Fehlendes Testament sorgt später häufig für gerichtlichen Streit in der Familie

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Die Anzahl der Rechtsstreitigkeiten rund ums Erbe nimmt ständig zu. Ursache hierfür ist häufig, dass die Verstorbenen nach ihrem Tode kein Testament hinterlassen, sodass die gesetzliche Erbfolge eintritt. Diese kann für alle Beteiligten so manche Überraschungen beinhalten.

Das gilt besonders dann, wenn das Erbe dadurch nicht einen Erben allein zufällt, sondern unter mehreren Erben aufgeteilt wird, sodass eine Erbengemeinschaft entsteht, bei der kein Erbe allein über seinen Erbanteil verfügen kann, sondern immer die Zustimmung aller Erben benötigt. Genau hierdurch entsteht unter den Erben häufig großer Streit, der nicht selten erst vor Gericht endet.

Gesetzliche Erben der ersten Ordnung, und damit zuerst erbberechtigt, sind die Abkömmlinge des Verstorbenen, "Erblasser" genannt. Hierunter sind die Kinder des Erblassers zu verstehen, auch nichteheliche, und soweit diese bereits vorverstorben sind, auch Enkel oder gar Urenkel. Mehrere Erben derselben Ordnung erben dabei zu gleichen Teilen, also z.B. drei Kinder zu je ein Drittel Anteil.

Sind Erben der ersten Ordnung nicht vorhanden, kommt die zweite Ordnung zum Zug. In diese fallen die Eltern und soweit bereits verstorben oder teilweise verstorben, deren Abkömmlinge, also Geschwister und ggf. deren Kinder, Nichten und Neffen des Erblassers.

Sind keine Erben der ersten oder zweiten Ordnung vorhanden, kommt die dritte Ordnung zum Tragen, zu der die Großeltern zählen, und da bereits meist vorverstorben, deren Abkömmlinge, also Vettern und Cousinen des Erblassers und deren Kinder. Bei ganz verzwickten Familienverhältnissen können, wenn keine Erben der ersten, zweiten oder dritten Ordnung vorhanden sind, auch noch die Urgroßeltern oder gar Ururgroßeltern und deren Abkömmlinge zum Zuge kommen.

Neben dem Erbrecht der nächsten Verwandten ist das Erbrecht des überlebenden Ehegatten gesetzlich geregelt Der überlebende Ehegatte erhält im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, also wenn nichts anderes vereinbart wurde, neben Erben der ersten Ordnung (Kinder, Enkel etc.) die Hälfte des Nachlasses. Neben Erben der zweiten Ordnung (Eltern und deren Abkömmlinge) und neben Großeltern erhält er drei Viertel des Nachlasses

Nur dann, wenn der Verstorbene neben seinem Ehegatten keine Kinder, Enkel, Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen oder deren Kinder oder Großeltern hinterlässt, erhält der überlebende Ehegatte die gesamte Erbschaft allein.

Beispiel: Der Erblasser hinterlässt seine Ehefrau, jedoch keine Abkömmlinge. Der Vater ist vorverstorben, die Mutter lebt noch. Ferner ist noch ein Bruder vorhanden, während eine Schwester bereits ebenfalls vorverstorben ist. Sie hinterlässt jedoch zwei Kinder. Hieraus ergibt sich folgende gesetzliche Erbfolge: Es entsteht eine Erbengemeinschaft, bei der die überlebende Ehefrau drei Viertel des Nachlasses erhält, die Mutter ein Achtel, der noch lebende Bruder ein Sechszehntel Anteil und die beiden Kinder der vorverstorbenen Schwester (Nichten und Neffen des Erblassers) je ein Zweiunddreißigstel Anteil. Gehört zum Nachlass z.B. Haus- und Grundbesitz, so kann dieser nur mit Zustimmung aller Erben verwertet werden

Tipp
Wenn Sie Ihren Nachlass nicht im Wege der gesetzlichen Erbfolge übergeben wollen, müssen Sie eine letztwillige Verfügung treffen. Das wird normalerweise ein Testament sein. Ein Erbvertrag kommt nur in besonderen Fällen infrage, wenn sich die Parteien gegenseitig binden wollen oder Sie eine Pflegeverpflichtung des Vertragserben damit verbinden wollen. Überlegen Sie sich gut, wer Erbe werden soll. Haben Sie mehrere Kinder, lässt sich eine Erbengemeinschaft nicht vermeiden. In diesem Fall sollten Sie klare Teilungsanweisungen geben, also für jeden einzelnen Erben eine Quote benennen. Befürchten Sie, dass Ihre Kinder Ihrem Ehepartner und Alleinerben das Leben schwer machen, indem sie ihren Pflichtteil verlangen, hilft die sogenannte Pflichtteilsklausel, mit der derjenige, der vom überlebenden Ehepartner den Pflichtteil verlangt, hinsichtlich des künftigen Erbteils auf den Pflichtteil beschränkt wird.

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