Betriebliche Adventsfeier: Auch das Finanzamt nimmt teil

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Bittet der Arbeitgeber die Belegschaft zum vorweihnachtlichen Zusammensein, verlangt der Fiskus von den teilnehmenden Mitarbeitern oftmals und völlig überraschend im Nachhinein Lohnsteuer. Damit keine Abgaben anfallen, muss der Chef einige Voraussetzungen erfüllen.

Diese sollten bereits vor der Feier erfüllt werden, denn im Nachhinein lässt sich das nur selten nach den Wünschen des Finanzamts reparieren.

  • Es muss es sich bei der Weihnachtsfeier um eine übliche Betriebsveranstaltung handeln. Die Teilnahme muss allen Arbeitnehmern offen stehen, nicht nur einzelnen Gehaltsgruppen oder erfolgreichen Mitarbeitern als Belohnung.
  • Das Finanzamt akzeptiert lediglich zwei betriebliche Veranstaltungen pro Jahr als üblich. Ist die Weihnachtsfeier nach Firmenjubiläum und Sommerfest bereits die dritte Einladung, liegt steuerpflichtiger Arbeitslohn vor. Das gilt selbst dann, wenn einzelne Arbeitnehmer an den vorherigen Feiern nicht teilgenommen haben.
  • Der Chef darf nicht allzu großzügig sein. Denn eine Betriebsfeier darf pro Teilnehmer brutto nur 110 Euro kosten. In diesen Betrag fließen Kosten für Speisen, Getränke, Raummiete, Fahrten, Darbietungen und kleine Geschenke an die Mitarbeiter ein. Ergibt nun die Gesamtsumme, dividiert durch die Teilnehmeranzahl, einen höheren Betrag, liegt insgesamt Arbeitslohn vor. Darf der Partner mit zur Weihnachtsfeier, wird sein Kostenanteil dem Arbeitnehmer zugeschlagen.
  • Lohnsteuerprüfer nehmen sich solche Festivitäten gerne kritisch unter die Lupe. Denn bei formalen oder rechtlichen Fehlern gibt es sofort Nachsteuern für eine Vielzahl von Arbeitnehmern. Damit diese Gefahr nicht besteht, müssen Firmen stets eine zeitnahe Dokumentation von allen angefallenen Kosten und der Teilnehmeranzahl vornehmen. Es muss also faktisch eine separate Buchführung nur für das vorweihnachtliche Zusammensein angelegt werden.
  • Im Rahmen der Feier überreichte kleine Weihnachtsgeschenke für die Mitarbeiter werden in die Grenze von 110 Euro einbezogen. Kostet das Fest den Chef beispielsweise pro Teilnehmer 95 Euro (noch deutlich unter der Freigrenze) und übereicht er jedem Mitarbeiter ein Präsent im Wert von 20 Euro, wird durch diese Großzügigkeit alles steuerpflichtig, weil die Freigrenze mit (95 plus 20) 115 Euro leicht überschritten ist. Damit werden nicht nur die überschießenden fünf Euro, sondern der gesamte Sachbezug steuerpflichtig.
  • Gibt es statt üblicher Gelegenheitsgeschenke wie Blumen, Sachbuch oder Pralinen ein wertvolles Präsent, unterliegt diese Zugabe stets der Lohnsteuer. Diese wird außerhalb der 110-Euro-Grenze erfasst.

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