Das Runde muss in das Eckige: Fußball-WM, VIP-Logen und Steuern

Das Runde muss in das Eckige: Fußball-WM, VIP-Logen und Steuern

 - 

Viele Unternehmer verteilen als Werbegeschenke an Kunden und Geschäftspartner WM-Tickets plus Hotelübernachtung usw. Auch verdiente Mitarbeiter werden mit solchen Incentives belohnt. Große Firmen laden sogar in die eigene VIP-Loge im Stadion ein. Doch diese Imagekampagnen können viel Ärger verursachen und damit mehr Schaden als Nutzen. Denn solche Zuwendungen zählen im Steuerrecht als »geldwerter Vorteil« - und der muss beim Empfänger versteuert werden.

Auf Drängen der Wirtschaftsverbände haben die Finanzminister ungewöhnlich schnell eine pragmatische Regelung für VIP-Logen beschlossen (BMF-Schreiben vom 22.8.2005, DStR 2005 S. 1492):

  • 40% der Gesamtkosten gelten als Werbung und sind damit voll als Betriebsausgabe abziehbar.
  • 30% der Kosten gelten als Bewirtung und sind somit zu 70% als Betriebsausgabe abziehbar; den Vorsteuerabzug gibt es aus 100 %.
  • 30% der Kosten gelten als Geschenk, wobei man davon ausgeht, dass die Hälfte davon auf Geschäftsfreunde und die Hälfte auf eigene Arbeitnehmer entfällt. Die Geschenke an Geschäftsfreunde, etwa andere Unternehmer und deren Arbeitnehmer, übersteigen die Freigrenze von € 35,- pro Empfänger und Jahr und sind deshalb nicht als Betriebsausgabe abziehbar. Wenn der Sponsor 60% dieser Kosten selbst besteuert, verzichtet das Finanzamt auf die Namen der Empfänger und es wird dann auch kein geldwerter Vorteil bei diesen erfasst.

Soweit es um Geschenke an eigene Arbeitnehmer geht, sind diese in voller Höhe als Betriebsausgabe abziehbar. Der Unternehmer darf diesen Betrag pauschal mit 30% versteuern. Damit ist dann die Steuerpflicht beim Beschenkten abgegolten.

Vorschlag der »Steuertipps«-Redaktion: VIP-Logen werden von großen Unternehmen wie Telekom, BMW oder Siemens finanziert, nicht jedoch von kleinen Unternehmen. Wir hoffen deshalb, dass sich die Finanzverwaltung auch bei kleineren Unternehmern für ihre Geschenke im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft eine vergleichbar einfache und pragmatische Regelung einfallen lässt.

Weitere News zum Thema

  • Keine Lohnsteuerpauschalierung bei Gehaltsumwandlung

    [] Eine pauschale Lohnversteuerung von Zuschüssen des Arbeitgebers zu Fahrtkosten und Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Internetnutzung ist nur zulässig, wenn diese Leistungen zusätzlich zum ursprünglich vereinbarten Bruttolohn erbracht werden. Dies hat das FG Düsseldorf entschieden. mehr

  • Firmenwagen: Privatnutzung darf trotz Nutzungsverbot angenommen werden

    [] Bei einem Gesellschafter ist die auf den Beweis des ersten Anscheins gestützte Annahme, er habe einen ihm zur Verfügung stehenden Dienst-Pkw privat genutzt, auch dann möglich, wenn formal ein Nutzungsverbot zwischen den Gesellschaftern vereinbart worden ist. Dies hat das FG Hamburg entschieden. mehr

  • Wenn das Finanzamt ehrliche Angaben von Arbeitnehmern ignoriert...

    [] Ein Finanzamt übernahm die elektronisch übermittelten Lohndaten eines Arbeitnehmers, der aber einen anderen Arbeitslohn in seiner Steuererklärung erklärt hatte. Wenn das dem Finanzamt später irgendwann auffällt, ist es zu spät: Ändern nicht mehr möglich, sagt der BFH. mehr

  • Wenn Kollegenstreit auf dem Weg zur Arbeit eskaliert

    [] Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Kollegen gemeinsam zur Arbeit. Dann gibt es Streit. Und es wird handgreiflich. Klar: Das wird Ihnen so hoffentlich wohl niemals passieren. Doch wenn sich so etwas ereignen sollte: Bei Verletzungsfolgen kann ggf. die Berufsgenossenschaft eintreten. Das entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg am 22.11.2017 (Az. L 1 U 1277/17). mehr

  • Besteuerung von Aufstockungsbeträgen zum Transferkurzarbeitergeld

    [] Erhält ein Arbeitnehmer von einer Transfergesellschaft, in der er nach Beendigung seines bisherigen Arbeitsverhältnisses übergangsweise beschäftigungslos angestellt ist, Aufstockungsbeträge zum Transferkurzarbeitergeld, unterliegen diese Beträge dem ermäßigten Steuertarif. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.