Ende einer Dienstfahrt: Wenn der Arbeitgeber auf Schadensersatz verzichtet

 - 

Ein Glas Wein zuviel, schon war es passiert: Ein Unfall mit dem Dienstwagen. Mit Totalschaden. Auf einer betrieblichen Fahrt. Doch das dicke Ende kam erst bei der Betriebsprüfung.

Nach dem Unfall zeigte sich der Arbeitgeber großzügig und verzichtete auf Schadensersatz. Das erfuhr das Finanzamt jedoch erst später während einer Betriebsprüfung. Konsequenz: Der Steuerbescheid des Fahrers wurde geändert und die Einkünfte um die Differenz zwischen dem Zeitwert des Pkw und dem Verkaufserlös erhöht. Denn so hoch wäre der Schadensersatz gewesen, den der Fahrer seinem Arbeitgeber hätte zahlen müssen.

Der Fahrer wehrte sich gegen die Behandlung des Verzichts auf die Schadensersatzforderung als zusätzlicher Arbeitslohn. Damit hatte er jedoch aus zwei Gründen keinen Erfolg:

  1. Unfallkosten sind durch die 1%-Regelung nicht abgegolten.
  2. Der Erlass einer Schadensersatzforderung führt zu einer Steuererhöhung, wenn die (hypothetische) Zahlung des Schadensersatzes nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden darf. Das ist hier der Fall, denn der Unfall war auf die alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit zurückzuführen.

Hätte der Fahrer dagegen in nüchternem Zustand „nur“ grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich gegen die Verkehrsvorschriften verstoßen, wäre einer Abzugsfähigkeit als Werbungskosten nichts im Weg gestanden. Mit der Folge, dass bei einem Verzicht auf den Schadensersatz auch kein zusätzlicher Arbeitslohn entstanden wäre (BFH, Urteil vom 24.5.2007, Az. VI R 73/05).

Weitere News zum Thema

  • Wenn das Finanzamt ehrliche Angaben von Arbeitnehmern ignoriert...

    [] Ein Finanzamt übernahm die elektronisch übermittelten Lohndaten eines Arbeitnehmers, der aber einen anderen Arbeitslohn in seiner Steuererklärung erklärt hatte. Wenn das dem Finanzamt später irgendwann auffällt, ist es zu spät: Ändern nicht mehr möglich, sagt der BFH. mehr

  • Wenn Kollegenstreit auf dem Weg zur Arbeit eskaliert

    [] Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Kollegen gemeinsam zur Arbeit. Dann gibt es Streit. Und es wird handgreiflich. Klar: Das wird Ihnen so hoffentlich wohl niemals passieren. Doch wenn sich so etwas ereignen sollte: Bei Verletzungsfolgen kann ggf. die Berufsgenossenschaft eintreten. Das entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg am 22.11.2017 (Az. L 1 U 1277/17). mehr

  • Besteuerung von Aufstockungsbeträgen zum Transferkurzarbeitergeld

    [] Erhält ein Arbeitnehmer von einer Transfergesellschaft, in der er nach Beendigung seines bisherigen Arbeitsverhältnisses übergangsweise beschäftigungslos angestellt ist, Aufstockungsbeträge zum Transferkurzarbeitergeld, unterliegen diese Beträge dem ermäßigten Steuertarif. mehr

  • Wenn der Arbeitgeber Zuschläge falsch einordnet

    [] Bekommen Sie Zuschläge für Sonntagsarbeit, Feiertagsarbeit oder Nachtarbeit? Dann sollten Sie wissen, dass deren Steuerfreiheit nicht von der entsprechenden Einordnung des Arbeitgebers abhängig ist! mehr

  • Fahrtenbuch: Ordnung muss sein!

    [] Dass ein Fahrtenbuch steuerlich nur dann anerkannt wird, wenn es fortlaufend und zeitnah geführt wird, ist scheinbar noch immer nicht jedem bekannt. Anders lässt sich der folgende Fall kaum erklären. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.