Erbschaft und Schenkung: Frühzeitig planen und so Steuern sparen III

1. Erbschaft-/Schenkungsteuererklärung

Bei vielen Vermögensübergängen durch Erbschaft oder Schenkung erfährt das Finanzamt auch ohne Ihr Zutun von der Übertragung.

In diesen Fällen wird das Finanzamt automatisch informiert

  • Banken, Sparkassen und andere Kreditinstitute müssen bei Tod eines Kontoinhabers alle Guthaben, aufgelaufenen Zinsen und Depotstände des Verstorbenen dem zuständigen Erbschaftsteuer-Finanzamt melden. Die Meldung muss innerhalb eines Monats erfolgen, nachdem die Bank vom Tod des Kontoinhabers erfahren hat. In die Meldung einbezogen werden auch Gemeinschaftskonten, an denen der Verstorbene beteiligt war, sowie Konten bei ausländischen Niederlassungen einer deutschen Bank oder bei ausländischen Banken, die eine deutsche Niederlassung unterhalten.

    Die Anzeige enthält die Guthabenstände am Tag des Todes. Wurden Konten vor dem Tod mit Zustimmung des Kontoinhabers »abgeräumt«, werden diese Beträge nicht gemeldet.

    Unterhielt der Verstorbene ein Bankschließfach, muss auch dieses in die Meldung aufgenommen werden. Dabei wird nicht der Inhalt des Schließfaches an die Finanzämter gemeldet, sondern lediglich dessen Existenz und der Versicherungswert.

    Eine Bank muss keine Meldung abgeben, wenn der Wert aller Konten zusammen 5.000,– € nicht übersteigt (§ 1 Abs. 4 Nr. 2 ErbStDV).

  • Kreditinstitute oder Gesellschaften müssen die nach dem Tod des Erblassers erfolgte Umschreibung von Namensaktien und Namensschuldverschreibungen melden.

  • Die Gerichte und Notare müssen insbesondere anzeigen: die Erteilung von Erbscheinen, den Inhalt eröffneter Testamente, abgewickelte Erbauseinandersetzungen, beurkundete Vereinbarungen der Gütergemeinschaft und beurkundete Schenkungen.

  • Versicherungsunternehmen und Sterbekassen, die eine Versicherungssumme oder eine Leibrente einem anderen als dem Versicherungsnehmer auszahlen (z.B. an den überlebenden Ehepartner), müssen das Erbschaftsteuer-(Schenkungsteuer-)Finanzamt vor der Auszahlung davon in Kenntnis setzen. Das Gleiche gilt, wenn der Versicherungsvertrag mit dem/den Erben fortgesetzt wird.

  • Standesämter teilen beurkundete Sterbefälle ebenfalls automatisch dem Erbschaftsteuer-Finanzamt mit.

Von Schenkungen, die nicht bei einem Notar beurkundet wurden, erfährt das Finanzamt zunächst nichts. Bei größeren Beträgen müssen Sie jedoch damit rechnen, dass Fragen gestellt werden, wenn z.B. die Einkünfte aus Kapitalvermögen in einem Jahr erheblich von denen des Vorjahres abweichen oder Sie einen größeren Betrag als Eigenkapital beim Kauf einer Immobilie einsetzen, ohne zuvor Zinseinkünfte in der Einkommensteuererklärung deklariert zu haben. Hier wird Ihr Einkommensteuer-Finanzamt auf die Schenkung aufmerksam werden und die Information an die Schenkungsteuerstelle weiterleiten.

1.1 Müssen Sie das Finanzamt informieren?

  • Bei einer Erbschaft hat jeder Erbe und

  • bei einer Schenkung haben der Schenker und der Beschenkte

die Pflicht, dem zuständigen Erbschaftsteuer-(Schenkungsteuer-)Finanzamt die Erbschaft bzw. Schenkung formlos anzuzeigen (§ 30 ErbStG). Das muss innerhalb von drei Monaten geschehen, nachdem Sie von der Erbschaft bzw. Schenkung Kenntnis erlangt haben.

Den Erwerb müssen Sie sogar dann anzeigen, wenn die Freibeträge nicht überschritten werden. Das Finanzamt überprüft dann,

  • ob eine Erbschaft- oder Schenkungsteuererklärung anzufordern ist (weil Sie z.B. innerhalb der letzten zehn Jahre von der gleichen Person bereits eine Schenkung erhalten haben) und

  • ob eventuell Kontrollmitteilungen für das Einkommensteuer-Finanzamt angefertigt werden müssen.

Welches Finanzamt für Sie zuständig ist, erfragen Sie am einfachsten bei Ihrem Einkommensteuer-Finanzamt.

Die Anzeige muss die folgenden Angaben enthalten:

  • persönliche Daten des Erwerbers und des Schenkers/Erblassers;

  • Datum der Schenkung oder Todestag des Erblassers;

  • eine Aufstellung der übertragenen Vermögensgegenstände und ihres Wertes;

  • Angaben zum Grund der Übertragung (Schenkung, Vermächtnis, gesetzliche Erbfolge);

  • Darstellung des persönlichen Verhältnisses zwischen Erwerber und Schenker/Erblasser;

  • Aufstellung früherer Zuwendungen vom Schenker/Erblasser an den Erwerber (innerhalb der letzten zehn Jahre).

1.2 Müssen Sie eine Steuererklärung abgeben?

Nach der Anzeige der Übertragung kann das Finanzamt Sie zur Abgabe einer Steuererklärung auffordern. Da die Erklärung jedoch grundsätzlich die gleichen Angaben enthält wie die Anzeige des Erwerbs, können Sie stattdessen auch direkt den Erklärungsvordruck ausfüllen.

1.2.1 Schenkungsteuererklärung

Das Finanzamt kann von jedem an einer Erbschaft oder Schenkung Beteiligten die Abgabe einer Erbschaft- bzw. Schenkungsteuererklärung verlangen, auch dann, wenn die Freibeträge nicht überschritten werden (§ 31 Abs. 1 ErbStG). Im Regelfall schickt das Finanzamt Ihnen die Steuerformulare für die Erbschaft- oder Schenkungsteuererklärung aber nur dann zu, wenn voraussichtlich auch eine Steuer festgesetzt wird. Erbschaft- oder Schenkungsteuer wird nur ab € 50,–, dann aber in voller Höhe erhoben (§ 22 ErbStG). Erst wenn das Finanzamt Ihnen die Formulare zugeschickt hat, müssen Sie eine Erbschaft- bzw. Schenkungsteuererklärung abgeben.

Bei einer Schenkung wird im Normalfall der Beschenkte zur Abgabe der Steuererklärung aufgefordert. Der Schenker muss nur ausnahmsweise eine Steuererklärung abgeben, z.B. wenn dem Finanzamt bekannt ist, dass der Schenker zusätzlich zur Schenkung die Schenkungsteuer tragen will.

Der Vordruck für die Schenkungsteuererklärung umfasst nur vier Seiten und ist schnell ausgefüllt. Es werden lediglich das aktuelle Geschenk (also z.B. das Kapitalvermögen oder die geschenkte Immobilie) und die Vorschenkungen innerhalb der letzten zehn Jahre erfasst.

Die Bewertung und Aufstellung der einzelnen Vermögensgegenstände sollten Sie in Anlagen ergänzen. Für Immobilien und Betriebsvermögen erhalten Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt besondere Vordrucke zur Wertermittlung. Hier wird eine sogenannte Feststellungserklärung abgegeben. Auf der Basis dieser Erklärung ermittelt dann das Finanzamt, in dessen Bezirk das Grundstück oder der Betrieb liegt, den Wert anhand der Vorschriften des Bewertungsgesetzes.

Der Steuerbescheid ergeht in der Regel an den Beschenkten, wenn Sie nicht bereits in der Steuererklärung angegeben haben, dass der Schenker die Steuer tragen will. Bedenken Sie, dass im Falle einer Schenkung immer Schenker und Beschenkter Steuerschuldner sind (§ 20 ErbStG). Das bedeutet: Zahlt der Empfänger des Steuerbescheids nicht, kann die Finanzverwaltung einen neuen Bescheid erlassen und die Steuer anstelle vom Beschenkten auch vom Schenker fordern oder umgekehrt.

Wenn Sie eine schriftliche Schenkungsvereinbarung treffen, sollten Sie darin festlegen, wer die Schenkungsteuer trägt. So haben Sie als Schenker die Möglichkeit, vom Beschenkten Ersatz zu fordern, falls dieser seiner Pflicht zur Steuerzahlung nicht nachkommt.

1.2.2 Erbschaftsteuererklärung

Eine Erbschaftsteuererklärung geben Sie am besten gemeinsam ab. Dadurch ersparen es sich die Erben, die Details des Mantelbogens der Erbschaftsteuer jeweils separat noch einmal einzureichen. Theoretisch könnte auch jeder Erbe eine eigene Erklärung abgeben. Sofern sich die Erben jedoch verstehen, ist es einfacher, eine gemeinsame Erklärung mit gemeinsamer Nachlassaufstellung einzureichen. Dadurch vermeiden sie auch mögliche Nachfragen bei nicht übereinstimmenden Angaben.

Möchten Sie mehr wissen?

Im Gesamtbeitrag finden Sie noch weitere Informationen zu den Themen:

  • Diese Gestaltungsmöglichkeiten haben Sie

  • Wann und wie hoch fällt die Steuer an?

  • Wie hoch sind die persönlichen Freibeträge?

  • Wie hoch ist die Erbschaft-/Schenkungsteuer?

  • So berechnen Sie den steuerpflichtigen Erwerb

  • So werden einzelne Gegenstände bewertet

  • So senken Sie die Steuerlast

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