Riester- und Rürup-Rente: Wer profitiert von welcher geförderten Vorsorge?

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Viele Bürger sind verunsichert, ob sie einen geförderten Vorsorgevertrag abschließen sollen. Sie misstrauen der staatlichen Unterstützung und argwöhnen, dass sie bei Bezug der Rente dann hohe Steuern und Sozialabgaben bezahlen müssen, sodass die ganze Förderung wieder an den Staat zurückfließt.

In der Tat stellt die Förderung kein Geschenk, sondern lediglich ein Anreizsystem dar, das aber einem sinnvollen und notwendigen Zweck dient – nämlich der heute absolut unverzichtbaren zusätzlichen Altersvorsorge.

Die Notwendigkeit, sich privat um eine zusätzliche finanzielle Absicherung im Alter zu kümmern, steht für die meisten Menschen außer Frage. Allerdings ist es nicht immer einfach, bei der Vielfalt der Angebote die individuell passende Lösung zu finden.

Für wen passt welches Modell?

Die Riester-Förderung richtet sich an rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Selbstständige sowie Soldaten und Beamte. Bei der Riester-Rente fördert der Staat durch Zulagen und eventuelle Steuererleichterungen die Eigeninitiative, sich eine private Zukunftssicherung aufzubauen. Interessant ist dieses Rentenangebot besonders für Familien mit Kindern, da für jedes kindergeldberechtigte Kind eine Zulage gezahlt wird.

Als Pendant dazu bietet die Rürup-Rente vor allem nicht rentenversicherungspflichtigen Selbstständigen und Freiberuflern eine steuerlich geförderte private Altersversorgung. Von dieser Option zur Steuererleichterung und zu einer »Basisrente« können aber auch Angestellte mit hoher Steuerlast und Beamte profitieren. Außerdem kann steuersparend eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung eingeschlossen werden.

Wie sieht die staatliche Förderung aus?

Wer riestert, kann mit staatlichen Zulagen rechnen. Unterschieden wird dabei zwischen einer Grundzulage für Erwachsene und einer Kinderzulage. Berufsstarter bis 25 erhalten zudem einmalig den Berufsstarter-Bonus. Die Zulagenförderung muss beantragt werden, am besten mit einem Dauerzulagenantrag, der nur dann zu ändern ist, wenn sich am Einkommen oder am Kindergeldanspruch etwas ändert.

Zusätzlich zur Zulagenförderung können die Beiträge zur Riester-Rente als Sonderausgaben in der Steuererklärung angegeben werden. Das Finanzamt prüft, ob über die staatliche Zulage hinaus weitere Steuerersparnisse zu gewähren sind, um die Beiträge steuerfrei zu stellen. Schließlich müssen die Rentenauszahlungen ja voll versteuert werden. Die ermittelte Differenz wird vom Finanzamt gutgeschrieben.

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs gilt diese Förderung durch Zulagen und Steuerersparnisse jetzt auch für Sparer, die es als Rentner ins EU-Ausland zieht.

 

Tipp
Stellen Sie einen Dauerzulagenantrag und schöpfen Sie die Förderung voll aus. Die höchste Förderquote erzielen Sie, wenn Sie die Zulagen voll ausschöpfen, indem Sie die erforderlichen vier Prozent des Vorjahresbruttogehalts bis maximal 2100 Euro minus Zulagen einzahlen. Bei Verheirateten sind dazu zwei Riester-Verträge erforderlich. Bezieht ein Ehepartner kein rentenversicherungspflichtiges Einkommen, muss er keinen Eigenbetrag leisten und erhält dennoch die volle Zulage.

Wer eine Basisrente abschließt, profitiert von den damit verbundenen Steuervorteilen. Jährliche Beiträge in Höhe von bis zu 20.000 Euro (Ehepaare: 40.000 Euro) können geltend gemacht werden. Davon sind 2010 70 Prozent steuerlich abziehbar. Dieser Prozentsatz steigt jedes Jahr um zwei Punkte bis auf 100 Prozent im Jahr 2025. Seit 1.1.2010 sind nur diejenigen Basisrenten als förderwürdig anerkannt, für die eine Zertifizierung der Versicherungsaufsicht BaFin vorliegt.

 

Wer bereits 60 Jahre oder älter ist, kann doppelt Steuern sparen: Bei einer Rürup-Sofortrente muss er 70 Prozent der Einzahlungen und 40 Prozent der Auszahlungen nicht versteuern. Dieser Effekt nimmt in späteren Jahren sogar noch zu und erreicht im Jahr 2025 seinen Hochpunkt (siehe Tabelle).

 

Tipp
Der Vorteil einer Rürup-Rente hängt von Ihrem Grenzsteuersatz ab. Eine Rürup-Rente lohnt sich nur bei hohem Steuersatz in der Ansparphase und niedrigem Steuersatz in der Auszahlungsphase. Wer bereits über 60 Jahre alt ist, profitiert bei einer Rürup-Sofortrente vom derzeit geringeren Besteuerungsanteil der ausgezahlten Rürup-Rente (60 Prozent). Die Einzahlungen des Jahres 2010 wirken sich mit bis zu 70 Prozent steuermindernd aus.

 

Die höchste Förderung wird erreicht, wenn man in den Rürup-Vertrag die Summe einzahlt, die der Staat maximal steuerlich fördert. Für jemanden, der keine Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung oder ein berufsständisches Versorgungswerk zahlt, sind das 20.000 Euro im Jahr (Verheiratete 40.000 Euro).

Wer hingegen Pflichtbeiträge für die Altersvorsorge zahlt, muss diese von den 20.000 Euro bzw. 40.000 Euro abziehen. So erhält er den geförderten Höchstbetrag.

Beachten Sie, dass nur die – jährlich steigenden – steuerfreien Anteile der Beiträge (2010 = 70 Prozent) Ihre Steuerlast mindern.

Vor Vertragsabschluss mehrere Angebote für eine Rürup-Rente einholen und diese vor allem anhand der garantierten Rente vergleichen.

Vor Vertragsabschluss fragen, ob man später den Anbieter wechseln kann. Dabei können jedoch erhebliche Kosten entstehen. Eine Alternative zum Anbieterwechsel ist die Beitragsfreistellung. Wenn Sie aus Ihrem Vertrag aussteigen wollen und keine Beiträge mehr zahlen, bekommen Sie das bis dahin angesparte Guthaben jedoch nicht ausbezahlt – wie bei der gesetzlichen Rente.

Die Anbieter von Rürup-Renten bieten Tarife an, bei denen die Beiträge zunächst mit der Abschlussprovision des Versicherers verrechnet werden (sogenannte gezillmerte Tarife). Extrazahlungen werden jedoch nicht gezillmert. Wer also bei seinem Rürup-Vertrag nur einen niedrigen Monats- oder Jahresbeitrag vereinbart und die Police mit Extrazahlungen aufstockt, hat seinen Vertrag nicht nur außerordentlich flexibel gestaltet, sondern auch die anfänglich verrechnete Provisionssumme verringert. Im Vertrag sollte diese Flexibilität vereinbart sein.

Verzichten Sie auf eine Hinterbliebenenrente. Sie schmälert die Altersrente drastisch. Besser sichert man die Familie mit einer separaten Risikolebensversicherung ab.

Berufsunfähigkeitsschutz ist nur dann interessant, wenn sonst keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhältlich ist. Die Gesundheitskriterien sind bei einer Versicherung im Rahmen der Rürup-Versicherung oft weniger streng als bei einer »normalen« Police oder sie entfallen gänzlich.

Wie funktioniert die Rentenauszahlung?

Egal, welches Modell gewählt wird: Der Rentenbezug beginnt frühestens mit dem 60. Lebensjahr; bei Verträgen, die ab dem 31.12.2011 abgeschlossen werden, mit Erreichen des 62. Lebensjahrs. Ab diesem Zeitpunkt müssen mindestens alle eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen.

Die Auszahlung erfolgt monatlich. Riester-Versicherte, die zu Beginn der Rentenauszahlung eine größere Investition tätigen wollen, können sich bis zu 30 Prozent des bis dahin angesammelten Gelds auszahlen lassen; entsprechend geringer fällt die Rentenleistung aus.

Ab dem Start der Rentenauszahlung wird die Riester-Rente voll besteuert. Da im Alter das Einkommen und somit der persönliche Steuersatz meist niedriger sind als im Erwerbsleben, kann die nachgelagerte Besteuerung vorteilhaft sein. Freiwillig krankenversicherte Rentner müssen obendrein Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.

Bei Beziehern einer Rürup-Rente erfolgt die Festlegung des steuerpflichtigen Anteils gemäß dem Jahr des Rentenbeginns, so wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Momentan beträgt der steuerpflichtige Anteil 60 Prozent. Dieser wird für jeden späteren Rentenbeginn um zwei Prozentpunkte pro Jahr erhöht, bis im Jahr 2020 80 Prozent erreicht sind. In den Folgejahren steigt der steuerpflichtige Anteil um jährlich einen Prozentpunkt und erreicht im Jahr 2040 100 Prozent.

Vererbung an Hinterbliebene

Rürup- und Riester-Rente sind Leibrenten, sodass das eingezahlte Kapital verfällt, wenn der Sparer stirbt.

Bei der Rürup-Rente bieten viele Versicherer eine Hinterbliebenenrente als Zusatzversicherung. Sinnvoll ist das nicht, denn es ja hier vorrangig um Altersvorsorge. Wer seine Angehörigen gegen das Todesfallrisiko absichern möchte, sollte besser eine private Risikolebensversicherung abschließen.

Bei der Riester-Rente reicht es hingegen, wenn der hinterbliebene Ehegatte einen Riester-Vertrag hat oder abschließt, um das angesparte Vermögen des verstorbenen Partners auf sich übertragen zu können.

 

Tipp
Die Riester-Rente gehört zur notwendigen Grundvorsorge, die sich jeder leisten sollte.

 

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