Unfall bei Motivationsveranstaltung: Unfallversicherung zahlt nicht!

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Während einer betrieblichen Veranstaltung wurde eine anspruchsvolle Wanderung angeboten. Einige der Teilnehmer verletzten sich, eine Verletzte forderte eine Entschädigung. Die Gesetzliche Unfallversicherung muss nicht zahlen, sagt das LSG Hessen.

Der Fall: Eine Abteilungsleiterin hatte ihre Mitarbeiter zum Dank für die erfolgreiche Arbeit zu einer betrieblichen Motivationsveranstaltung eingeladen. Es wurden verschiedene Fachvorträge gehalten, daneben konnten die Teilnehmer die Wellness-Einrichtungen des Hotels nutzen oder an einer ca. dreistündigen Canyoning-Tour teilnehmen. Im Rahmen dieser Tour wurde gemeinsam eine Schlucht durchquert. Dabei mussten sich die Teilnehmer abseilen, klettern, springen, rutschen, schwimmen und tauchen. Mehrere Mitarbeiter verletzten sich bei diesen ungewohnten Anstrengungen, unter anderem auch die Abteilungsleiterin selbst. Sie beantragte eine Entschädigung, die aber von der zuständigen Berufsgenossenschaft abgelehnt wurde.

Die Richter gaben jetzt der Berufsgenossenschaft Recht. Begründung: Die Teilnahme an einer Freizeit- und Erholungsveranstaltung ist nicht bereits deshalb unfallversichert, weil sie vom Unternehmen organisiert und finanziert wird. Die Unfallversicherung ist vielmehr nur dann zuständig, wenn mit der Veranstaltung die Verbundenheit zwischen Unternehmensleitung und Beschäftigten sowie der Beschäftigten untereinander gefördert wird. Dafür muss es aber allen Beschäftigten möglich sein, an der Veranstaltung teilzunehmen. Das war hier nicht der Fall, da die Canyoning-Tour hohe Anforderungen an die körperliche Fitness stellte. Es handelt sich also weder um Betriebssport noch um eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung.

Folge: Der Gemeinschaftszweck konnte mit der Tour nicht erreicht werden. Es handelt sich also nicht um eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung, die unter Versicherungsschutz steht. Auf die Entschädigung von der Gesetzlichen Unfallversicherung muss die Abteilungsleiterin daher verzichten. Die Kosten für die erforderlichen Heilbehandlungen der verletzten Teilnehmer übernimmt die Krankenkasse (Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 30.6.2009, Az. L 3 U 249/08).

Hintergrund: Was ist der Vorteil, wenn die Unfallversicherung zahlt?

  • Die Unfallversicherung zahlt eine bessere Arztbehandlung (fast wie bei Privatpatienten).
  • Die Unfallversicherung zahlt bei dauerhafter Schädigung (mehr als ein halbes Jahr) eine Rente.

Mehr zu den Leistungen der Gesetzlichen Unfallversicherung

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