Freigrenze für Betriebsveranstaltungen gilt auch für Firmenjubiläen

 - 

Auch bei Firmenjubiläen und in großen Unternehmen gilt für Betriebsveranstaltungen die Freigrenze von 110 Euro, stellte das FG Düsseldorf klar.

In gleich drei Fällen mussten die Richter entscheiden, ob Aufwendungen anlässlich eines Firmenjubiläums versteuert werden mussten, weil die 110 Euro-Grenze überschritten wurde. Das Urteil: Auch für große Firmen und große Jubiläen gibt es keine Ausnahme (FG Düsseldorf, Urteilen vom 7.10.2010, Az. 16 K 1295/09, 16 K 1297/09 und 16 K 1298/09).

Der Fall: Eine Aktiengesellschaft feierte ein Firmenjubiläum, an der Arbeitnehmer der AG sowie der Tochtergesellschaften teilnahmen. In einem abgegrenzten Teil der Veranstaltung fand ein "VIP-Event" statt, zu dem Gäste aus Wirtschaft, Politik und Presse geladen waren. Bei einer Lohnsteuer-Außenprüfung kam es später zum Streit darüber, ob die Freigrenze von 110 Euro überschritten worden sei. Sollte die Grenze hier überhaupt gelten?

Nach Auffassung des FG Düsseldorf ist die Freigrenze ungeachtet des besonderen Anlasses der Betriebsveranstaltung (Geschäftsjubiläum) und der Größe sowie der Bedeutung der Firmengruppe maßgebend. Eine Feier zum Firmenjubiläum sei eine übliche Veranstaltung. Eine Berechnung durch den Gerichtsprüfer habe ergeben, dass die Kosten pro Person über der Grenze von 110 Euro gelegen hätten, zumal auch die Reisekosten in die Berechnung der Freigrenze einzubeziehen seien. Daher unterlägen die Zuwendungen der (pauschalen) Lohnsteuer.

Bei Überschreitung der Freigrenze kommt es zur Besteuerung des gesamten Betrages. Das heißt, wird die jeweilige Freigrenze auch nur um einen Cent überschritten, unterliegt der gesamte Betrag der Besteuerung und nicht nur der überschießende Teilbetrag. Anders liegt der Sachverhalt bei Freibeträgen, hier muss nur der den Freibetrag übersteigende Betrag versteuert werden.

Hintergrund: Wann bleibt eine Betriebsveranstaltung lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei?

  • Die Teilnahme steht allen Arbeitnehmern offen;
  • pro Jahr finden nur zwei Betriebsveranstaltungen statt;
  • die einzelne Betriebsveranstaltung darf pro Arbeitnehmer höchstens 110 Euro brutto kosten (Freigrenze).

Die Dauer der Betriebsveranstaltung spielt keine Rolle. Es sind also auch mehrtägige Betriebsveranstaltungen begünstigt. Allerdings wird es bei einer zweitägigen Betriebsveranstaltung ganz schön schwierig, die vorgegebene Höchstgrenze von 110 Euro je Arbeitnehmer nicht zu übersteigen.

Nach Ansicht der Finanzverwaltung sind nur zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr üblich und deshalb lohnsteuerfrei. Weitere Veranstaltungen sind also lohnsteuerpflichtig.

Weitere News zum Thema

  • BahnCard vom Arbeitgeber versteuern?

    [] Wann bedeutet eine BahnCard, die ein Angestellter von seinem Arbeitgeber auch für den privaten Gebrauch zur Verfügung gestellt bekommt, einen geldwerten Vorteil – der natürlich versteuert werden muss? Die OFD Frankfurt weiß es. mehr

  • Bei der Entsendung ins Ausland kann der Chef den Steuerberater übernehmen

    [] Werden von einem Unternehmer häufig Mitarbeiter ins Ausland entsandt und vereinbart er mit ihnen einen Nettoverdienst und trägt für sie die Steuerberatungskosten, so handelt es sich dabei um einen Vorteil der Arbeitnehmer. Der wird allerdings überlagert durch das Interesse des Arbeitgebers. mehr

  • Optionsrecht: Wann fließt der geldwerte Vorteil zu?

    [] Einem Arbeitnehmer wird im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses ein nicht handelbares Optionsrecht auf den späteren Erwerb von Aktien zu einem bestimmten Übernahmepreis gewährt. Wann fließt hier der geldwerte Vorteil zu? Die Antwort gibt das FG München. mehr

  • Voraussichtliche Sachbezugswerte für 2018

    [] Die Sachbezugswerte für freie Verpflegung und freie Unterkunft werden jedes Jahr an die Entwicklung der Verbraucherpreise angepasst. Jetzt wurden die voraussichtlichen Werte für 2018 bekannt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.