Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit bei Nettolohnvereinbarung

 - 

Vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen gleich bleibenden Nettolohn, der unabhängig von der tatsächlichen Arbeitszeit gezahlt wird, sind Zuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit nicht steuerfrei.

Der Betreiber eines Autohofs beschäftigte mehrere Mitarbeiter in wechselnden Schichten. Gearbeitet wurde rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche. Die Arbeitnehmer erhielten stets gleich bleibende Nettolöhne, auf die Arbeitszeit kam es nicht an. So sollten Lohnschwankungen ausgeglichen werden, die sonst aufgrund unterschiedlicher Arbeitszeitplanung entstanden wären.

Die Löhne an Sonntagen, Feiertagen und für die Nachtschichten berechnete der Autohof-Betreiber so, dass nur er von den Zuschlägen für die Tätigkeit in diesen Zeiten profitierte: Der Grundlohn für die Berechnung der Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeitszuschläge wurde hochgerechnet auf den Bruttolohn, der nach Abzug der steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Abzüge den vereinbarten Nettolohn ergab. Der Arbeitgeber unterwarf die auf die Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit entfallenden Lohnbestandteile nicht dem Steuerabzug.

Dieser Vorgehensweise schob das FG Baden-Württemberg einen Riegel vor: Die Vereinbarung eines Nettolohns, urteilten die Richter, widerspricht dem Zweck der Steuerbefreiung von Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeitszuschlägen. Denn damit sollen die durch Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit belasteten Arbeitnehmer steuerlich entlastet werden und ein höheres Nettoeinkommen erhalten.

Bei einem gleich bleibenden Nettoeinkommen ohne Rücksicht auf die Arbeitszeit kommt jedoch nicht der Arbeitnehmer in den Genuss der Steuerbefreiung, sondern der Arbeitgeber. Je mehr Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit geleistet wird, desto geringer sind seine Lohnkosten.

Folge: Bei Fällen wie diesem sind die Zuschläge nicht steuerfrei (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 21.9.2009, Az. 9 K 260/06; Az. der Revision beim BFH: VI R 50/09).

Weitere News zum Thema

  • Fahrtenbuch: Ordnung muss sein!

    [] Dass ein Fahrtenbuch steuerlich nur dann anerkannt wird, wenn es fortlaufend und zeitnah geführt wird, ist scheinbar noch immer nicht jedem bekannt. Anders lässt sich der folgende Fall kaum erklären. mehr

  • Sachbezugswerte für 2018

    [] Die Sachbezugswerte für freie Verpflegung und freie Unterkunft werden jedes Jahr an die Entwicklung der Verbraucherpreise angepasst. Jetzt wurden die Werte für 2018 beschlossen. mehr

  • Neues BMF-Schreiben zu Auslandsdienstreisen

    [] Ein aktuelles Schreiben des Bundesfinanzministeriums beschäftigt sich mit der steuerlichen Behandlung von Reisekosten und Reisekostenvergütungen bei betrieblich und beruflich veranlassten Auslandsreisen ab dem 1.1.2018. mehr

  • Haben Sie mehrere Minijobs? Das müssen Sie wissen

    [] Über 3 Millionen Menschen haben mehr als einen Job. Das geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hervor. Wir geben Ihnen einen ersten kurzen Überblick zur steuerlichen Behandlung. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.