Arbeitsverhältnis: Urlaub verbraucht trotz Pflege eines kranken Kindes

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Hat ein berufstätiges Elternteil Urlaub und muss während dieser Zeit sein erkranktes Kind betreuen, besteht kein Anspruch auf Nachgewährung des Urlaubs. Die genommenen Urlaubstage sind trotz Pflegeeinsatz verbraucht.

Eine berufstätige Mutter arbeitete als Verkäuferin. Sie beantragte vom 16. 11. 2009 bis zum 21. 11. 2009 Urlaub, den der Arbeitgeber bewilligte. Genau über diese Urlaubstage wurde ihr 9-jähriges Kind krank, das sie pflegen musste. Dies konnte sie durch ein ärztliches Attest nachweisen.

Als die Verkäuferin über Weihnachten 2009 erneut Erholungsurlaub beantragte, lehnte der Arbeitgeber dies ab. Er verwies darauf, dass die sechs Tage Erholungsurlaub trotz der Erkrankung des Kindes verbraucht seien.

Darüber entbrannte ein Streit, den das Arbeitsgericht Berlin wie folgt entschied: Der im November bewilligte Urlaub ist verbraucht. Die Arbeitnehmerin kann nicht verlangen, dass ihr sechs Tage Erholungsurlaub nachgewährt werden - obwohl sie während dieser Zeit nachweislich ihren erkrankten Sohn betreuen musste. Das Risiko "urlaubsstörender Ereignisse" trägt ausschließlich der Arbeitnehmer.

Davon zu unterscheiden ist der in § 9 BUrlG geregelte Fall, dass ein Arbeitnehmer während seines bewilligten Urlaubs selbst erkrankt. Hier werden die durch ärztliches Attest nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Doch diese Vorschrift wird auf den Fall der Erkrankung eines Kinders nicht angewendet (ArbG Berlin, Urteil vom 17. 6. 2010, Az. 2 Ca 1648/10).

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