Wenn am Betriebsausflug weniger Arbeitnehmer teilnehmen als geplant

 - 

Übersteigen bei einem Betriebsausflug die Kosten je Teilnehmer die Steuerfreigrenze von 110 Euro, so muss der Arbeitgeber seine Ausgaben insgesamt als Arbeitslohn versteuern. Doch was geht in die Berechnung ein: die Zahl der angemeldeten oder die der tatsächlichen Teilnehmer?

An einem Betriebsfest nahmen weit weniger Arbeitnehmer teil, als sich angemeldet hatten. Dadurch erhöhten sich entgegen der Planung die Durchschnittskosten je Teilnehmer beträchtlich und überstiegen die 110-Euro-Grenze. Der Arbeitgeber sollte daher Lohnsteuer nachzahlen. Das Finanzgericht schloss sich jedoch den Argumenten des Arbeitgebers an und ging nicht von steuerpflichtigem Arbeitslohn aus (FG Düsseldorf, Urteil vom 17.1.2011, Az. 11 K 908/10):

Schließlich hätten die teilnehmenden Arbeitnehmer nichts davon, wenn insgesamt zu viele Speisen und Getränke, zu viel Service-Personal, ein zu großes Zelt und zu viele Toiletten bereitgestellt worden seien. Die aufgrund der geplanten Teilnehmer entstandenen Kosten dürften deshalb nicht auf die tatsächlichen Teilnehmer umgelegt werden. Sie müssten vielmehr auf die Zahl der angemeldeten Teilnehmer verteilt werden. Und nach diesem Berechnungsverfahren lagen die Kosten je Teilnehmer unter der kritischen Grenze von 110 Euro. Der Fall ist nun beim Bundesfinanzhof anhängig (Az. des BFH: VI R 7/11).

Müssen Reisekosten bei der Berechnung einbezogen werden?

In einem weiteren anhängigen Verfahren muss der BFH entscheiden, ob die Auffassung der Finanzverwaltung zutreffend ist, nach der Reisekosten zum äußeren Rahmen einer Betriebsveranstaltung gehören. Denn dann zählen sie zu den in die Ermittlung des geldwerten Vorteils einzubeziehenden Gesamtkosten und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Freigrenze von 110 Euro überschritten wird. Außerdem geht es um die Frage, ob die seit 1993 unveränderte Freigrenze an die wirtschaftliche Entwicklung angepasst, also erhöht werden müsste (Az des BFH: VI R 93/10).

Weitere News zum Thema

  • BahnCard vom Arbeitgeber versteuern?

    [] Wann bedeutet eine BahnCard, die ein Angestellter von seinem Arbeitgeber auch für den privaten Gebrauch zur Verfügung gestellt bekommt, einen geldwerten Vorteil – der natürlich versteuert werden muss? Die OFD Frankfurt weiß es. mehr

  • Bei der Entsendung ins Ausland kann der Chef den Steuerberater übernehmen

    [] Werden von einem Unternehmer häufig Mitarbeiter ins Ausland entsandt und vereinbart er mit ihnen einen Nettoverdienst und trägt für sie die Steuerberatungskosten, so handelt es sich dabei um einen Vorteil der Arbeitnehmer. Der wird allerdings überlagert durch das Interesse des Arbeitgebers. mehr

  • Optionsrecht: Wann fließt der geldwerte Vorteil zu?

    [] Einem Arbeitnehmer wird im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses ein nicht handelbares Optionsrecht auf den späteren Erwerb von Aktien zu einem bestimmten Übernahmepreis gewährt. Wann fließt hier der geldwerte Vorteil zu? Die Antwort gibt das FG München. mehr

  • Voraussichtliche Sachbezugswerte für 2018

    [] Die Sachbezugswerte für freie Verpflegung und freie Unterkunft werden jedes Jahr an die Entwicklung der Verbraucherpreise angepasst. Jetzt wurden die voraussichtlichen Werte für 2018 bekannt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.