Verfall von Optionsscheinen: Werbungskosten bis 2008 abziehbar

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Wer nach altem Recht (bis 2008) einen Optionsschein wertlos verfallen ließ, kann die Anschaffungskosten für den Erwerb der Optionsscheine innerhalb der »alten« einjährigen Spekulationsfrist als vergebliche Werbungskosten nach § 23 EStG a.F. abziehen. So hat es kürzlich der Bundesfinanzhof für einen Fall aus den Jahren 1999 und 2000 entschieden.

Voraussetzung: Der Anleger hat die Aufwendungen für den Erwerb der am Ende der Laufzeit schließlich verfallenen Kauf- und Verkaufsoptionen getätigt, um in Erwartung der von ihm prognostizierten Preis- bzw. Kursentwicklung der Basiswerte einen Gewinn zu erzielen.

In dem entschiedenen Fall hatte ein Anleger hohe Gewinne aus Aktienverkäufen und Optionsgeschäften erzielt, gleichzeitig durch wertlos gewordene Optionsscheine aber hohe Verluste erlitten, die er von seinen Veräußerungsgewinnen abziehen wollte. Das Finanzamt lehnte dies ab, dem widersprach jetzt der BFH (BFH-Urteil vom 26.9.2012, IX R 50/09 ).

Die Richter begründen ihr Urteil so: Der Gesetzgeber verlangt vom Anleger nicht, sich wirtschaftlich sinnlos zu verhalten. Vielmehr besteuert er nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Und für diese spielt es keine Rolle, ob ein Anleger seine Optionen mit Verlust ausübt oder ob er – vernünftigerweise – die Optionen verfallen lässt. In beiden Fällen ist seine Leistungsfähigkeit um die Optionsprämien gemindert und deshalb sind auch beide Fälle gleich zu besteuern.

Es bleibt abzuwarten, ob das Bundesfinanzministerium dieses Urteil mit einem Nichtanwendungserlass aushebeln wird.

Für die aktuelle Rechtslage hat das Urteil keine Bedeutung. Denn seit 2009 zählen Optionsgeschäfte zu den Einkünften aus Kapitalvermögen, bei denen ein Werbungskostenabzug nicht mehr möglich ist. Verluste werden nur anerkannt, wenn die Papiere verkauft wurden bzw. die Option ausgeübt oder glattgestellt wurde.

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