Geldwerter Vorteil aus Arbeitgeber-Darlehen: Berechnung

 - 

Erhalten Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber ein zinsloses oder zinsgünstiges Darlehen, führt dies zu einem für den Arbeitnehmer steuerpflichtigen geldwerten Vorteil in Höhe der Zinsvergünstigung. Lesen Sie hier, was Sie alles zur Berechnung wissen müssen!

Früher hat die Finanzverwaltung den geldwerten Vorteil pauschal anhand eines Vergleichszinssatzes von 5% berechnet, der sich aus den Lohnsteuerrichtlinien ergab und nichts mit dem tatsächlichen Marktzinssatz für vergleichbare Darlehen zu tun hatte. Das führte zur Besteuerung eines nicht existierenden geldwerten Vorteils beim Arbeitnehmer, wenn der Arbeitgeber für das Darlehen einen marktüblichen Zinssatz von unter 5% verlangte.

Dieser Praxis hat der BFH mittlerweile einen Riegel vorgeschoben und entschieden, dass ein geldwerter Vorteil nur entsteht, wenn der Darlehenszinssatz unter dem marktüblichen Zinssatz liegt (BFH-Urteil vom 4.5.2006, VI R 28/06, BStBl. 2006 II S. 781). Die Finanzverwaltung berechnet deswegen nun den geldwerten Vorteil in allen noch offenen Fällen anhand des marktüblichen Effektivzinssatzes (BMF-Schreiben vom 13.6.2007, BStBl. 2007 I S. 502). Maßgeblich für die gesamte Laufzeit des Darlehens ist jetzt der Marktzinssatz bei Vertragsabschluss, außer bei Vereinbarung eines variablen Darlehenszinssatzes.

Der steuerpflichtige Zinsvorteil bemisst sich nach dem Unterschied zwischen marktüblichem Zinssatz und dem vom Arbeitnehmer zu zahlenden niedrigeren Effektivzinssatz, berechnet auf Basis des Restdarlehens.

Steuertipp

Den marktüblichen Zinssatz können Sie bei Ihrer Bank erfragen. Aus Vereinfachungsgründen kann man auch auf die Zinsstatistiken der Deutschen Bundesbank unter www.bundesbank.de zurückgreifen, die einen Überblick über die aktuellen Marktzinssätze bieten.

Ratschlag für Arbeitgeber: Drucken Sie sich die betreffende Statistik aus, um später ggf. dem Finanzamt nachweisen zu können, dass Sie den Marktzinssatz bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils angesetzt haben.

Weitere News zum Thema

  • Wenn das Finanzamt ehrliche Angaben von Arbeitnehmern ignoriert...

    [] Ein Finanzamt übernahm die elektronisch übermittelten Lohndaten eines Arbeitnehmers, der aber einen anderen Arbeitslohn in seiner Steuererklärung erklärt hatte. Wenn das dem Finanzamt später irgendwann auffällt, ist es zu spät: Ändern nicht mehr möglich, sagt der BFH. mehr

  • Wenn Kollegenstreit auf dem Weg zur Arbeit eskaliert

    [] Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Kollegen gemeinsam zur Arbeit. Dann gibt es Streit. Und es wird handgreiflich. Klar: Das wird Ihnen so hoffentlich wohl niemals passieren. Doch wenn sich so etwas ereignen sollte: Bei Verletzungsfolgen kann ggf. die Berufsgenossenschaft eintreten. Das entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg am 22.11.2017 (Az. L 1 U 1277/17). mehr

  • Besteuerung von Aufstockungsbeträgen zum Transferkurzarbeitergeld

    [] Erhält ein Arbeitnehmer von einer Transfergesellschaft, in der er nach Beendigung seines bisherigen Arbeitsverhältnisses übergangsweise beschäftigungslos angestellt ist, Aufstockungsbeträge zum Transferkurzarbeitergeld, unterliegen diese Beträge dem ermäßigten Steuertarif. mehr

  • Wenn der Arbeitgeber Zuschläge falsch einordnet

    [] Bekommen Sie Zuschläge für Sonntagsarbeit, Feiertagsarbeit oder Nachtarbeit? Dann sollten Sie wissen, dass deren Steuerfreiheit nicht von der entsprechenden Einordnung des Arbeitgebers abhängig ist! mehr

  • Fahrtenbuch: Ordnung muss sein!

    [] Dass ein Fahrtenbuch steuerlich nur dann anerkannt wird, wenn es fortlaufend und zeitnah geführt wird, ist scheinbar noch immer nicht jedem bekannt. Anders lässt sich der folgende Fall kaum erklären. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.