Warengutscheine: Zwei Revisionen beim BFH anhängig

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Um die Freigrenze für Sachbezüge in Höhe von 44 Euro monatlich nutzen zu können, geben manche Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern Warengutscheine. Sie müssen sich dabei aber streng an die formalen Vorgaben der Finanzverwaltung halten.

Andernfalls wird der Gutschein als steuerpflichtiger Barlohn angesehen. (R 8.1 Abs. 1 Satz 7 LStR 2008). Betriebsprüfer schauen hier gerne mal genauer hin. Zurzeit sind zwei Verfahren am BFH anhängig, in denen es um folgende Fragen geht:

Fall 1: Kundenkarte des Arbeitgebers als Warengutschein?

Ein Arbeitgeber hinterlegt in einem bestimmten Geschäft eine Kundenkarte. Seine Arbeitnehmer dürfen jeden Monat bis 44 Euro auf die Kundenkarte einkaufen. Das Finanzamt erkennt hier keinen Sachbezug an. Begründung: In diesem Fall kommt ein Vertrag zwischen Arbeitnehmer und dem Geschäft zustande. Die Erstattung durch den Arbeitgeber stellt steuerpflichtigen Barlohn dar. Bei einer Sachzuwendung muss jedoch ein Vertrag zwischen dem Arbeitgeber und dem Geschäft vorliegen (Niedersächsisches FG, Urteil vom 20.9.2007, Az. 11 K 64/07; Az. der Revision: VI R 26/08).

Steuertipp
Bei der hier vorliegenden Konstellation ist von Anfang an vereinbart, dass der Arbeitgeber für die Kosten aufkommt. Daher handelt es sich u.E. um einen Sachbezug. Wenn auch Ihr Finanzamt diese Gestaltung nicht anerkennen will, legen Sie Einspruch ein und verweisen Sie auf das anhängige Verfahren.

Fall 2: (Bar-)Geldgutschein : Barlohn oder Sachbezug?

Anlässlich seines Geburtstags erhielt ein Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber einen Gutschein im Wert von 20 Euro für ein bestimmtes Geschäft. Er darf dort aus dem Sortiment frei wählen. Den damit verbundenen geldwerten Vorteil stufte das Finanzamt als steuer- und sozialversicherungspflichtigen Barlohn ein. Das FG München gab ihm Recht: Es liegt kein Sachbezug vor, da der Gutschein nur einen Betrag enthielt, nicht aber Art und Menge der Ware. Der Gutschein konnte also wie Bargeld zum Kauf eines beliebigen Produkts verwendet werden und war daher, urteilten die Richter, Ersatzmittel für Geld. Damit handelt es sich nicht um einen Sachbezug, sondern um Barlohn (FG München, Urteil vom 3.3.2009, Az. 8 K 3213/07; Az. der Rev. VI R 21/09).

Darauf müssen Sie achten

  • Auf dem Gutschein müssen Menge und Art der Ware ganz genau bezeichnet sein.
  • Auf dem Gutschein dürfen kein Euro-Betrag und auch keine Betragsobergrenze angegeben sein.
  • Auf dem Gutschein sollte der Zeitpunkt der Übergabe an den Arbeitnehmer vermerkt sein.
  • Die Freigrenze von 44 Euro gilt für jeden einzelnen Monat und darf nicht kumuliert werden. Allerdings darf der Arbeitnehmer seine Gutscheine mehrere Monate sammeln und dann einlösen.

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