Verfallene Optionsprämien sind Verluste aus Kapitalvermögen

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Die steuerliche Behandlung einer gezahlten Optionsprämie war lange Zeit umstritten. Kam es nach dem Kauf einer Kaufoption zur Anschaffung des Basiswerts (insbesondere Aktien, Indizes oder Währungen), erhöhte die Optionsprämie unstrittig die Anschaffungskosten. Uneinig war man sich dagegen, wie mit einer Optionsprämie zu verfahren ist, wenn das Optionsrecht ungenutzt verfällt.

Das ist immer dann der Fall, wenn bis zum Ablauf der Optionsfrist keine Ausübung, Glattstellung oder Weiterveräußerung durch den Optionsnehmer erfolgt. Konsequenz in diesem Fall: Die Option wird nach dem Ende der Laufzeit als wertlos aus den Wertpapierdepots der Anleger ausgebucht.

Beispiel:

Eine im Januar gekaufte Call-Option berechtigt den Käufer zum Kauf von Aktien der A-AG zum festgelegten Preis von 100,00 € je Aktie am 31.3. Notiert die Aktie am 31.3. über 100,00 €, lohnt sich die Ausübung der Option. Die Aktie wird zu 100,00 € gekauft, obwohl der Börsenwert bereits höher ist.

Für dieses Recht, zu einem späteren Zeitpunkt die Aktien zum festgelegten Kurs kaufen zu dürfen, hat der Optionskäufer eine Prämie gezahlt, die den Anschaffungspreis seiner Aktien erhöht.

Kann die Aktie am Fälligkeitstag an der Börse aber zu 80,00 € eingekauft werden, hat der Optionskäufer kein Interesse daran, sein Kaufrecht auszuüben. Er wird darauf verzichten und die Option ungenutzt verfallen lassen.

Den Verfall einer Option rechnet das Bundesfinanzministerium dem privaten Vermögensbereich zu und versagt die Anerkennung der Aufwendungen bei der Festsetzung der Kapitaleinkünfte (BMF-Schreiben vom 9.10.2012, BStBl. 2012 I S. 953 Rz. 27, 32). In dieser Frage wurden schon zahlreiche Einsprüche und Klagen geführt. Nach Meinung der Finanzverwaltung hätten Anleger ihr Optionsrecht mit Verlust vor Verfall verkaufen müssen, um die Aufwendungen geltend zu machen.

In jüngster Zeit hat sich der Bundesfinanzhof nun von seiner bisherigen Praxis abgewandt und stellt sich auf die Seite der Steuerpflichtigen. Bereits 2012 hatte eine Entscheidung für Aufregung gesorgt, mit der der BFH den Abzug der Optionsprämie einer wertlos verfallenen Option vor Einführung der Abgeltungsteuer zugelassen hat.

Nun haben die obersten Finanzrichter in einem Fall entschieden, der sich auf die Zeit seit Einführung der Abgeltungsteuer bezieht. Auch hier ist der BFH der Ansicht, dass die verfallene Optionsprämie steuerlich als negativer Kapitalertrag (also Verlust) zu bewerten ist. Damit haben die Käufer von Optionen einen Sieg errungen (BFH-Urteile vom 12.1.2016, Az. IX R 48 / 14, IX R 49 / 14 und IX R 50 / 14).

Sollte Ihnen die Anerkennung von Optionsprämien verfallener Optionen versagt werden, legen Sie Einspruch unter Berufung auf die genannten BFH-Urteile ein.

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