Streit ums Erbe absetzbar?

 - 

Streitigkeiten um Erbschaften sind vor den Gerichten leider an der Tagesordnung. Dürfen Rechtsanwaltskosten, die im Zusammenhang mit einer Erbauseinandersetzung entstehen, als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden?

Nein, sagt der BFH in einem aktuell veröffentlichten Urteil. Der Entscheidung liegt folgender Fall zugrunde:

Ein Ehepaar begehrte die Berücksichtigung von Rechtsanwaltskosten in Höhe von insgesamt 4.899,18 €, die im Zusammenhang mit einer Erbauseinandersetzung und einem weiteren Verfahren wegen Vergütung dieser Rechtsanwaltskosten entstanden waren. Zur Begründung führte das Ehepaar aus, das Amtsgericht habe dem Antrag des Ehemannes auf Erteilung des Erbscheins als Alleinerbe seiner Mutter entsprochen. Der Rechtsstreit sei notwendig gewesen, weil der Sohn des Mannes seinem Vater das Erbe habe streitig machen wollen.

Das Finanzgericht erkannte Prozesskosten in Höhe von 4.199 € als außergewöhnliche Belastungen an und wies die Klage im Übrigen ab.

Der BFH entschied: Die vom Kläger getragenen Prozesskosten sind nicht als außergewöhnliche Belastungen zu berücksichtigen, denn der Zivilprozess im Zusammenhang mit der Erbenstellung berührt keinen existenziell wichtigen Bereich und auch nicht den Kernbereich menschlichen Lebens. Das aber ist die Voraussetzung für eine steuerliche Abziehbarkeit der Kosten eines Zivilprozesses.

Die Richter präzisierten: Mit der Durchsetzung seiner Erbenstellung verfolgte der Kläger das Ziel, seine wirtschaftliche Situation zu verbessern. Das Ziel der Mehrung des Vermögens durch eine Erbschaft ist allerdings nicht mit einem existenziell wichtigen Bereich, etwa dem drohenden Verlust einer schon vorhandenen Existenzgrundlage und deren Bewahrung, Absicherung oder Zurückerlangung im Rahmen eines Zivilprozesses, gleichzustellen (BFH-Urteil vom 20.1.2016, VI R 93/13 ).

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.