Bewertung von steuerfreien Sachbezügen

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Ende 2010 hat der BFH entschieden, unter welchen Voraussetzungen Gutscheine ein steuerbegünstigter Sachbezug sind. Jetzt äußert sich die OFD Rheinland dazu, wie Sachbezüge zu bewerten sind – und weicht dabei zum Teil von den Lohnsteuerrichtlinien ab.

Die Sensationsurteile aus dem November 2010

Gleich in drei Fällen hatte der BFH zugunsten der Arbeitgeber klargestellt, dass sie ihren Arbeitnehmern Tank- oder Geschenkgutscheine aushändigen und dafür die monatliche Freigrenze von 44 Euro für Sachbezüge nutzen können:

  • Fall 1: Arbeitnehmer hatten anlässlich ihres Geburtstages vom Arbeitgeber Geschenkgutscheine über 20 Euro erhalten, die sie bei einer Buchhandelskette einlösen konnten (BFH, Urteil vom 11.11.2010, Az. VI R 21/09).
  • Fall 2: Arbeitnehmer durften mit vom Arbeitgeber ausgestellten und in einem bestimmten Monat einzulösenden Benzingutscheinen bei einer Tankstelle ihrer Wahl 30 Liter Treibstoff tanken. Die Arbeitnehmer bezahlten selber und erhielten später gegen Vorlage von Gutschein und Quittung die Kosten vom Arbeitgeber erstattet (BFH, Urteil vom 11.11.2010, Az. VI R 40/10)
  • Fall 3: Arbeitnehmer durften gegen Vorlage einer elektronischen Tankkarte des Arbeitgebers bei einer bestimmten Tankstelle monatlich tanken. Auf der Karte waren die Literzahl eines bestimmten Kraftstoffs sowie der Höchstbetrag von 44 Euro gespeichert. Der Betrag wurde vom Konto des Arbeitgebers abgebucht (BFH, Urteil vom 11.11.2010, Az. VI R 27/09).

Bewertungsabschlag fällt weg – was bedeutet das?

Schon kurz nach den Urteilen hatten wir vermutet, dass dem Fiskus diese Entwicklung nicht gefallen würde. Wegen der Vielzahl gleicher Entscheidungen hat es die Finanzverwaltung aber natürlich nicht gewagt, die steuerzahlerfreundliche neue Rechtsprechung durch einen Nichtanwendungserlass außer Kraft zu setzen. Jetzt verschafft sie sich durch ein Hintertürchen aber doch noch etwas Genugtuung, und wischt dem Steuerzahler eins aus: Für viele Fälle soll der vierprozentige Bewertungsabschlag wegfallen.

Die Bewertung von Sachbezügen richtet sich nach dem Endpreis für Letztverbraucher (R 8.1 Abs. 2 Satz 9 LStR). Dieser wird um übliche Preisnachlässe vermindert. Als Vereinfachungsregel gilt nach R 8.1 Abs. 2 Satz 9 LStR: Der geldwerte Vorteil kann bei einem Sachbezug nur mit 96% des für Letztverbraucher geltenden Preises berechnet werden. Dieser sogenannte Bewertungsabschlag ist laut Finanzverwaltung nicht anwendbar bei

  • betragsmäßig begrenzten Gutscheinen,
  • nachträglicher Kostenerstattung und
  • zweckgebundenen Geldzuwendungen.

Die Verwaltung sieht in diesen Fällen die Voraussetzungen für den Abschlag nicht gegeben, da kein Bewertungserfordernis besteht (OFD Rheinland, Erlass vom 17.5.2011, Az. S 2334-1026-St 212).

Achtung!

Die 44 Euro-Grenze für steuerfreie Sachbezüge ist eine Freigrenze. Das bedeutet: Sobald der Betrag von 44 Euro überschritten wird, ist der gesamte Sachbezug steuerpflichtig.

Während bisher die Grenze dank des Bewertungsabschlags tatsächlich erst bei etwas mehr als 44 Euro erreicht wurde, muss jetzt darauf geachtet werden, dass tatsächlich kein Cent mehr als 44 Euro als Sachbezug zugewendet wird.

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