Firmenwagen: Fiskus kippt BFH-Rabatt für seltene Fahrt zur Firma

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Wer per Firmenwagen nur einmal pro Woche zwischen Wohnung und Arbeitsstätte unterwegs ist, konnte sich leider nur kurz freuen. Die Finanzverwaltung hat der vom BFH beschlossenen Kürzung des Zuschlags zum geldwerten Vorteil einen Riegel vorgeschoben. Lassen Sie sich das gefallen, wird es für Sie wieder teurer.

Nutzen Sie einen Firmenwagen für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitstätte, dann müssen Sie dafür einen zusätzlichen geldwerten Vorteil ansetzen. Neben dem einen Prozent vom Bruttolistenpreis kommt noch einmal ein monatlicher Zuschlag von 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer oben drauf.

Profitieren konnten Sie aber von einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs. Nach der sollte in diesen Fällen nämlich eine Einzelbewertung der Fahrten greifen. 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer pro Fahrt wären das. Und von vier Fahrten im Monat müsste man ausgehen, so der BFH (Urteil vom 4.4.2008, Az. VI R 85/04).

Nein, sagt die Finanzverwaltung. Es bleibt für alle beim pauschalen Zuschlag (BMF-Schreiben vom 23.10.2008, IV C 5 – S 2334/08/10010).

Wollen Sie sich das gefallen lassen?

Das sollten Sie nicht tun. Es könnte Sie nämlich richtig Geld kosten.

Beispiel

Sie haben für Ihre berufliche Auswärtstätigkeit einen Firmenwagen auch zur Privatnutzung zur Verfügung. Der Bruttolistenpreis: 30.000 Euro. Sie sind allerdings sehr viel unterwegs und fahren nur einmal pro Woche in die Firma, um neue Aufträge abzuholen. Die Entfernung zwischen Ihrer Wohnung und der Firma beträgt 45 Kilometer. Sie versteuern Ihre Privatnutzung nach der 1-Prozent-Methode.

Weil Sie regelmäßig in die Firma fahren, haben Sie dort eine "regelmäßige Arbeitsstätte". Das heißt: geldwerter Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb. Also kommt auf das eine Prozent noch was oben drauf.

So rechnet sich der geldwerte Vorteil im Monat, wenn es nach dem Finanzamt geht:

Private Fahrten: 1% von 30.000 Euro = 300 Euro
Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte: 0,03% x 30.000 Euro x 45 km = 405 Euro
Steuerpflichtiger geldwerter Vorteil: = 705 Euro

So rechnet sich der geldwerte Vorteil im Monat, wenn es nach dem BFH geht:

Private Fahrten: 1% von 30.000 Euro = 300 Euro
Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte: 4 Fahrten x 0,002% x 30.000 Euro x 45 km = 108 Euro
Steuerpflichtiger geldwerter Vorteil: = 408 Euro

Nach Auffassung der Finanzverwaltung müssten Sie in diesem Beispiel im Jahr also satte 3.564 Euro (297 Euro Differenz x 12) geldwerten Vorteil mehr versteuern. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent wären das immerhin 891 Euro mehr Steuern. Da lohnt es sich sicherlich einmal genauer hinzuschauen und zu rechnen.

Was können Sie tun?

Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid einlegen. Beim BFH ist ein weiteres Verfahren anhängig zur Kürzung der Monatspauschale von 0,03 Prozent, wenn der Firmenwagen nur zeitweise zur Verfügung steht (Aktenzeichen beim BFH VI R 52/07). Berufen Sie sich auf dieses Verfahren und beantragen Sie das Ruhen Ihres Verfahrens nach §363 Abs. 2 AO.

 

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