision durch das Studium der Tochter veranlasst ist. Die Anmietung einer Wohnung war für sie erforderlich, um das Studium in Frankfurt aufnehmen zu können. Von ihrem bisherigen Wohnort aus hätte sie das Studium, das kein Fernstudium war, nicht bestreiten können. Bei den vom Vater getragenen Maklerkosten, erklärten die Richter, handle es sich um eigenen Aufwand der Tochter, der vom ihrem Vater aufgrund eines abgekürzten Vertragsweges geleistet wurde. Dass der Vater die Maklerkosten als Vertragspartner des vermittelten Mietvertrages als eigene Schuld leistete, stehe dem nicht entgegen. Hierbei handle es sich um einen abgekürzten Vertragsweg, da der Vater die Wohnung tatsächlich für die Tochter zur Aufnahme des Studiums angemietet hatte. Der Abschluss des Maklervertrages diene dazu, die Wohnung anmieten zu können. Er und die darauf beruhende Zahlung der Maklerprovision seien im Interesse der Tochter und ihres Studiums erfolgt.

(Niedersächsisches FG vom 25.2.2016, 1 K 169/15 )

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