Per Firmenwagen zur Arbeit: Seltener fahren - weniger Steuern zahlen?

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Auch wenn Sie nur einmal wöchentlich mit dem Firmenwagen zu Ihrer regelmäßigen Arbeitsstätte fahren: Sie müssen nach der Pauschalmethode so viel versteuern, als wenn Sie jeden Arbeitstag in den Betrieb fahren würden. Das Finanzamt ist da rigoros. Der BFH sieht das erfreulicherweise anders.

Fahren Sie mindestens einmal wöchentlich mit dem Firmenwagen in den Betrieb, haben Sie dort eine regelmäßige Arbeitsstätte. Führen Sie kein Fahrtenbuch, wird’s dann richtig teuer: Nach der Pauschalmethode versteuert das Finanzamt zusätzlich zur 1%-Regelung für Privatfahrten jeden Monat 0,03% des Listenpreises pro Entfernungskilometer. Beträgt zum Beispiel die Entfernung von der Wohnung zum Betrieb 50 km und der Listenpreis Ihres Wagens 30.000 Euro, ergibt das im Jahr als steuerpflichtigen Nutzungswert: 0,03% von 30.000 Euro x 50 km x 12 Monate = 5.400 Euro. Dabei ist es dem Finanzamt egal, ob Sie im Jahr 230 Fahrten oder nur 50 Fahrten in den Betrieb unternehmen. Versteuern müssen Sie immer das Gleiche.

Dem Bundesfinanzhof geht das erfreulicherweise zu weit. Er hat aktuell zu Ihren Gunsten entschieden: Auch bei der Pauschalmethode kommt es darauf an, ob und in welchem Umfang der Firmenwagen tatsächlich für den Weg zur regelmäßigen Arbeitsstätte genutzt wird. Deshalb sind in bestimmten Fällen nur die tatsächlichen Fahrten zu versteuern - und zwar jeweils nur mit 0,002% des Listenpreises pro Entfernungskilometer (BFH-Urteil vom 4. 4. 2008, VI R 85/04). Bei 50 Fahrten im Jahr sind im obigen Beispiel also nur 1.500 Euro (0,002% von 30.000 x 50 km x 50 Fahrten) im Jahr zu versteuern. Ein gewaltiger Unterschied.

Steuertipp
Als Betroffener sollten Sie unter Hinweis auf das Urteil Einspruch gegen noch nicht bestandskräftige Steuerbescheide einlegen. Wer seine Steuererklärung erst noch anfertigt: Korrigieren Sie in der Anlage N den Bruttoarbeitslohn entsprechend den unter Werbungskosten (Entfernungspauschale) angegebenen, tatsächlichen Fahrten. Erläutern Sie auf einem Zusatzblatt Ihre Kürzung. Fügen Sie zudem eine Bescheinigung des Arbeitgebers bei, aus der hervorgeht, wie viel bislang nach der 0,03%-Methode versteuert wurde.

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