Erbschaft und Schenkung: Steuern sparen über drei Generationen

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Bei der Weitergabe von Vermögen wird in vielen Fällen nur die nächste Generation bedacht. Eltern geben ihr Vermögen meistens an die eigenen Kinder weiter. Wer nur ein Kind und größeres Vermögen hat, muss in vielen Fällen Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer zahlen. Vergessen wird häufig, dass auch Enkelkinder bei der Übertragung von den Großeltern einen Freibetrag von 200.000 € in Anspruch nehmen können.

Meistens verfällt dieser aber ungenutzt. Stattdessen wird das Vermögen vollständig auf die Kinder übertragen und löst damit Steuer aus. Beim Übergang von den Kindern auf die Enkel fällt ein weiteres Mal Steuerbelastung an, sobald die Freibeträge überschritten sind.

Beispiel:

Herr Meier verfügt über ein Geldvermögen von 600.000 €, das er seinem Sohn schenken möchte. Der Sohn ist Vater eines Kindes und hat eigenes Vermögen, sodass er die Geldschenkung des Vaters voraussichtlich investieren wird.

Steuerbelastung bei Schenkung an den Sohn:

Schenkung

600.000 €

./.

Freibetrag

./.

400.000 €

=

steuerpflichtige Bereicherung

=

200.000 €

Erbschaft-/Schenkungsteuer (11 %)

22.000 €

Bezieht der Vater dagegen Sohn und Enkel in die Übertragung ein, kann er eine Steuerbelastung vollständig vermeiden: Schenkt er seinem Sohn 400.000 € und dem Enkel 200.000 €, bleiben beide Beträge steuerfrei. Die Einbeziehung des Enkels spart in diesem Fall 22.000 €. Solange der Enkel noch minderjährig ist, sind seine Eltern für die Verwaltung der geschenkten Gelder verantwortlich. Danach kann der Enkel frei über das Vermögen verfügen.

Die Einbeziehung von Enkelkindern bietet sich nicht nur bei Schenkungen, sondern vor allem bei der Testamentsgestaltung an. Grund: Bei Schenkungen müssen Sie die Verfügungsmöglichkeit über die geschenkten Mittel sofort an den Enkel übertragen.

Bei einem Testament können Sie dagegen durch eine beschränkte Testamentsvollstreckung dafür sorgen, dass die Enkel nicht frühzeitig über die Mittel verfügen. Besonders bei der Übertragung größerer Vermögen wird häufig eine Testamentsvollstreckung in diesem Sinne vorgesehen.

Auch wenn die Kinder die geschenkten Mittel in voller Höhe für Investitionen benötigen, kann eine Einbeziehung der Enkel steuerlich für alle Beteiligten eine sinnvolle Alternative sein. Denn richtig gestaltet sparen Sie als Großeltern durch die Einbeziehung der Enkel in den Übertragungsvorgang zunächst Schenkungsteuer. Anschließend reduzieren Sie durch ein Darlehen der Enkel an ihre Eltern zusätzlich ihre Einkommensteuer.

Prüfen Sie also in jedem Fall die Einbeziehung der Enkelkinder, wenn steuerliche Freibeträge bei einer Schenkung an die Kinder überschritten werden.

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